Kostbarkeiten aus Konstantinopel

Am Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz wird derzeit ein mittelalterlicher Schatz aus Bulgarien restauriert und analysiert. Bei den Schmuckobjekten handelt es sich um die einzigen materiellen Zeugnisse dieser Art, die auf eine kaiserliche Repräsentation im Byzantinischen Reich schließen lassen.

Manchmal hat man Glück und die Erde gibt wieder frei, was man einst in ihr vergraben hat. So geschah es auch im Frühjahr 1978 in der Nähe von Preslav, einer Kleinstadt in Ostbulgarien. Bereits im voran- gegangenen Winter riss ein Landwirt beim Pflügen unbemerkt den Hortfund an und verstreute dabei die Funde über seinem Acker. Als der Schnee schmolz, traten die Objekte zu Tage. Dass es sich dabei um den bedeutendsten byzantinischen Schmuckfund handelt, der sowohl aus einem gesi- cherten Fundkontext stammt als auch chronologisch einzuordnen ist, ahnte damals noch niemand. Nachdem es jahrelang im archäologischen Museum in Preslav ausgestellt wurde, wird das kostbare Ensemble aus über 180 Objekten aktuell in den Werkstätten des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mainz (RGZM) restauriert.

Matthias Heinzel, Restaurator und Leiter der Werkstatt für Edelmetallrestaurierung und Goldschmiede am RGZM, ist für die Bearbeitung zuständig. Die Objekte aus Gold und Silber sind mit Emails, Edelsteinen und Perlen verziert, darunter fünf Dia- demplatten, ein Collier, drei große Edelstein-Anhänger sowie 15 Silbermünzen. Letztere sind es auch, die, neben den historischen Umständen, eine Datierung des Hortes zulassen. Die Münzen stammen aus der Herrschaftszeit der byzantinischen Kaiser Konstantin VII. Prophyrogenetos und seines Sohnes Romanos II., die zusammen von 945 bis 959 regierten. Der Fundkomplex muss demnach in den Folgejahren in den Boden gelangt sein. Und dort überstand er die Jahrhunderte beinahe unbeschadet.

Frühere restauratorische Maßnahmen sind erkennbar

Auf den ersten Blick ist der Zustand der Objekte, die bereits bulgarische Restauratoren in der Hand hatten, ganz gut. Doch unter dem Mikroskop zeigt sich, dass es doch einiges zu tun gibt. „Denn trotz des Goldes hängt an einigen Stücken Kalksinter“, erklärt Matthias Heinzel. „Außerdem sind Reste früherer restauratorischer Maßnahmen erkennbar. Einige Stücke sind zum Beispiel mit viel zu viel Klebstoff zusammengeklebt und danach nicht richtig gesäubert worden.“ Zu dem Schatzfund gehören auch zwei große Medaillons mit Smaragden und Perlen.

Die Smaragde waren ebenfalls wie Perlen durchbohrt und zerbrochen. Da man die Fragmente damals falsch zusammenklebte, musste der Mainzer Restaurator sie wieder lösen, richtig zuordnen und neu fixieren. Doch Matthias Heinzel ist nicht nur mit dem Res- taurieren der Funde beschäftigt: „Meine Aufgabe ist auch das Untersuchen der Objekte hinsichtlich ihrer Herstellungstechniken“, erklärt der Experte. „Wie wurden die ligranen Perldrähte zum Beispiel produziert und mit welchen Werkzeugen? Sieht man irgendwelche Bearbeitungsspuren?“