Konservierung eines Museumsschiffes – Die „GERA“

In Bremerhaven hat sich ein besonderes Zeugnis der modernen Hochseefischerei erhalten: die „GERA“, ein Fischereimotorschiff aus dem Jahre 1959/60. Die „GERA“ ist das einzig erhaltene Schiff seiner Art in Deutschland. Es gehört zu der letzten Generation der sogenannter Seitentrawler, bei denen die Fischer das Schleppnetz noch über die Seiten aussetzten. Diese Art zu Fischen verschwand in den 1970er-Jahren, und mit ihr auch die Seitentrawler. Es ist Zeuge einer harten und zudem sehr gefährlichen Arbeit, die den Fischern einiges abverlangte.

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Auch das ist Kulturerbe: Das Museumsschiff "GERA" am Liegeplatz im Schaufenster Fischereihafen in Bremerhaven. Das Schiff liegt im Freien und gibt den Museumsbesuchern so einen authentischen Einblick in einstige Zeiten der Hochseefischerei. Foto/©: Lena Lang, Historisches Museum Bremerhaven 2011

Die Erhaltung eines solchen Schiffes ist eine echte Herausforderung, da zahlreiche Faktoren zusammenspielen. Die Schwierigkeiten liegen in der Größe und der damit einhergehenden komplizierten Handhabung, denn ein Schiff lässt sich üblicherweise nicht in einem klimatisierten Raum platzieren. Die Luftfeuchtigkeit und Temperatur lassen sich folglich nicht optimal einstellen. Ganz im Gegenteil: Das Außenklima ist unkontrollierbar.

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Wie die historische Aufnahme belegt, war die Arbeit auf einem Seitentrawler hart und sehr gefährlich. Die Fischer schleppten das volle und schwere Netz mit einer Winde an das Schiff und zogen es anschließend mit bloßen Händen und Muskelkraft über die Schiffswand. Foto/©: Archiv, Historisches Museum Bremerhaven

Dies gilt auch für die „GERA“, auf dem die Besucher des Historischen Museums Bremerhaven in ein Stück Fischereigeschichte eintauchen können. Das Schiff, das im sogenannten „Schaufenster Fischereihafen“ vor Anker liegt, ist zahlreichen äußeren Faktoren ausgesetzt. Alle diese Faktoren wirken auf das Schiff ein, lassen sich jedoch nicht eindämmen. Die Besucher können das Schiff nur vor Ort als Geschichts- und Kulturdenkmal vollständig begreifen. Allein deswegen ist die Konservierung eines Museumsschiffes nicht mit der klassischen Konservierungspraxis vergleichbar. Ein Museumsschiff bietet aber auch die Möglichkeit, verschiedene Konservierungsmethoden und Restaurierungsmaterialien zu testen und zu studieren. Denn in der Schiffsrestaurierung fehlt der Erfahrungsschatz.

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Sämtliche Räume mit ihren Ausstattungs- und Einrichtungsgegenständen haben sich in und auf der »GERA« erhalten – hier die Kombüse. Dies macht sie zu einem ganz besonders wertvollen Museumsschiff. Foto/©: Lena Lang, Historisches Museum Bremerhaven 2011

Angefangen bei der Außenhaut bis hin zu den technischen Leitungen und Geräten – die »GERA« besteht zum größten Teil aus Stahl. Aus diesem Grund liegt das Hauptaugenmerk bei der Erhaltung des Schiffes auf der Metallkonservierung. Daneben sind aber auch andere Werkstoffe von Bedeutung, beispielsweise das Holz des Decks. Nachdem die „GERA“ sich im Hafen befindet, spielen natürlich das Wasser sowie Witterung und Außenklima eine besondere Rolle. Diese wirken alle auf das Schiff ein. Das Wasser kann sich sowohl negativ als auch positiv auf die Erhaltung des Schiffes auswirken. Wesentliche Faktoren sind dabei die Menge, die Wasserzusammensetzung und die Dauer der Wassereinwirkung.

Mit all diesen Einflüssen muss sich der Restaurator auseinandersetzen, möchte er das Museumsschiff erhalten. Es bedarf also eines Pflegekonzeptes. Näheres dazu lesen Sie in RESTAURO 7/2012!
In dieser Ausgabe berichtet übrigens auch Johannes Mosler über Leinölfarben für Holz im Außenbereich und Roswitha Friedelt stellt ein praktisches Hilfsmittel für die Restaurierung vor: ein Siliconpflaster.