Klebstoff-Tagung in London

 

Unser Autor Yngve Magnusson hat für RESTAURO die Meisterklasse zum Thema Klebstoffe, Beschichtungen und Festigungsmittel an der Tate Britain (28. November bis 2. Dezember 2016) besucht. 

Tagung-Klebstoff-London
Die Teilnehmer erfuhren in London Wissenswertes über verschiedene Festigungsmittel. Foto: University College London/Susi Pancaldo

 

Seit 25 Jahren unterrichtet Velson Horie, Autor des Buches „Materials for Conservation“, die Meisterklasse zum Thema Klebstoffe, Beschichtungen und Festigungsmittel weltweit. Zusammen mit Jane Down ist er einer der Vorreiter, wenn es darum geht, Restauratoren über die Materialien ihres Arbeitsalltags zu informieren. Sie zeigen, dass die Menge der in die Restaurierung verwendeten Polymere von Jahr zu Jahr steigt. Außerdem kommen eine Reihe neuer Lösungsmittel auf den Markt, welche von der einschlägigen Fachliteratur noch nicht behandelt werden.

15 Teilnehmer aus vier Ländern nahmen diesmal an dem fünftägigen Kurs in der Tate Britain teil, der neben theoretischen Vorträgen auch praktische Übungen zu Prüftechniken für Polymere umfasste.

Theorie und Praxis

Der theoretische Teil folgte dem Aufbau von „Materials for Conservation“, ergänzt um einen Vortrag zu Gefahren im Zusammenhang mit der Behandlung von Klebstoffen, Beschichtungen und Festigungsmitteln. Im praktischen Teil prüften die Teilnehmer verschiedene physikalische Eigenschaften in Bezug auf Glanz, Stabilität, Löslichkeit und Farbveränderung von Polymeren sowie mechanische und Umgebungseinflüsse. Die korrekte Auswertung der Tests erforderte eine gewisse Erfahrung mit statistischer Mathematik. Benötigte Formeln lernte man aber im Kurs. Die Meisterklasse vermittelte Hintergrundwissen zu organischen Materialien, die in Klebstoffen, Beschichtungen und Festigungsmitteln zum Einsatz kommen und welchen Einfluss sie auf die Behandlung von Objekten haben. Die Teilnehmer übten, die richtigen Polymere für bestimmte Einsatzbereiche auszuwählen, und zwar nicht nur im Hinblick auf Reversibilität, sondern auch auf verschiedene Applikationstechniken und Haltbarkeit. Ziel war es, den Restauratoren zu vermitteln, dass Restauratoren und Konservatoren die richtigen Polymere nutzen, um den Objekten ein Höchstmaß an Haltbarkeit und authentischem Aussehen zu verleihen. Velson Horie unterstrich die Wichtigkeit von Tests und deren Dokumentation. Weiterhin empfahl er, dass alle Materialien mindestens zehn Jahre lang getestet werden, bevor sie auf ein Objekt aufgebracht werden.

Materialtests als Routinevorgang

Der Kurs lieferte eine Reihe von Beispielen, bei denen ungenügend getestete Materialien und Methoden zur Konservierung von Objekten zum Einsatz gekommen waren. Während des gesamten Kurses wurde auch die Wichtigkeit des Erfahrungsaustausches im Bereich des konservativen Einsatzes von Polymeren betont. Die Webseite „Remedies Gone Wrong“ des Australian Institute for Conservation of Cultural Material wurde zur Illustration ungeeigneter Restaurierungsmethoden gezeigt. Materialtests sollten ein Routinevorgang an konservatorischen Einrichtungen sein. Das ICOM-CC definiert einen wissenschaftlichen Restaurator als eine Person, mit Ausbildung in naturwissenschaftlichen und technischen Disziplinen, die Forschung betreibt und Konservatoren und professionelle Sammler zu Schwierigkeiten und Problemen im Zusammenhang mit aktiver und passiver Konservierung von Objekten und Sammlungen berät.

Die Realität sieht aber so aus, dass nicht alle Einrichtungen über wissenschaftliche Restauratoren und die Möglichkeiten zur wissenschaftlichen Arbeit an den Sammlungen verfügen. Tatsächlich dürfte es schwierig für Konservatoren und Restauratoren sein, die Materialien zu testen und dann zehn Jahre zu warten, um die Ergebnisse auszuwerten. Das Testen und die Verbreitung der Erkenntnisse liegen in der Verantwortung größerer, nationaler Einrichtungen und Restaurierungswissenschaftler. Kleinere Einrichtungen und einzelne Restauratoren können ihrerseits mit der Bereitstellung von Proben und Dokumentationen von Materialien und Techniken beitragen. Daher können die in der Meisterklasse vermittelten Methoden als guter Anfang gelten.