In perfekter Harmonie mit der Natur

UNESCO erklärt das Handwerk des Trockenmauerbaus zum immateriellen Kulturerbe

Trockenbaumauer_Mallorca
Trockenmauer auf Mallorca. Foto: Pixabay/Medienservice

 

In ihrer Sitzung vom 28. November auf Mauritius hat die UNESCO die Kunst des Trockenmauerbaus zum immateriellen Kulturerbe erklärt. In der Begründung heißt es: „Trockenbaumauern verhindern Bergrutsche, Überschwemmungen oder Lawinen und sichern den Boden vor Erosion oder Verwüstung. Außerdem verbessern sie die Biodiversität und schaffen für die Landwirtschaft ein günstiges Mikroklima.“ Darüber hinaus würdigt die UNESCO die Herstellung von Trockenmauern, die „in perfekter Harmonie mit der Natur“ entstehen. Denn bei dieser Bautechnik, die ohne Mörtel oder ähnliche Bindemittel auskommt, werden bevorzugt Steine aus der direkten Umgebung verwendet. Muss eine Mauer restauriert werden, wird das ursprüngliche Baumaterial wiedereingesetzt.

Trockenbaumauern prägen die Landschaft

Besonders in Frankreich, Griechenland, Italien, Slowenien, Spanien, in der Schweiz und auf Zypern prägen Trockenmauern die Landschaft. Aus diesen Ländern kam die Initiative zur Anerkennung der Handwerkstechnik. Die Schweizer Stiftung Umwelteinsatz, die den Antrag unterstützte, betont die kulturhistorische Bedeutung und nennt die Mauern „Landschaftselemente mit hohem ökologischen Potenzial“. Aber auch in anderen europäischen Ländern gibt es historische und neue Trockenmauern. In Deutschland sind sie vor allem in Weinbaugebieten, die an Hängen liegen, verbreitet.

Den Menschen vor 5000 Jahren, aus dieser Zeit stammen die ältesten heute bekannten Trockenmauern, boten diese Mauern einen hervorragenden Schutz für ihre Felder und Tiere. Bauern in der Provence rettete eine Trockenmauer sogar das Leben. Sie errichteten 1721 eine 25 Kilometer lange Mauer als Schutzwall gegen die Pest. Heute gibt jede Gartenzeitschrift Tipps zum Bau von Trockenmauern. Das hat nicht nur mit deren optischer Attraktivität und der relativ einfachen Herstellung zu tun. Für viele Pflanzen und Tiere, deren Überleben bedroht ist, bieten sie beste Bedingungen.

Nachdem die Technik des Trockenmauerns Ende des 20.  Jahrhunderts fast vergessen war, werden heute in verschiedenen Ländern Ausbildungen angeboten. Auf Mallorca gibt es beispielsweise seit 1986 eine Ausbildung für Trockenmaurer, in Deutschland lernen Landschaftsgestalter diese spezielle Mauertechnik.