Florentiner Bronzekunst: Kopie ist Original

 

Ein 300 Jahre altes Meisterwerk Florentiner Bronzekunst ist zurück im Bayerischen Nationalmuseum. Lange hatte man geglaubt, die originale Bronze sei im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen oder zerstört worden. Tatsächlich entdeckte man sie jedoch kürzlich in der Nachbarschaft. 

Nach 77 Jahren ist ein kostbares Meisterwerk der Florentiner Bronzekunst aus Zeiten des Barocks in das Bayerische Nationalmuseum zurückgekehrt. Über Jahrzehnte hatte man geglaubt, das Werk sei während des Zweiten Weltkriegs verloren gegangen oder zerstört worden. Tatsächlich war die Bronzegruppe jedoch in der Nachbarschaft, im Münchner Haus der Kulturinstitute, wieder gefunden worden, dort, wo auch das Zentralinstitut für Kunsgeschichte seinen Sitz hat. Welchen geschichtlichen Ursprung das dort ausgestellte Bronzewerk besaß, war allerdings niemandem klar. Die Bronze nun wieder im Bayerischen Nationalmuseum bestaunen zu können, ist das Ergebnis einer jahrhundertelangen Odysee durch verschiedenste Herrschafts-, Museums- und Privathäuser.

Vermeintlicher Kriegsverlust

Die wiedergefundene Bronze ist eine der bedeutendsten Versionen nach dem Vorbild der berühmten Marmorgruppe aus dem Besitz der Medici, die seit 1688 in der Tribuna der Uffizien in Florenz ausgestellt ist. Zu sehen sind darauf zwei miteinander kämpfende Ringer. Der Hofbildhauer der Medici, Massimiliano Soldani Benzi (1656–1740), schuf die gerade einmal 40 Zentimeter große Version um 1710, doch erst im Jahr 1800 gelangte sie in die bayerische Landeshauptstadt München. Zuvor war sie noch auf Zwischenstation in Düsseldorf, im Besitz des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz. Es sollte jedoch noch weitere 111 Jahre dauern, bis die Bronzegruppe schließlich ans Bayerische Nationalmuseum überwiesen wurde.

Und auch hier blieb sie nicht lange. Vermutlich aus Anlass zur Eröffnung der Großen Deutschen Kunstausstellung wurde die Bronze im Juli 1939 an das Bayerische Staatsministerium des Inneren zur Ausstattung des Prinz Carl Palais ausgeliehen, das damalige Gästehaus der NS-Machthaber für Staatsbesuche. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs war sie dann allerdings verschwunden. Vergeblich suchte man nach ihr in München, doch befand sie sich zu diesem Zeitpunkt, wie sich später herausstellen sollte, bereits längst im Schloss Hirschberg bei Weilheim.

Bronzekunst auf Reisen

„Dass die Skulptur in einem hervorragenden Zustand war, als ich sie fand, ist natürlich schon verwunderlich“, sagt Jens Burk, Referent für Skulptur und Malerei von 1550 bis 1800 am Bayerischen Nationalmuseum in Anbetracht der langen Reise, die hinter der 300 Jahre alten Ringergruppe liegt. Er war derjenige, der vor kurzem die Bronze entdeckte, nachdem er vor einigen Jahren die Suche danach begonnen hatte. Fündig wurde er im Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke im Münchner Haus der Kulturinstitute. Dort war die Bronzegruppe schon seit Längerem als Leihgabe der Staatlichen Antikensammlungen und Glyptohek ausgestellt. Über das tatsächliche Alter wusste hier jedoch niemand mehr Bescheid. Als sie 1949 im Schloss Hirschberg aufgefunden und zum Central Collecting Point in München gebracht wurde, hielt man sie für einen Nachguss aus dem 19. oder gar 20. Jahrhundert. Die kleine Inventarnummer 11/16 des Bayerischen Nationalmuseums übersah man. Doch war sie der einzige Hinweis dafür, ihre Herkunft und ihr Alter zweifelsfrei zu identifizieren. „Die Bronze wurde im Bayerischen Nationalmuseum unter musealen Situationen verstaut und gereinigt. Sogar der originale Firnis ist noch wunderbar erhalten“, meint Jens Burk.

Die Ringergruppe befindet sich nun im Treppenhaus des Bayerischen Nationalmuseums in unmittelbarer Nähe zu einer zweiten Ringergruppe.