Farbige Grenzmauer

Experten der Universität Glasgow entdeckten mittels modernster Technik rote und gelbe Farbspuren an Relief- und Inschriftensteinen des Antoninuswalls. Damit wandelt sich seine Deutung von einer reinen Wehranlage und Grenzsicherung des Römischen Imperiums.

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Dr. Louisa Campbell vor dem Summerston-Meilenstein, Teil des Antoninuswalls, im Hunterian Museum. Das Artefakt zählt zu jenen, bei denen erfolgreich Spuren von Farbpigmente festgestellt werden konnten. Foto: University of Glasgow

 

Über 65 Kilometer schlängelt sich der Antoninuswall quer durch die Landschaft – von der Nordsee im Osten zur Irischen See im Westen – und teilte damit einst zwei Herrschaftsbereiche. Das noch immer gut sichtbare Bollwerk erbauten Römische Soldaten im 2. Jahrhundert n. Chr., um die feindlichen Schotten im Norden abzuwehren und die Grenzen des Römischen Reiches zu sichern. Wie neueste Forschungen nun zeigen, diente der Grenzwall jedoch zu weit mehr als nur der bloßen Abwehr. Dr. Louisa Campbell, Archäologin an der Universität Glasgow, wies mithilfe modernster Röntgen- und Lasertechnologie leuchtende rote und gelbe Farbspuren an steinernen Relief- und Inschriftentafeln der Mauer nach.

Farbe als Propagandamittel

„Diese Bild- und Inschriftensteine sind Propagandainstrumente, mit denen Rom seine Macht über diese und andere indigene Gruppen demonstriert. Sie dienen dem Imperium dazu, seine Grenzen zu kontrollieren, und haben unterschiedliche Bedeutungen für verschiedene Zielgruppen“, sagt Louisa Campbell. Einige der farbig bemalten Steine erzählen Geschichten der dort stationierten römischen Legionen und bringen deren Loyalität zu Kaiser Antoninus Pius (138–161 n. Chr.) sowie ihren Beitrag am Bau des Antoninuswalls zum Ausdruck. Sie fügt hinzu: „Die Meilensteine verraten uns, welche Mauer-Abschnitte von welcher Legion erbaut wurden. Die Steine waren an markanten Positionen in die Mauer eingebettet (wahrscheinlich an strategisch günstigen und militärisch befestigten Kreuzungspunkten), um eine visuelle Wirkung zu erzielen. Die Farbaufträge halfen, um diese Szenen zum Leben zu erwecken, und die nördlichen Völker zu unterwerfen.“

Louisa Campbells leitet das Projekt „Paints and Pigments In the Past (PPIP)“. Es wird zu Teilen durch das Archäologieprogramm von Historic Environment Scotland (HES) gefördert. Ziel des Projekts ist es, die einst auf der Mauer aufgetragenen Farbpigmente zu identifizieren und eine authentische Farbpalette zu erstellen, um sie physisch und digital rekonstruieren zu können.

Heute gehört der Antoninuswall zusammen mit dem Hadrianswall und dem Germanischen Limes zur UNESCO-Weltkulturerbestätte „Grenzen des Römischen Reiches“.