26.03.2021

Beruf Kunststück Museum Projekte

Erstaunliche Detailtiefe

von Valentina Grossmann
Experte Emilien Leonhardt bei der Untersuchung des Gemäldes „Das Mädchen mit dem Perlenohhring“ mit dem Hirox 3D-Digitalmikroskop. Foto: Hirox Europe/Jyfel

Experte Emilien Leonhardt

Experten scannten Vermeers „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ im Mauritshuis in Den Haag und erstellten das erste 10-Milliarden-Pixel-Panorama. Jetzt sind die Details von zu Hause aus zu entdecken

Experte Emilien Leonhardt bei der Untersuchung des Gemäldes „Das Mädchen mit dem Perlenohhring“ mit dem Hirox 3D-Digitalmikroskop. Foto: Hirox Europe/Jyfel

10-Milliarden-Pixel-Panorama

Seit Jahrhunderten fasziniert Johannes Vermeers „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“, um 1665, ausgestellt im Museum Mauritshuis in Den Haag, Kunstliebhaber weltweit. Nun sind Wissenschaftler*innen dem Kunstwerk durch multidisziplinäre Forschung nähergekommen als je zuvor. Die neuen Erkenntnisse und Entdeckungen über Vermeers Pinselführung, seine Verwendung von Pigmenten und die Art und Weise, wie er das Gemälde mit verschiedenen Schichten aufbaute, bieten einen Einblick in ein viel persönlicheres Gemälde als bisher angenommen.

Bei dem Forschungsprojekt „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ sind nichtinvasive Bildgebungs- und Scan-Techniken, digitale Mikroskopie und die Analyse von Farbproben zum Einsatz gekommen. Dank den beiden Spezialisten Emilien Leonhardt und Vincent Sabatier von Hirox 3D Digital Microscopy ist nun jeder Riss und jeder Farbklecks des Gemäldes bis auf 4,4 Mikrometer pro Pixel genau zu erkennen – und das sogar von zu Hause aus.

Mit einer Spezialausrüstung scannten sie „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ im Mauritshuis und nahmen über Nacht 9.100 Fotos auf, die zu einem riesigen 10-Milliarden-Pixel-Panoramabild zusammengefügt wurden. Der vollständige Scan des Gemäldes erfolgte mit dem Hirox 3D-Digitalmikroskop RH-2000. Das Gemälde lag waagrecht auf einem Tisch, während das Mikroskop durch ein motorisiertes Stativ die gesamte Oberfläche abtastete. Daraufhin folgte eine Nahaufnahme bei 140-facher Vergrößerung, die Scans der Details in 3D lieferten. Die Experten nahmen dafür zehn Bereiche des Gemäldes genauer ins Visier – 1 Pixel entsprach 1,1 Mikrometer.

Diese Bilder zeigen die Topografie des Kunstwerks und offenbaren die erhabenen Bereiche, in denen Vermeer die meiste Farbe aufgetragen hat. Der Scan ist so detailliert, dass er es Historiker*innen erlaubt, die von Vermeer verwendeten Pigmente zu identifizieren. „Es ist überraschend, wie viel hochwertiges Ultramarin Vermeer für das Kopftuch des Mädchens verwendet hat“, sagt Abbie Vandivere, Gemälderestauratorin am Mauritshuis und leitende Forscherin des Projekts. „Dieses blaue Pigment war im 17. Jahrhundert wertvoller als Gold.“

Das gesamte Panorama des Gemäldes “Das Mädchen mit dem Perlenohrring” und die zehn detaillierten 3D-Bilder sind auf einer extra eingerichteten Webseite im Vollbildmodus mit Zoom-Funktion zu bewundern.

Lesen Sie mehr dazu in der RESTAURO 2/2021.

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