Erhaltung einer Skulptur von Bruce Conner

 

Bei der Betrachtung läuft es einem kalt den Rücken herunter. Und nein: Diese Skulptur ist nicht echt. Es ist ein Werk des Künstlers Bruce Conner (1933–2008), das jahrelang im Depot des Museum of Modern Art (MoMA) in New York schlummerte und nun in zwei Ausstellungen in Amerika zu sehen ist.

Restauro_Bruce_Conner_MoMA_Mumien_Wachs
Bruce Conner hat bereits sehr früh angefangen, Mumifizierungen mit Hilfe von Wachs nachzubilden. Hier der Blick auf verschiedene Objekte in der Ausstellung. Foto: The Museum of Modern Art/Martin Seck

Bereits 1970 kam das Objekt ins MoMA und wurde um 1959/60 geschaffen. Es zeigt ein Kind aus schwarzem Wachs „nach der Exekution in einer Gaskammer“, wie der Künstler beschreibt. Nylonstrümpfe fesseln die Skulptur auf einem Hochstuhl und machen auf einen spektakulären Exekutionsfall der 1960erJahre aufmerksam. Cary Chessman wurde 1948 in Kalifornien wegen Entführungsdelikten sowie Vergewaltigungen zum Tode verurteilt und am 02. Mai 1960 in der Gaskammer des Saint-Quentin-Gefängnisses hingerichtet. Die Tragödie: Bis heute ist unklar, ob Chessman tatsächlich für die angeklagten Vergehen verantwortlich war. Das Todesurteil wurde insgesamt acht Mal verschoben, beim letzten Mal kam die Nachricht des Urteilsaufschubs zu spät – die Sekretärin des Richters hatte sich verwählt. Der weltweit Aufsehen erregende Fall wurde von vielen Medien aufgegriffen, darunter die „Times“ oder „Der Spiegel“.

Child_Bruce_Conner
CHILD, Bruce Conner (1933–2008), 1959/60, Wachs, Nylonstrümpfe, Kleidung, Metall, Garn mit Hochstuhl, Museum of Modern Art, New York, Geschenk von Philip Johnson. Werk: Bruce Conner/Artists Rights Society (ARS), New York; Foto: The Museum of Modern Art/John Wronn

„Bruce Conner wollte zunächst eine Skulptur aus Bronze schaffen, die in einer gläsernen Gaskammer sitzt und entschloss sich dann für den Kinderstuhl der Expressionistin Sonia Gechthoff“, erläutert der Restaurator Roger Griffith, der gemeinsam mit Megan Randall drei Jahre an der Erhaltung des Objekts arbeitete. „Der Künstler wollte einen gealterten Zustand zeigen und bei dem Betrachter Gefühle von Schmerz und Ekel erwecken“, so die Kuratorin der gerade laufenden Ausstellung „Bruce Conner: It’s All True“, die noch bis zum 02. Oktober 2016 in New York zu sehen ist und anschließend ins San Francisco Museum of Modern Art wandert.

Restauro_Bruce_connor_Ausstellung_Moma
Blick in die Ausstellung „Bruce Conner: It’s All True“ Foto: The Museum of Modern Art/Martin Seck

Keine leichte Aufgabe, sich drei Jahre mit einem solchen Objekt zu befassen, zumal das Werk bereits 1970 in einem sehr schlechten Zustand ins Museum kam. Insgesamt fehlte der Skulptur eine Armierung, sodass unter anderem der Kopf auf die Brust gefallen war. Bis 2014 wurden verschiedene Versuche unternommen, die Skulptur zu konservieren und zu restaurieren. Auch die Position des Künstlers musste hier berücksichtigt werden. „Der Wunsch des Künstlers war, dass nur bereits verarbeitete Materialien verwendet werden und das originale Erscheinungsbild nicht angefasst wird“, so Megan Randall. Der Künstler habe diese Position jedoch kurz vor seinem Tod revidiert und Zusatzmaterialien erlaubt. Dennoch war die Konservierung und Restaurierung sehr aufwändig. In enger Rücksprache mit dem Conner Family Trust wurde die Entscheidung gefällt, den Stuhl zu rekonstruieren und die Skulptur mit Polyesterharzen zu sichern. In einem Film wurden die Arbeiten dokumentiert. In der nächsten RESTAURO lesen Sie mehr zu diesem Projekt.