Ein polychrom glasierter Renaissance-Tondo aus der Werkstatt von Giovanni della Robbia

Schloss Rheydt in Mönchengladbach ist die einzige vollständig erhaltene Wasserschlossanlage der Renaissance im Rheinland. Es beherbergt in seinem Inneren als Städtisches Museum eine hochkarätige Sammlung zur Kunst und Kultur der Renaissance und des Barocks. Die architektonisch besonders herausragende Außenfassade zum Arkadenhof zeigt als wichtigstes dekoratives Gestaltungsmerkmal vier Tondi mit antiken Helden im Fruchtkranz. Nachdem das Museum im Jahr 2010 einen vergleichbaren Tondo aus der italienischen Renaissance-Werkstatt von della Robbia erwerben konnte, wurde das Objekt 2011 im Rahmen des Restaurierungsprogramms »Bildende Kunst« des Landes Nordrhein-Westfalen von Dipl.-Rest. Melanie Münchau konserviert und restauriert

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Tondo mit Marcus Vipsanius Agrippa von G. della Robbia (Werkstatt); Foto: Melanie Münchau

 

Die della Robbia – eine Florentiner Künstlerfamilie

Die Verwendung von Wanddekorationen in Form von Tondi ist in der Renaissance häufig anzutreffen. Führend in der Herstellung bauplastischer Elemente zur Fassadendekoration war die von Luca della Robbia (um 1400–1481) gegründete Werkstatt in Florenz. Seine wesentliche Neuerung bestand um 1442 in der Erfindung der mit Bleizinnglasur überzogenen Terrakotta-Plastik, der terra invetriata, anstelle der bislang üblichen, jedoch wesentlich teureren Marmorarbeiten. Über nahezu hundert Jahre hinweg entstanden so auf höchstem, technischen und künstlerischen Niveau zahlreiche Arbeiten, die so genannten robbiane. Nicht nur kirchliche Auftraggeber, auch Adelsfamilien wie die Medici, Pazzi und Tournabuoni schmückten ihre Fassaden mit Skulpturen und Wandplastiken aus der della Robbia-Werkstatt, bis die Familie infolge der Pestepidemie im Jahr 1527 auseinanderbrach. Der auf 1523 datierte Tondo des Marcus Vipsanius Agrippa wird der Werkstatt von Giovanni della Robbia (1469–1529) zugeschrieben und entstammt damit der dritten und letzten Generation des berühmten florentiner Künstlerbetriebes
(Abb. siehe oben).

Der Feldherr im Tondo

Der im Tondo porträtierte römische Politiker und Feldherr Marcus Vipsanius Agrippa (64/63 v. Chr.–12 v. Chr.) gehörte als Schwiegersohn von Kaiser Augustus in das engste Umfeld der kaiserlichen Familie. Als Gründungsvater des heutigen Köln spielt er in der Geschichte des Rheinlandes eine zentrale Rolle. Das polychrom glasierte Terrakottarelief besteht aus einem Medaillon mit dem als Hochrelief gearbeiteten Porträt des antiken Helden nach römischem Vorbild. Dieses wird von einem separat gearbeiteten, mehrfarbig glasierten Lorbeerkranz umrahmt. Das gesamte Objekt hat einen Durchmesser von 68,5 cm und eine maximale Höhe von 26 cm. Das Medaillon zeigt die della Robbia-spezifische Farbgebung: Vor kobaltblauem Hintergrund hebt sich das Porträt in opakem Weiß ab, lediglich die Augen und Brauen sind blau und manganviolett akzentuiert. Der dichte, im Uhrzeigersinn gewundene Blätterkranz ist mit weißen und blauen Blüten, Ähren, Trauben und Pinienzapfen durchsetzt. Er wird von einem schmiedeeisernen Reif eingefasst, an welchem sich an der Oberseite eine ebenfalls schmiedeeiserne Öse befindet.

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Detail des Tondo vor der Konservierung und Restaurierung; Foto: Melanie Münchau

 

Konservierung und Restaurierung

Ziel der restauratorischen und konservatorischen Maßnahme war die Konsolidierung des Tondos sowie die Wiederherstellung eines ästhetisch befriedigenden Gesamteindrucks unter Wahrung seiner Altersspuren. Neben der partiellen Festigung der keramischen Scherben, der Stabilisierung von Glasurbereichen mit mangelnder Adhäsion an den keramischen Träger, der Konsolidierung der Metallelemente und der Reinigung aller Oberflächen sollten Fehlbereiche von Scherben und Glasur durch eine plastische und farbliche Ergänzung geschlossen werden. Die Reinigung verstand sich als Beseitigung lose anhaftender oder eingebundener Verschmutzungen auf der Glasur und dem keramischen Träger. Die Abnahme von rezenten Ergänzungen und Übermalungen erfolgte nur, sofern diese als verfälschend zu bewerten waren bzw. weitere Maßnahmen behinderten. Wo möglich wurden sie mittels Retusche optisch integriert.

Nach abgeschlossener Restaurierung und Rückführung in das Museum bildete der Tondo im Sommer 2012 den Mittelpunkt der Sonderausstellung »Ein Tondo für Schloss Rheydt. Herrscher, Helden, Selbstdarstellung«. Er stellt heute als Bindeglied zwischen der Renaissancefassade und der ständigen Sammlung eines der wichtigsten Objekte des Museums Schloss Rheydt dar.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in unserer RESTAURO-Ausgabe 2/2014 ab S. 36.