Ein glasierter Renaissace-Tondo von Giovanni della Robbia

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Tondo mit Marcus Vipsanius Agrippa von G. della Robbia (Werkstatt); Foto: Museum Schloss Rheydt

Schloss Rheydt in Mönchengladbach ist die einzige vollständig erhaltene Wasserschlossanlage der Renaissance im Rheinland und beherbergt in seinem Inneren als Städtisches Museum eine hochkarätige Sammlung zur Kunst und Kultur der Renaissance und des Barocks. Besonders herausragend ist, neben der Sammlung, auch die architektonische Außenfassade mit ihren vier Tondi, die antike Helden im Fruchtkranz abbilden. Das Museum erwarb 2010 ein weiteres Tondo aus der Werkstatt von Giovanni della Robbia, das im Rahmen des Restaurierungsprogramms »Bildende Kunst« des Landes Nordrhein-Westfalen von Melanie Münchau konserviert und restaurierte wurde. Die Verwendung von Wanddekorationen in Form von Tondi war in der Renaissance zur Gestaltung von Innen- und Außenwänden äußerst beliebt. Führend in der Herstellung dieser Bauplastiken war die Werkstatt von Luca della Robbia (um 1400–1481). Der Neuankauf zeigt den Feldherrn Marcus Vipsanius Agrippa (64/63 v. Chr.–12 v. Chr. ) und wird der Werkstatt von Giovanni della Robbia (1469–1529) zugeschrien. Der Tondo wird nach jetzigem Stand auf das Jahr 1523 datiert.

Das Medaillon besteht aus einer polychrom glasierten Terakotta, die ein als Hochrelief gearbeitetes Porträt des antiken Helden nach römischen Vorbild abbildet. Das Porträt ist zudem von einem ebenfalls polychrom gefassten Lorbeerkranz mit Blüten umgeben. Das Tondo wurde anlässlich der bereits im Sommer 2012 stattgefundenen Sonderausstellung im Schloss Rheydt »Ein Tondo für Schloss Rheydt. Herrscher, Helden, Selbstdarstellung« untersucht und restauriert.

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Detail des Tondo vor der Konservierung und Restaurierung; Foto: Melanie Münchau

Arrangieren der Lorbeerkranzblätter verdeckt. Die Rückseite des Fruchtkranzes und der Kopf des Feldherrn sind hohl gearbeitet und für die Stabilität mit Zwischenstäben fixiert. Neben der Gestaltung und der Modellierung des Tondos selbst wurde auch die Glasur untersucht. Della Robbia arbeitete mit den zur damaligen Zeit typischen, deckenden Scharffeuerfarben: Kupfergrün, Antimongelb, Kobaltblau und Magentaviolett. Bei der gesamten restauratorischen und konservatorischen Maßnahme war das Ziel die Konsolidierung des Tondos, sowie die Wiederherstellung eines ästhetisch befriedigenden Gesamteindrucks unter Wahrung der Altersspuren.

Wir berichten ausführlich über die Restaurierung in der Heftausgabe 02/2014.