29.02.2024

Ausstellungen

Diplomausstellung 2024 ADBK München

David Kostner, CC BY-SA 3.0 DE , via Wikimedia Commons
David Kostner, CC BY-SA 3.0 DE , via Wikimedia Commons

Die Diplomausstellung 2024 in der Akademie der bildenden Künste München sprach alle Sinne an: Vom Sehen, über das Fühlen bis hin zum Riechen. Ein wiederkehrendes Thema war die Natur und der menschliche Umgang mit ihr. Zudem regte die Diplomausstellung zu einer kritischen Auseinandersetzung mit sozialen Medien an und zeigt den damit einhergehende, möglichen Kontrollverlust. Rund 70 Absolventinnen und Absolventen stellten fünf Tage lang, wie immer zum Ende des Wintersemesters ihre Arbeiten vor. In den Klassen, den Werkstätten und im Garten konnte man Kunst aus den Bereichen Bildhauerei, Bühnenbild und -kostüm, Fotografie, Malerei und Grafik, Medienkunst, Performance sowie Schmuck und Gerät entdecken.


Von Kreisläufen in der Natur

So empfängt die Besucherinnen und Besucher der Raum, der von Eduardo Palomares bespielt wird, ein balsamischer Geruch, der an lange Tage am Meer erinnert. Eigens für die Präsentation seiner Arbeit mit dem Titel „Vernantibus Oceanum – Blooming Ocean“ auf der Diplomausstellung 2024 hat der Künstler gemeinsam mit Parfumeurinnen und Parfumeuren von Givaudan einen Duft komponiert um uns auf die Reise der fiktiven Pflanze „Vernantibus Oceanum“ mitzunehmen. Der in blaues Licht getauchte Raum zeigt die einzelnen Vegetationsstadien der fantastischen Pflanze und beschreibt so einen Kreislauf des Werdens und Vergehens.

Einblick in den von Eduardo Palomares gestalteten Raum. Foto: Sara Mayoral
Einblick in den von Eduardo Palomares gestalteten Raum. Foto: Sara Mayoral
Eduardo Palomares: Vernantibus Oceanum – Blooming Ocean. Foto: Sara Mayoral
Eduardo Palomares: Vernantibus Oceanum – Blooming Ocean. Foto: Sara Mayoral

Vom Leben in kleineren Welten

Mit Kreisläufen in der Natur hat sich auch Nina Markhardt in ihrer Arbeit „Kleine Welt ­– Myzel ­– Mikrokosmos – Kommunikation – Transformation – Netz – System – Biomaterial – Pilze – Moose – Flechten – Heilung – Kreislauf – Prozess ­– Gewebe – Resonanz – Netzwerk – Verschmelzung – Symbiose – Welt in Welt…“ ebenfalls beschäftigt. Ihre Präsentation zeigt neben Fundstücken aus der Natur auch Ölgemälde, die Mikroskopaufnahmen von Moosen, Flechten und Pilzen gleichen. Die Künstlerin spannt einen Bogen von den dreidimensionalen Objekten hin zu den zweidimensionalen Darstellungen und vom Großen ins Kleine. Und beschreibt ihre Arbeit wie folgt: „In jeder Welt lebt eine kleinere Welt. Im Kosmos der Flechten, Pilze und Moose existiert das organische Netz, das alles verbindet.“

Einblick in den von Nina Markhardt gestalteten Raum. Foto:
Einblick in den von Nina Markhardt gestalteten Raum. Foto:
Nina Markhardt: Myzel – Mikrokosmos. Foto:

Kontrollverlust

2012 stellte Zarah Abraham eine Videoperformance online, die ungeplant viral gehen sollte. Das Video wurde und wird international millionenfach geteilt und die Künstlerin wurde unbeabsichtigt zu einem virtuellen Mysterium. Ihre Posts und Daten werden bis heute weiterverbreitet und geteilt. Zarah Abraham entwickelte daraus ihr andauerndes Projekt „Comments on my digital identity“. Dort sammelt und dokumentiert sie die Interaktion ihrer digitalen Identität und sammelt die Reaktionen der Userinnen und User. Sie beobachtet über Jahre ihr digitales Ich und erhält neben Likes und Shares auch viele unerwünschte, zum Teil sexistische Kommentare und Fotos. Sie dokumentiert den Kontrollverlust über ihre digitale Existenz und versucht sie wieder für sich einzunehmen. In dem abgedunkelten Raum, in dem sie unteranderem die Kommentare an die Wände projiziert, regt sie den Betrachtenden zu einer kritischen Hinterfragung der sozialen Medien und auch der eigenen Posts an.


Traumgleiche Schaumwelten

In der Diplomausstellung 2024 präsentiert im Untergeschoss des Akademiegebäudes Leonard Schulz seine Arbeit mit dem Titel „Ephemeral landscapes“ vor. Durch einen abgedunkelten Gang erreichen die Besucherinnen und Besucher einen Raum, der eine gewisse Kühle und Feuchtigkeit ausstrahlt. Empfangen werden sie von luftig leichten, hell erleuchteten Schaumgebilden. Die Installation, die sich aus sich immer neu bildenden Schaumbergen zusammensetzt, widmet sich der Frage wie das Material Wasser eine Handlungsmacht bekommen kann. Mit der Zugabe von Luft, Tensiden und Licht verändern sich die schaumigen Landschaften und weisen dabei einen eigenen Rhythmus auf, der sich zugleich als flüchtig erweist. Die Zuschauerinnen und Zuschauer erwartet also ein sich stetig wandelndes Kunstwerk, dass sie dazu einladen will Landschaften zu entdecken sowie den sich stetig wandelnden und vergänglichen Formen ihre Aufmerksamkeit zu schenken.

Leonard Schulz: Ephemeral Landscapes. Foto: Leonard Schulz, Jakob Altmayer
Leonard Schulz: Ephemeral Landscapes. Foto: Leonard Schulz, Jakob Altmayer
Leonard Schulz: Ephemeral Landscapes. Foto: Leonard Schulz, Jakob Altmayer
Leonard Schulz: Ephemeral Landscapes. Foto: Leonard Schulz, Jakob Altmayer

Liebe bis in den Tod

Merlin Stadler widmet sich mit der Arbeit „De rerum natura – On the Nature of Things“ den Themen Liebe, Trauer, Erinnerungen, Artensterben, Mythenbildung und ökologischen Katastrophen und präsentiert diese bei der diesjährigen Diplomausstellung. Zugleich erfolgt auch eine Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Unterschied zwischen dem Natürlichen und Unnatürlichen. Die Videoarbeit stellt in einem animierten 3D-Kurzfilm die wahre Geschichte des australischen Tölpels Nigel auf Mana Island bei Neuseeland vor. Im Rahmen eines Projekts zur Wiederbesiedlung des Eilands durch die Tölpel wurden Betonattrappen aufgebaut. Nigel verliebte sich in einen der Betonvögel und zeigte an seinen lebenden Artgenossen kein Interesse. Als er verstarb, fand ihn ein Ranger tot direkt neben seiner geliebten Attrappe. Der Film wird von einer Tonspur mit Vogelgesängen bereits ausgestorbener oder vom Aussterben bedrohter Vögel begleitet, die das Cornell Lab of Ornithology bereitgestellt hat.

Merlin Stadler: on the nature of things. Foto: Merlin Stadler
Merlin Stadler: on the nature of things. Foto: Merlin Stadler
Merlin Stadler: on the nature of things. Foto: Merlin Stadler

Glückliche Preisträgerinnen und Preisträger

Bei der Diplomausstellung 2024 wurden zudem die Diplome am 8. Februar 2024 in feierlichem Rahmen vergeben. Die Akademiepreise wurden ebenfalls verkündet. Insgesamt gab es zehn Preisträgerinnen und Preisträger. Folgende Preise wurden vergeben: Der Preis des Akademievereins ging an Anna Schübel aus der Klasse von Professor Armin Linke, der Preis der Franz Altmann-Stiftung wurde gemeinsam an Aelita Le Quément und Veronica Burnuthian (Klasse Toulu Hassani) sowie an Merlin Stadeler (Klasse Professorin Alexandra Pirici) verliehen, im Rahmen der Debütant:innenförderung wurden Eduardo Palomares (Klasse Professorin Alexandra Pirici), Jonas Höschl, Ju Young Kim (beide Klasse Professor Olaf Nicolai), Rosanna Marie Pondorf (Klasse Professor Peter Kogler) ausgezeichnet, der Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) ging an Georgina Kaw aus der Klasse von Professor Florian Pumhösl und der Preis der Stiftung Kunstakademie wurde an Tatjana Vall aus der Klasse Professorin Pamela Rosenkranz vergeben.

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