09.03.2020

Branchen-News

Deutschlands höchste Denkmäler

von Marie Annette Laufer
Zugspitzgipfel mit Schutzhütte
Zugspitzgipfel mit Schutzhütte

Seit Ende Februar 2020 hält die Zugspitze einen neuen Rekord. Denn hier befinden sich die vier höchstgelegenen Denkmäler Deutschlands. Auf 2963 Metern trotzt das älteste Gebäude, die Schutzhütte des DAV, seit gut 120 Jahren extremen klimatischen Bedingungen

Bei stabiler Föhnlage reiche der Blick bis zum Bayerischen Wald, erzählt Wetterwart Julian Merker seinen Besuchern an dem strahlend blauen Vormittag Ende Februar. Wissenschaftsminister Bernhard Sibler und Generalkonservator und Leiter des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, Mathias Pfeil, besichtigen die vier neuen Denkmäler bei klirrend kalten Temperaturen von minus 23 Grad: die Schutzhütte des Deutschen Alpenvereins, die Wetterwarte, die Funkübertragungsstelle und die Höhenstrahlungsmessstation. Zu unterschiedlichen Zeiten und Zwecken errichtet, müssen die Gebäude auf 2963 Metern extremen klimatischen Bedingungen standhalten.

Das „Münchner Haus“ trotzt seit über 120 Jahren den Naturgewalten. 1897 erbaute Adolf Wenz die Schutzhütte für den Deutschen Alpenverein, die das älteste Gebäude auf dem Gipfel ist. Sie gilt als eine der der ersten Betonbauten Bayerns und besitzt Außenwände, die bis 1,2 Meter stark sind. Drei Jahre nach ihrer Eröffnung wurde die Schutzhütte um einen meteorologischen Turm an der südwestlichen Seite ergänzt: die Wetterwarte. Sie ist mit starken Winkeleisen im Erdreich verankert, denn häufig jagen gewaltige Stürme über die Bergspitze hinweg. Diese Naturgewalten zu ertragen, sei nicht immer leicht, erzählt Wetterwart Julian Merker. Bei Orkanböen mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 330 Stundenkilometern werde es ihm schon mulmig. Als königliches Hochobservatorium lieferte die Wetterwarte Anfang des 20. Jahrhunderts die ersten kontinuierlich erhobenen Daten der sogenannten freien Atmosphäre in dieser Höhe. Bis heute bezieht sich die weltweite Klimaforschung auf diese Messungen, die wichtige Referenzpunkte bilden. Eine Grafik an der Wand der Wetterstation zeigt die Jahresmitteltemperaturen: in Blau sind kältere Jahre markiert, in Rot die wärmeren. Seit 1990 dominiert allerdings die Farbe Rot.

1963 wurde in der Rekordzeit von nur dreizehn Tagen die Höhlenstrahlungsmessstation des Architekten Uwe Breukel errichtet. Dank der Montagebauweise hat der futuristische Bau nur sehr wenig Gewicht und hält dennoch den enormen Windgeschwindkeiten stand. Als eine von fünfzig weltweit platzierten Messstationen konnten hier wichtige Messergebnisse zur kosmischen Strahlung gesammelt werden. Die Oberfläche aus Aluminium und die polyedrische Form sorgen dafür, dass Schneelasten nicht liegen bleiben können, um eine Beeinträchtigung der Messergebnisse zu verhindern.

Die Funkübertragungsstelle ist mit ihrer autarken Energieversorgung durch Sonnenkollektoren ein frühes Beispiel ökologischen Bauens. Direkt am Fuß der Schutzhütte, eingelassen in den Südhang der Zugspitze, wurde das Gebäude in den Jahren 1975 bis 1981 von dem großen Architekten Hans Maurer und dem Grazer Statiker Harald Egger zusammen mit der Oberpostdirektion München errichtet, um die Richtfunkstrecken von Raisting-München-Österreich-Italien auszubauen. Mit seinem Aluminiumfachwerk knüpft das Hightech-Gebäude an die Vorbilder des Neuen Bauens an und erinnert an das Zeltdach des Münchner Olympiastadions. Das wärmegedämmte Innengebäude wird von der Kaltluft innerhalb der Außenhülle umgeben und verhindert so eine Aufheizung des darunter liegenden Permafrostbodens.

Jedes Gebäude besitzt durch seine bauzeitliche und technische Ausstattung hohen geschichtlichen und künstlerischen Wert, den es zu erhalten gilt, betont Mathias Pfeil, Leiter des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege: „Mit dem Eintrag in die Denkmalliste sorgen wir für den Schutz dieser wichtigen Zeugnisse bayerischer Geschichte“.

 

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