Ist die Denkmalpflege im Umbruch?

RESTAURO befragte den Archäologen Dr. Philip Lüth zu den Veränderungen in der Denkmalpflege

 

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Dr. Philip Lüth ist selbstständiger Archäologe und führt in Kiel sein Planungsbüro Archäologie & Beratung. Foto: Privat

 

Die Denkmalpflege in Deutschland durchläuft seit einigen Jahren einen tiefgreifenden Wandel. In der Bodendenkmalpflege schnellen nach der Verankerung des Verursacherprinzips die Zahlen der Rettungsgrabungen exponentiell in die Höhe.

In der Baudenkmalpflege geraten vermehrt die Bauten der 1960er- bis 1980er-Jahre ins Blickfeld der Denkmalschützer und lösen nicht selten öffentliche Debatten und Widerspruch auf der politischen Ebene aus. Bei den Unterschutzstellungen führt die Hinwendung zum deklaratorischen Verfahren zuerst einmal zu einem erhöhten Arbeitsaufwand. Zudem werden die Behörden immer mehr in raumplanerische Prozesse eingebunden, die eine neue Art der denkmalpflegerischen Planung erfordern.

In der Öffentlichkeit wird derweil der Ruf nach einer stärkeren Beteiligung am kulturellen Erbe lauter. In eine ähnliche Richtung geht die vom Europäischen Gerichtshof angemahnte Umsetzung eines Verbandsklagerechtes für die Denkmalpflege. Hier ist in den nächsten Jahren eine ähnliche Entwicklung wie im Umweltrecht zu erwarten.

Bei all diesen zusätzlichen Aufgaben stoßen viele Behörden angesichts der stetigen Personalreduzierung an die Grenzen der Belastbarkeit. Da eine Verbesserung der Stellensituation nicht in Sicht ist, werden die Denkmalpflegebehörden in Zukunft noch mehr gezwungen sein, bestimmte Aufgaben auszulagern. Dieser spannende Prozess bietet für alle Beteiligten die Chance, zu neuen und noch besser akzeptierten Regeln des Denkmalschutzes zu kommen. Die Denkmalpflege musste sich in der Vergangenheit immer wieder neuen Herausforderungen stellen. Man darf positiv gestimmt sein, dass auch diese erfolgreich gemeistert werden.

Dr. Philip Lüth ist selbstständiger Archäologe und führt in Kiel sein Planungsbüro Archäologie & Beratung.