Das Bauhaus Dessau saniert

Das 1926 erbaute Bauhausgebäude, das Meisterhaus-Ensemble und die Laubenganghäuser zählen seit 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Sie haben seit ihrer Errichtung schon mehrere Sanierungsphasen durchlaufen. Die aktuelle, von der die Meisterhäuser und die Fassade des Ateliergebäudes betroffen sind, sollen bis Anfang 2019 abgeschlossen sein. Dann wird das Gerüst, das die Sicht auf die berühmten Atelierbalkone versperrt, wieder verschwunden sein. Unzählige Fotos der einstigen Bewohner vermitteln heute noch die gelöste Atmosphäre eines kollektiven Aufbruchs, der mit Vorliebe auf dem Balkon zelebriert wurde.

Designerin Marianne Brandt erinnerte sich später: „Als Gropius sein Werk, das eben bezogene Bauhaus in Dessau zu betrachten gedachte (mit Wohlgefallen, wie man dort annahm), bekam er einen nicht geringen Schrecken, da er feststellen musste, dass seine Bauhäusler Flachdach und Atelierfront zu Balanceübungen und als Fassadenkletterer benutzten. Später hat man sich wohl daran gewöhnt.“

Ab Januar 2019 lassen sich auch wieder die Übernachtungen in den einstigen Wohnateliers dieser Ikone der Moderne buchen, ein seltenes Erlebnis, das sich nicht mit einer klassischen Hotelübernachtung vergleichen lässt. Einen Aufzug, Fernseher oder eine Mini-Bar sucht man vergeblich. Die geräumigen Zimmer sind mit Bauhaus-Stahlrohrmöbeln ausgestattet, einem überaus bequemen Doppelbett, schneeweißer Bettwäsche, Wandschrank und Waschbecken. Jede Etage verfügt über eine Gemeinschaftstoilette. Die hochmodernen Duschen bieten einen Komfort, der den Bauhäuslern nicht zur Verfügung stand, obwohl das Studentenwohnheim als eine Sensation galt. Die unterste Etage gehörte Studentinnen, das oberste Geschoss beherbergte ausschließlich die zukünftigen Architekten. Der Mietpreis betrug 20 Reichsmark, einschließlich Reinigung und Gas. 1930 veränderte der dritte und letzte Direktor Mies van der Rohe den Charakter des Gebäudes. Er ließ aus mehreren Ateliers Klassenräume errichten. Ein Eingriff, von dem heute jede Spur fehlt.

Unter den kubischen Bauten der Meisterhäuser, ein Paradebeispiel des modernen Wohnens der Avantgarde, wird nach zwanzig Jahren intensiver Nutzung das Doppelhaus von Wassily Kandinsky und Paul Klee instandgesetzt. Ziel ist es, die Bausubstanz zu sichern und zu reparieren, die historische Raumsituation wiederherzustellen und die besondere Farb- und Oberflächengestaltung zu überarbeiten. Die Meisterhäuser laden ebenfalls zum längeren Verweilen ein, vorausgesetzt man gehört zu der Spezies zeitgenössischer Künstler. Die Stiftung Bauhaus Dessau bietet seit 2016 ein Residenz-Programm für Interessierte aus aller Welt an, das mit einer Werkpräsentation abgeschlossen wird.

Bildnachweis: Stiftung Bauhaus Dessau (Besitz Scan) (I 36041/1-2) / © (Consemüller, Erich) Consemüller, Stephan (Eigentum Original Vintage Print)