15.05.2023

Ausstellungen Porträts Projekte

Cyanotypien der Berliner Künstlerin Myrta Köhler in Aarhus

von Martin Miersch
Das Kulturzentrum Godsbanen in Aarhus zeigt aktuell großformatige Cyanotypien der Berliner Künstlerin Myrta Köhler. Die Cyanotypie ist ein altes fotografisches Edeldruckverfahren mit blauen Farbtönen, das 1842 von dem englischen Naturwissenschaftler und Astronomen John Herschel entwickelt worden war. Foto: Myrta Köhler
Das Kulturzentrum Godsbanen in Aarhus zeigt aktuell großformatige Cyanotypien der Berliner Künstlerin Myrta Köhler. Die Cyanotypie ist ein altes fotografisches Edeldruckverfahren mit blauen Farbtönen, das 1842 von dem englischen Naturwissenschaftler und Astronomen John Herschel entwickelt worden war. Foto: Myrta Köhler

Von der Berliner Künstlerin Myrta Köhler sind derzeit im Kulturzentrum Godsbanen im dänischen Aarhus großformatige Cyanotypien zu sehen. Die Cyanotypie, auch als Eisenblaudruck bekannt, ist ein altes fotografisches Edeldruckverfahren mit blauen Farbtönen, das 1842 von dem englischen Naturwissenschaftler und Astronomen John Herschel entwickelt worden war

In der Serie „Flow and then“ wird die Idee der absoluten Freiheit thematisiert: Die Zukunft ist immer ungewiss. Sie ist ein leeres, ein unbeschriebenes Blatt. Myrta Köhler beschäftigt sich in ihren Cyanotypien mit der Möglichkeit, sich bewusst dieser Ungewissheit zu überlassen. Dafür setzt sie ihren Körper für einen Zeitraum von bis zu einer Stunde auf speziell präpariertem Papier der Sonne aus. Diese Art von „Fotographie in Zeitlupe“ bringt „weiße Schatten“ auf blauem Hintergrund hervor, die einen Eindruck von Schwerelosigkeit vermitteln. Die Serie „Flow and then“ zeigt schemenhafte Wesen, die in der bläulichen Tiefe des Meeres zu tauchen scheinen. Oder befinden sie sich vielmehr in einem großen Aquarium und werden durch eine Glasscheibe hindurch fotografiert? Sind es Frauen oder Männer? Alles bleibt in der Schwebe und geheimnisvoll.

Cyanotypien der Berliner Künstlerin Myrta Köhler aus der Werkserie „Exca(r)vations“. Foto: Myrta Köhler
Foto: Myrta Köhler

In der Werkserie „Exca(r)vations“ entfernt die Berliner Künstlerin Myrta Köhler Teile der obersten Bildschichten, um ein zweites Motiv innerhalb des Bildes hervortreten zu lassen

Die zweite Werkserie mit dem Titel „Exca(r)vations“arbeitet mit harten Schwarz-Weiß-Kontrasten. Sämtliche Zwischentöne wurden eliminiert. Indem sie Teile der obersten Bildschichten entwickelter Fotos entfernt, lässt Myrta Köhler ein zweites Motiv innerhalb des Bildes hervortreten. Als Resultat überlagern sich jeweils zwei Motive mit sehr gegensätzlicher Thematik. Eine Stadtansicht trifft auf eine imposante Bergkulisse, eine Aktdarstellung auf Architekturformen.


Myrta Köhler steht in der Tradition von Fotografen, die ihre Werke durch Ritzungen, Doppelbelichtungen oder bewusste Beschädigung der Oberfläche verunklärten bzw. mystifizierten

Durch bewusstes Einritzen und Beschädigen der Fotografie wird eine andere, verborgene Realität sichtbar. Damit steht Myrta Köhler in der Tradition einer kleinen Gruppe von Fotografen, die ihre Werke durch Ritzungen, Doppelbelichtungen oder bewusste Beschädigung der Oberfläche verunklärten beziehungsweise mystifizierten. Mit Verfremdungen, Übermalungen und Überlagerungen arbeiteten etwa auch die Fotografen Christian Schad, Man Ray, Floris Michael Neusüss und Arnulf Rainer. Die Künstlerin visualisiert auf diese Weise die Simultaneität von Momentaufnahmen und Erinnerungen oder Hoffnungen.

Beiden Werkserien gemein ist das zentrale Element der „Leerstellen“: weiße Flächen, die Raum für Assoziationen und Spekulationen bieten. Aktuell ist Myrta Köhlers Ausstellung „Exca(r)vations“ / „Flow and then“ im Kulturzentrum Godsbanen im dänischen Aarhus zu sehen.

 

Myrta Köhler lebt in Berlin. Ihre Arbeiten werden in Gruppen- und Einzelausstellungen im In- und Ausland gezeigt. Kontakt und Informationen: www.myrta-koehler.de

Ausstellung „Exca(r)vations“ / „Flow and then“, bis 10. Juni 2023, Godsbanen, Aarhus

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