Crowdfunding, Crowdinvesting und Crowdlending

Crowdfunding, Crowdinvesting und Crowdlending bieten eine Alternative zu gängigen Finanzierungsmodellen. Doch welche Plattformen sind etabliert? RESTAURO stellt Ihnen einige davon davor

Wie erfolgreich Crowdfunding im Bereich des Kulturerbes sein kann, zeigte in diesem Sommer die erfolgreiche Suche nach Unterstützer:innen für die stark restaurierungsbedürftige Residenz aus der Meiji-Arä des Politikers Yukio Ozaki (1858–1954) in Tokio. Das zweistöckige Gebäude (datiert in die Zeit um 1888) zählt zu den ältesten Bauten im westlichen Stil in Japans Kapitale. Über 12 Millionen Yen konnten über eine Plattform eingespielt werden, um das Gebäude zu erhalten und damit den Abriss des historischen Hauses abzuwenden. Doch welche Plattformen für Crowdfunding, Crowdinvesting und Crowdlending gibt es im deutschsprachigen Raum? Und wie funktionieren sie?

Crowdfunding

Beim Crowdfunding investieren private Unterstützer in Produkte oder Projekte. Crowdinvesting hingegen bezeichnet die gezielte Investition in ein Start-up oder Unternehmen. In der Regel stellen die Investor:innen kleine bis mittlere Summen zur Verfügung und werden dafür am Unternehmen beteiligt. Beim Crowdlending wiederum vermitteln Privatpersonen via Internet Kredite an andere Privatpersonen oder Unternehmen. Die Geldgeber:innen unterstützen zum Beispiel in die Entwicklung neuer Produkte oder den Aufbau neuer Vertriebswege. So erhalten Unternehmer:innen einfach und unbürokratisch zusätzliches Fremdkapital, dass sie monatlich mit fairen Zinsen zurückzahlen.

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Vorreiterin und erfolgreichste Anbieterin des Crowdfundings ist die 2009 gegründete US-amerikanische Plattform Kickstarter: Bisher flossen zwei Milliarden US-Dollar in knapp 100.000 Projekte. Seit 2015 ist Kickstarter auch in Deutschland aktiv. Das Modell ist einfach: Anmeldung und Erstellung einer Kampagne kosten erst mal nichts. Verläuft die Finanzierung des Projektes dann erfolgreich, erhält Kickstarter eine Provision in Höhe von fünf Prozent. Doch was geschieht, wenn das zuvor definierte Finanzierungsziel nicht erreicht wird? Nach der Devise „alles oder nichts“, erhalten die Unterstützenden ihr Geld komplett zurück.

Eine weitere große Crowdfunding-Plattform ist Indiegogo. Zu den erfolgreichsten Projekten von Indiegogo zählt etwa das Tesla Museum. Ebenso wie Kickstarter besitzt die Plattform eine immens hohe Reichweite. Auch bei Indiegogo ist die Kampagnenanmeldung und – erstellung kostenlos. Wird das zuvor gesetzte Finanzierungsziel nicht erreicht, erhebt Indiegogo allerdings für die erhaltenen Beträge eine Gebühr von neun Prozent. Wenn es hingegen erreicht wird, fallen vier Prozent Gebühren an.

Die größte Crowdfunding-Plattform in Deutschland – und inzwischen auch Österreich – ist nach eigenen Angaben Startnext. Über 11.000 Projekte aus den Bereichen Film, Musik, Design und Journalismus wurden bereits beworben, rund die Hälfte finanziert. Auf nachhaltige und langlebige Projekte spezialisiert ist die Berliner Plattform EcoCrowd. Die Deutsche Umweltstiftung überprüft und berät alle über EcoCrowd finanzierten Projekte.

Crowdinvesting

Schon ab 250 Euro können sich Privatleute bei Seedmatch an einem Startup beteiligen. Unter dem Motto „Gemeinsam in starke Ideen investieren“ haben über 72.000 Nutzer:innen bereits über 60 Millionen Euro in Startups investiert – bei einer durchschnittlichen Rendite von 16 Prozent. Bei erfolgreichem Crowdinvesting geht ein Honorar in Höhe von fünf bis zehn Prozent der erzielten Summe an Seedmatch, wobei Transaktionskosten für die Überweisungen der Investments nur bei Erfolg anfallen.

Companisto, Innovestment, Bettervest oder das Berliner Startup Bergfürst sind weitere von vielen Crowdinvesting-Plattformen deutscher Sprache. Auf Bergfürst geben Anleger:innen ihr Geld an einen Bauentwickler für Immobilienprojekte und erhalten dafür eine Rendite.

Auf der Frankfurter Crowdinvesting-Plattform Bettervest können Anleger:innen in eine lebenswerte Zukunft investieren – schon ab einer Summe von 50 Euro. Ein Ingenieur- und Finanzmanagerteam sorgt dafür, dass die Gelder ressourcenschonenden Technologien, regenerativen Energien und Projekten nach den UN-Entwicklungszielen zugute kommen.

Crowdlending

Wer eine neue Maschine anschaffen oder expandieren möchte, kann bei Fundingcircle einen Peer-to-Peer-Kredit aufnehmen, was bedeutet, dass kein Finanzinstitut als Vermittler auftritt. Fundingcircle bietet Kredite zu einem Volumen von 250.000 Euro ab einem Zinssatz von aktuell 3,79 Prozent.

Insgesamt gibt es in Deutschland ein buntes Potpourri diverser Crowdfunding-, Crowdinvesting- und Crowdlending-Modelle. Sie alle bieten Alternativen zur klassischen Unternehmensfinanzierung: Es lohnt sich, die diversen Modelle mal genauer unter die Lupe zu nehmen.