11.01.2024

Ausstellungen Kulturerbe Kunststück Museum

„Caspar David Friedrich. Kunst für eine neue Zeit“

von Jessica Mankel
Caspar David Friedrich (1774–1840) Wanderer über dem Nebelmeer, um 1817 Öl auf Leinwand, 94,8 x 74,8 cm Dauerleihgabe der Stiftung Hamburger Kunstsammlungen © SHK / Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford
Caspar David Friedrich (1774–1840) Wanderer über dem Nebelmeer, um 1817 Öl auf Leinwand, 94,8 x 74,8 cm Dauerleihgabe der Stiftung Hamburger Kunstsammlungen © SHK / Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford

Er ist der bedeutendste deutsche Maler der Romantik und als solcher auch im Jahr 2024 bedeutend: Caspar David Friedrich (1774-1840). Sein Jubiläumsjahr eröffnet die Kunsthalle Hamburg mit einer Werkschau. Weitere Ausstellungen und Institutionen folgen, zeigen ausgewählte Facetten seiner Kunst. Eine neue Publikation – Nummer 1 SPIEGEL-Bestseller – fasst Friedrichs Werke und Einwirken auf die Zeit der vergangenen 250 Jahre lesenswert zusammen: Zauber der Stille von Florian Illies. Mehr zur Hamburger Ausstellung und Illies Buch hier.


Caspar David Friedrich

Caspar David Friedrich ist der deutsche Maler der Romantik. 1774 in Greifswald, damals Schwedisch-Pommern, geboren, verbrachte er einen Großteil seines Lebens in Dresden, wo er 1840 starb. Seine Werke beeinflussten die romantische Kunst im Allgemeinen wie keine anderen und haben noch heute einen starken Einfluss auf die Entwicklung der Landschaftsmalerei.

Friedrichs Kunst ist bekannt für ihre tiefgreifende Spiritualität, melancholische Stimmung und die intensive Auseinandersetzung mit der Natur – besonders als Symbolträger. Friedrich malte primär Landschaften, in denen er die Beziehung zwischen dem Menschen und der Natur – meist auch Gott – erforschte. Er integrierte Elemente, wie Wälder, Wiesen, Berge, Gestein und Meere, in seine Werke und schuf dabei oft stark symbolische und metaphorische Kompositionen. Aber auch Ruinen fanden Platz in diesen Kompositionen. Eine tiefe Verbindung zur Natur, eine poetische Darstellungsweise und eine introspektive Atmosphäre zeichnen den Großteil seiner Werke aus; auch jene, die nicht dem Genre der Landschaftsmalerei zugehörig sind.

Im Laufe der Jahrhunderte erlangte Caspar David Friedrich posthum Anerkennung für seine einzigartige künstlerische Vision und seinen Beitrag zur romantischen Bewegung in der Kunstgeschichte. Noch heute hat seine Arbeit einen nachhaltigen Einfluss auf die zeitgenössische Kunst und wird weltweit in renommierten Museen ausgestellt. Zu seinen berühmtesten Gemälden gehören Werke wie „Wanderer über dem Nebelmeer“, „Das Eismeer“, „Kreidefelsen auf Rügen“ und „Der Mönch am Meer“. Und eben jene Werke und jenes Verhältnis von Mensch und Natur in Friedrichs Landschaftsdarstellungen thematisiert die aktuelle Ausstellung der Kunsthalle Hamburg.

Caspar David Friedrich (1774–1840) Das Eismeer, 1823/24 Öl auf Leinwand, 96,7 x 126,9 cm Hamburger Kunsthalle © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford
Caspar David Friedrich (1774–1840) Das Eismeer, 1823/24 Öl auf Leinwand, 96,7 x 126,9 cm Hamburger Kunsthalle © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford
Caspar David Friedrich (1774–1840) Der Feldstein bei Rathen, 1828 Aquarell, Bleistift, schwarze Einfassungslinie auf Papier, 26,2 x 23,1 cm Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg. Leihgabe der Museen der Stadt Nürnberg. Kunstsammlungen
Caspar David Friedrich (1774–1840) Der Feldstein bei Rathen, 1828 Aquarell, Bleistift, schwarze Einfassungslinie auf Papier, 26,2 x 23,1 cm Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg. Leihgabe der Museen der Stadt Nürnberg. Kunstsammlungen
Caspar David Friedrich (1774–1840) Der Watzmann, 1824/25 Öl auf Leinwand, 135 x 170 cm Staatliche Museen zu Berlin, Alte Nationalgalerie © bpk / Nationalgalerie, SMB, Leihgabe der DekaBank / Andreas Kilger
Caspar David Friedrich (1774–1840) Der Watzmann, 1824/25 Öl auf Leinwand, 135 x 170 cm Staatliche Museen zu Berlin, Alte Nationalgalerie © bpk / Nationalgalerie, SMB, Leihgabe der DekaBank / Andreas Kilger
Caspar David Friedrich (1774–1840) Mondaufgang am Meer, 1822 Öl auf Leinwand, 55 x 71 cm Staatliche Museen zu Berlin, Alte Nationalgalerie © bpk / Nationalgalerie, SMB / Jörg P. Anders
Caspar David Friedrich (1774–1840) Mondaufgang am Meer, 1822 Öl auf Leinwand, 55 x 71 cm Staatliche Museen zu Berlin, Alte Nationalgalerie © bpk / Nationalgalerie, SMB / Jörg P. Anders

250 Jahre: Kunst für eine neue Zeit

Die Hamburger Kunsthalle präsentiert anlässlich des 250. Geburtstags des romantischen Malers die Jubiläumsausstellung „Caspar David Friedrich. Kunst für eine neue Zeit“ vom 15. Dezember 2023 bis zum 1. April 2024. Die umfangreiche Werkschau Friedrichs zeigt über 60 Gemälde und rund 100 Zeichnungen, die besonders seine bewusste Auseinandersetzung mit der Natur verdeutlichen. „Caspar David Friedrich. Kunst für eine neue Zeit“ ist das dritte bedeutende Friedrich-Projekt an der Kunsthalle Hamburg nach den Ausstellungen in den Jahren 1974 und 2006.

Wieso dieser Ausstellungstitel 2023/24 und diese Werksauswahl? Weil Friedrich im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts wesentliche Impulse setzte, um die Gattung der Landschaft zur „Kunst für eine neue Zeit“ zu machen. Zudem beleuchtet die Ausstellung auch die Rezeption von Friedrichs Kunst von Weggefährten. Rund 20 ausgewählte Arbeiten seiner Künstlerfreunde wie Carl Gustav Carus, Johan Christian Dahl, August Heinrich und Georg Friedrich Kersting sind neben Friedrichs Werken in der Sonderschau der Hamburger Kunsthalle zu sehen.

Foto: Jessica Mankel

Rezeption in zeitgenössischer Kunst

Den Hauptteil der Ausstellung ergänzten die Kuratoren mit der Rezeption Friedrichs in der zeitgenössischen Kunst. Gezeigt werden Beiträge von rund 20 Künstlern und Künstlerinnen aus In- und Ausland, die die Romantik, das Naturverständnis – das Spannungsverhältnis zwischen Umweltzerstörung und der Sehnsucht nach der unberührten Natur – und die Kunst Friedrichs in verschiedenen Medien reflektieren. Zu sehen sind Arbeiten von Elina Brotherus, Julian Charrière, David Claerbout, Olafur Eliasson, Alex Grein, Hiroyuki Masuyama, Mariele Neudecker, Ulrike Rosenbach, Susan Schuppli, Santeri Tuori und Kehinde Wiley.

Kehinde Wiley (*1977) The Prelude (Ibrahima Ndiaye und El Hadji Malick Gueye), 2021 Öl auf Leinwand, 387,2 x 305 cm Rennie Collection, Vancouver Courtesy of the artist und Stephen Friedman Gallery, London © Kehinde Wiley
Kehinde Wiley (*1977) The Prelude (Ibrahima Ndiaye und El Hadji Malick Gueye), 2021 Öl auf Leinwand, 387,2 x 305 cm Rennie Collection, Vancouver Courtesy of the artist und Stephen Friedman Gallery, London © Kehinde Wiley
Susan Schuppli (*1959) Arctic Archipelago, 2021 HD-Video, Farbe, Stereoton, 26:20 Min. (Filmstill) Courtesy of the artist © Susan Schuppli
Susan Schuppli (*1959) Arctic Archipelago, 2021 HD-Video, Farbe, Stereoton, 26:20 Min. (Filmstill) Courtesy of the artist © Susan Schuppli

Jubiläumsjahr und Festival

Neben der Begleitpublikation (512 Seiten, 350 Abbildungen, Hatje Cantz Verlag) bietet die Kunsthalle Hamburg ein umfassendes Rahmenprogramm und zahlreiche Vermittlungsangebote. Außerdem bildet die Ausstellung den Auftakt zum Caspar David Friedrich-Festival, das auch von der Alten Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin und den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden im Laufe des Jubiläumsjahres unterstützt wird. 2024 wird einiges zu dem deutschen Romantikmaler geboten!

© S. Fischer Verlag

Zauber der Stille

Nicht nur zahlreiche Ausstellungen und digitale Programme drehen sich um Friedrich im Jahr 2024. Auch an neuer Lektüre gibt es viel zu entdecken. Ein Buch ist jedoch im Besonderen hervorzuheben: „Zauber der Stille. Caspar David Friedrichs Reise durch die Zeiten“ von Florian Illies. Der Journalist und Kunsthistoriker versucht anhand einer Sammlung von Momentaufnahmen, Anekdoten und historischen Ereignissen, die vergangenen 250 Jahre um Caspar David Friedrich und seiner Kunst zu erfassen.

Hierfür gliedert der Autor das Buch in vier Kapitel – Feuer, Wasser, Erde und Luft. Während die Elemente Wasser, Erde und Luft in Friedrichs Œuvre naheliegend sind, kann die Wahl von „Feuer“ in Bezug auf die Werke Friedrichs irritieren. Dabei handelt das Kapitel weniger von den Motiven in Friedrichs Bildern als von ihrer Vernichtung durch zahlreiche Brände, wie dem Feuer im Glaspalast München 1931 oder im Geburtshaus des Künstlers in Greifswald 1901. Illies reiht die Bilder innerhalb der Kapitel in das Zeitgeschehen und in die Wahrnehmung verschiedener Zeitgenossen ein. So erfahren Lesende von den Zusammenhänge von Caspar David Friedrich zu Walt Disneys „Bambi“-Trickfilm, zu Hitler und der Nazi-Ideologie, zu Becketts „Warten auf Godot“ und zu Goethe. Neben diesen kurzweiligen (und sicher teilweise ausgeschmückten) Passagen, wird die Kunst Friedrichs aber auch mit dem Blick von Florian Illies eröffnet.

Es ist eine Publikation, die sich zu lesen lohnt und anregt, sich mit dem bedeutendsten Maler deutscher Romantik auseinander zu setzen. Nicht nur mit seinen Werken. So sagt Illies selbst: „Friedrich atmet die Natur ein und atmet sie als Kunst wieder aus. Und um das zu erleben, muss man an die Orte gehen, an denen Friedrich gemalt hat.“


Publikation

Zauber der Stille. Caspar David Friedrichs Reise durch die Zeiten
Autor: Florian Illies

256 Seiten, deutsch, gebunden, 25 Euro
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2023

ISBN: 9783103972528
Zum Buch: fischerverlage.de


Ausstellung Kunsthalle Hamburg

Caspar David Friedrich. Kunst für eine neue Zeit
15. Dezember 2023 bis 1. April 2024

Hamburger Kunsthalle
Glockengießerwall 5
20095 Hamburg

Dienstag bis Sonntag 10-19 Uhr
Donnerstag 10-21 Uhr
Montag geschlossen

Alles zur Ausstellung Caspar David Friedrich in Hamburg und dem Rahmenprogramm hier.

2016 erregte die Alte Nationalgalerie in Berlin um Caspar David Friedrich Aufsehen: Sie stellte zwei restaurierte Gemälde – „Mönch am Meer“ und „Abtei im Eichwald“ – vor. Dass diese Werke gemeinsam eine Einheit der romantischen Epoche bilden war bis dato längst bekannt. Neueste Untersuchungen zeigten, dass sie auch in Sachen Material eine Einheit bildeten. Mehr dazu hier.

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