Dystopia statt Biotopia am Schloss Nymphenburg?

 

Denkmalschützer wenden sich gegen den geplanten Neubau eines Gebäudetrakts von Schloss Nymphenburg. Seit 2014 ist eine Erweiterung des dort ansässigen Museums „Mensch und Natur“ zum Naturkundemuseum „Biotopia“ im Gespräch. Ein Kommentar von Elke Wendrich und Neven Denhauser.

Man stelle sich vor, der Schlosskomplex von Versailles würde durch einen fensterlosen modernen Bau aus Sichtbeton mit Blechdach „bereichert“. Genau dies ist innerhalb des Nymphenburger Schlossensembles für den Neubau von „Biotopia“, bisher das Museum „Mensch und Natur“, geplant. Erstmals nimmt dabei die Fassadengestaltung keine erkennbare Rücksicht auf die historischen Schlossfassaden, wie sie Joseph Effner ab 1715 schuf. Seine Planung wurde über 300 Jahre lang respektiert. Ab 1964 entstanden im Nordflügel jene Bauten, die dem Museum nun weichen sollen. Sie ersetzten den Kapuzinerbau, der 1939 von den Nationalsozialisten für die Erweiterung des Deutschen Jagdmuseums zerstört wurde. Mit ihrer Gliederung, den Schleppgauben und ihrer Farbfassung in Weiß-Ocker sind sie ein Beispiel des geglückten Wiederaufbaus.

Der Siegerentwurf der Staab Architekten GmbH aus Berlin orientiert sich hingegen nicht an den historischen Vorbildern, sondern inszeniert „bewusst den Bruch mit der tradierten homogenen Fassadengestaltung“ des Schlosses. Hätte die ehemalige Wittelsbacher Sommerresidenz den Titel „Weltkulturerbe“, so würde sie ihn durch diesen Neubau verlieren.

Die Innenarchitektin und Anwohnerin Elke Wendrich und der Kunstgeschichtsstudent Neven Denhauser engagieren sich im Denkmalnetz Bayern gegen den Neubau des Naturkundemuseums am Schloss Nymphenburg. Weitere Informationen finden Sie unter: http://denkmal.netzwerk-heimat.de/index.php/menueeintrag/index/id/25/seite_id/1939.

Hintergrund

Der Nördliche Gebäudetrakt des Schloss Nymphenburg aus den 1960er-Jahren soll durch das Naturkundemuseum „Biotopia“ erweitert werden. 2014 war dazu ein Architektenwettbewerb ausgerufen worden, um die Vision einer dem internationalen Prestige des Deutschen Museum gleichenden musealen Einrichtung zu entwerfen. Der Vorschlag der Sieger von Staab Architekten aus Berlin zeigt einen Neubau mit Sichtbetonfassade, großen Eingangsbögen zum Schlossrondell und zum Park, sowie eine Metallschindeldeckung. Man habe sich bewusst für ein Gegenmodell zur herkömmlichen Gestaltung des Schlosses entschieden, und das spiegele sich im vorliegenden Entwurf wider, so die Wettbewerbsjury des Veranstalters Förderkreis „Namu“.

Die Maria-Ward-Straße 1a, in der die Bestandsbauten angesiedelt sind, wird laut des Denkmalnetzwerks Bayern seit Jahren als Baudenkmal in der Bayerischen Denkmalliste geführt. Auch im Bayerischen Denkmalatlas waren bis Dezember 2016 die Bestandsbauten als Baudenkmal gelistet. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) spricht jedoch bei der Eintragung von einem Fehler, wie bei der öffentlichen Sitzung des Bezirksausschusses Neuhausen-Nymphenburg verkündet wurde. Dieser Fehler sei, so Burkhard Körner vom BLfD, bereits im Denkmalatlas korrigiert. Auf Anfrage von RESTAURO seien die denkmalfachlichen Rahmenbedingungen für den Wettbewerb und den Neubau im Vorfeld zwischen Denkmalamt und Schlösserverwaltung einvernehmlich abgestimmt worden. Das Museum soll 2023 seine Türen öffnen.