Rembrandt-Zeichnung identifiziert

 

Kunsthistorische Untersuchungen konnten die Kreidezeichnung eines Hundes dem Barockkünstler Rembrandt zuordnen. „Die Studie eines sitzenden Hundes“ befand sich bereits seit den 1770er-Jahren im Bestand des Herzog Anton Ulrich-Museums in Braunschweig.

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Rembrandt Harmensz. van Rijn (1606-1669), Studie eines sitzenden Hundes, um 1637, Schwarze Kreide, 82 x 99 mm, Inv. Nr. Z 719, Herzog Anton Ulrich Museum Braunschweig, Kupferstichkabinett. Foto: C. Cordes, HAUM

 

Das Herzog Anton Ulrich-Museum ist ab sofort im Besitz eines weiteren Kunstwerks von Rembrandt Harmensz. van Rijn (1606–1669). Es handelt sich dabei um die Zeichnung eines Hundes, die bis vor kurzem dem deutschen Tiermaler Johann Melchior Roos (1663–1731) zugeschrieben wurde. Von Rembrandt sind weltweit nur wenige Tierzeichnungen erhalten, darunter vier stilistisch sehr ähnliche Kreidestudien eines Elefanten und eines Pferdegespanns. Umso sensationeller ist es für die Forscher und Mitarbeiter des Museums, ihrem Publikum nun einen „neuen“ Rembrandt präsentieren zu können. „Die Entdeckung untermauert den internationalen Rang der Sammlung und der Forschungsleistungen des Herzog Anton Ulrich-Museums“, so Gabriele Heinen-Kljajić, Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur.

Vergleich zu vergleichbaren Originalen

Auf die Zeichnung aufmerksam geworden ist der Leiter des Kupferstichkabinetts, Thomas Döring. Während der systematischen Digitalisierung von 10.000 Zeichnungen, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Projekt „Virtuelle Kupferstichkabinett“, fiel ihm die an Rembrandt erinnernde Zeichenweise des Werks auf. Es folgten eingehende Recherchen, darunter mikroskopische Untersuchungen, das Studium von vergleichbaren Originalen Rembrandts in Amsterdam, Paris und Wien sowie Konsultationen mit internationalen Autoritäten der Rembrandt-Forschung. Nun wird die Zeichnung demnächst in das neu erscheinende Rembrandt-Werkverzeichnis aufgenommen.

Tierzeichnungen von Rembrandt

Rembrandt schuf die Kreidezeichnungen von Tieren als Studien, vor allem in den 1630er-Jahren bereicherte der Künstler seine Gemälde und Radierungen bevorzugt mit Darstellungen von Hunden als bedeutungsvolle Nebenmotive. Der Braunschweiger Terrier ähnelt stark dem bellenden und umherspringenden Hund der 1642 fertiggestellten „Nachtwache“ im Rijksmuseum Amsterdam. Rembrandt sammelte seine gezeichneten – und offenbar größtenteils verlorenen – Tierstudien in einem Band, der er mit „beesten nae ‚t leven“ (dt. Tiere nach dem Leben) beschriftete. Darin dürfte sich ursprünglich auch die neu entdeckte „Studie eines sitzenden Hundes“ befunden haben.

Ab dem 6. April 2017 ist die Kreidezeichnung Rembrandts im Rahmen des Sonderausstellung „Dürer, Cézanne und Du. Wie Meister zeichnen“ im Herzog Anton Ulrich-Museum zu sehen.