Stadtarchäologie

 

 

Unser Autor Boris Frohberg besuchte für RESTAURO am 10. Februar 2017 die Tagung „Backsteinbau und Bettelordenarchitektur – Franziskaner und Dominikaner in der Mark Brandenburg“ im Archäologischen Landesmuseum dem Paulikloster zu Brandenburg an der Havel im Rahmen der Sonderausstellung „Gebrannte Erde“.

Die Vorträge umfassten ein breites Spektrum der Stadtarchäologie, hier verschiedene Aspekte vergangener und bestehender mittelalterlicher Klosterarchitektur in Berlin, Prenzlau und Brandenburg. Bereichert wurde die Tagung durch eine bauhistorische Führung zu den Befunden im Paulikloster selbst, durch Maestro Maurizio Paul, wie ihn der Moderator und Organisator der Tagung, der Bauhistoriker Dr. Dirk Schumann, ankündigte. Am Abend war noch Zeit, die Sonderausstellung „Gebrannte Erde“ zu besuchen und den Tag bei einem Glas Wein im Kreuzgang ausklingen zu lassen.

Zwei Beiträge betrafen die Restaurierung von Wandmalereien zum einen von Dr. Jan Raue über die Wandmalereien im Dominikanerkloster zu Prenzlau und zum anderen von Susanne Nitsch über die Wandmalereien in der Franziskanerklosterkirche zu Brandenburg an der Havel.

Stadtarchäologie in Berlin, Prenzlau und Brandenburg

Das Dominikanerkloster Prenzlau, entstand zum Ende des 13. und zu Beginn des 14. Jahrhunderts. Vermutlich 1516 wurden die Wandmalereien im Gästerefektorium als Seccomalerei aufgetragen. Hier steht der Passionszyklus im Vordergrund. Übertüncht haben die Malereien die wechselvollen Zeiten nach der 1545 erfolgten Säkularisierung überdauert. In den vergangenen Jahren konnten die umfassenden Freilegungen und Restaurierungen ausgeführt werden. Das 500. Jubiläum 2016 war Anlass (RESTAURO berichtete), diese in ihrer Fülle und Komplexität im Norden Brandenburgs einmaligen Malereien gebührend zu würdigen und die neuen Erkenntnisse einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Dabei wurden sowohl das ikonografische Programm, die Auftraggeber und die Ausführenden thematisiert als auch Aspekte des Handwerks, der Techniken bis hin zu den heutigen Konservierungs- und Restaurierungsmethoden beleuchtet.

Das ehemalige Franziskanerkloster Brandenburg, entstand in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts. Der Doppeltor wird kathedraler Stil nach Choriner Vorbild zitiert. Bezeichnend ist dabei der über dem Doppeltor ausgearbeitete Schmuckziegel“teppich“, so Dr. Schumann. Um 1420 wurden die Wandmalereien in den Chornischen der Kirche als Seccomalerei aufgetragen. Die Klostergebäude sind nach der Säkularisierung abgebrochen worden. Während der Restaurierungsarbeiten in den Jahren 2011 und 2012 sind spätgotische Wandbemalungen aufgefunden und konservatorisch gesichert worden. Die Südostwand des nördlichen Seitenschiffs zeigt Pflanzenmotive. In den Nischen des Chorraums der Kirche fanden sich figürliche Wandmalereien aus der Zeit um 1420. Sie stellen eine Marienkrönung oder -segnung dar. Weiterhin findet sich eine Darstellung des Jüngsten Gerichts. Die Öffnung und Konservierung der dritten Nische ist für das Frühjahr 2017 geplant. Es bleibt, allen beteiligten hiermit ein Dank für diese gelungene Tagung auszusprechen.