Beste Aussicht

Nach vielen Jahren der Schließung sind seit Saisonbeginn in diesem Frühjahr die beiden Türme und die Turmgalerie des Potsdamer Orangerieschlosses Sanssouci nun wieder für Besucher zugänglich

Foto Sansoussi
Türme, Arkaden, filligraner Schmuck - das Orangerieschloss zeugt von der Italiensehnsucht Friedrich Wilhelms IV. Foto: © Foto: dpa/Ralf Hirschberger

Inspiriert von bedeutenden Bauten der italienischen Hochrenaissance, zeugt die Orangerie von der Italiensehnsucht Friedrich Wilhelms IV. Mit seinen Plastiken, Brunnen, Arkaden und Terrassen war es Teil der letztlich unvollendet gebliebenen Via Triumphalis, die der „Romantiker auf dem Thron“ zu Ehren Friedrichs II. anlegte. Im hervorspringenden Mittelbau mit seinen markanten Türmen befindet sich neben repräsentativen Gästeappartements auch der Raffaelsaal mit seiner berühmten Kopiensammlung. In den beiden jeweils über 100 Meter langen Pflanzenhallen überwintern auch heute noch bis zu 1.000 empfindliche Pflanzen.

Schon die Baukosten der über 300 Meter langen Schlossanlage müssen immens gewesen sein; überliefert ist die aufgrund finnanzieller Engpässe nur schleppende Bauausführung zwischen 1851 und 1864. Ebenfalls langwierig ist die Sanierung des in die Jahre gekommenen und teils durch konstruktive Unzulänglichkeiten beeinträchtigten Gebäudes. Fassadenelemente und Architekturschmuck waren verwittert, beschädigt oder zum Teil nicht mehr vorhanden, die hohe Luftfeuchtigkeit in den Pflanzenhallen setzte der hölzernen Dachkonstruktion und den in den 1970er-Jahren eingesetzten Holzfenstern zu, der bauzeitliche Gussasphalt im Turmgeschoss sowie die Kupfer- dächer und Regenrinnen waren schadhaft und ließen Nässe ins Gebäudeinnere eindringen. Bereits bis 2010 wurden, dem denkmalpflegerischen Leitbild nach Annäherung an das filigrane Erscheinungsbild folgend, die fast sechs Meter hohen Eisengussfenster der Pflanzenhallen rekonstruiert. Darüber hinaus konnte bei der östlichen Pflanzenhalle bisher die Südfassade saniert werden, wofür zwischen 2007 und 2010 etwa 1 Mio. Euro aufgewandt wurden. Finanziell und zeitlich aufwendiger gestaltete sich dagegen die Instandsetzung der westlichen Pflanzenhalle. Hier wurden nicht nur die Fassaden saniert, sondern bei laufendem Betrieb schrittweise auch die erheblichen Schäden am Dachstuhl repariert. Fast 5 Mio. Euro betrugen die Kosten der zwischen 1997 und 2010 ausgeführten Sanierungsarbeiten, im Zuge derer auch ein den Pflanzen zuträgliches Klimakonzept entwickelt wurde, mit dem eine weitere Beschädigung der Bausubstanz vermieden wird. Auch der südöstlich liegende Eckpavillon konnte bereits saniert werden, dafür elen zwischen 2011 und 2016 gut 2 Mio. Euro Kosten an. Neben der Gebäudehülle, also dem Dach und der Fassade, lag ein besonderes Augen- merk auf der Restaurierung freibewitterter Dekorations- und Architekturelemente, wie Zinkgussvasen und Sandsteinsäulen. Auch die bauzeitlichen Türen und Fenster konnten aufgearbeitet werden.

Von besonderer Bedeutung ist die in diesem Frühjahr abgeschlossene Sanierung der Türme und Dächer des Mittelbaus. In den zurückliegenden sechs Jahren wurden nicht nur die Blecheindeckung und die Regenentwässerung der Dächer erneuert, was auch eine brandschutztechnische und statische Sicherung des Dachstuhls beinhaltete. Dem Originalzustand wurde der Gussasphalt des Bodenbelags wiederhergestellt und die Deckenbemalungen rekonstruiert. Die Sandsteinelemente der Balustraden und Säulen wurden restauriert und um ein optisch zurückhaltendes Geländer zur Absturzsicherung ergänzt. Gut 5 Mio. Euro wurden dafür seit 2011 aufgewendet. Nach vielen Jahren der Schließung sind seit Saisonbeginn in diesem Frühjahr die beiden Türme und die Turmgalerie nun wieder für Besucher zugänglich und bieten dem, der die rund 120 Stufen, teilweise auf sehr engen, historischen Wendeltreppen, nicht scheut, einen herrlichen Blick über die Parklandschaft und das angrenzende Stadtgebiet.