Bauhistorische Zeitreise in Leipzig

 

Die Neuerscheinung „Die Friedensgebete in der Leipziger Nikolaikirche – Gottesdienst im Alltag der Welt“, herausgegeben von der Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde St. Nikolai zu Leipzig (Leipzig 2017) geht erstmals auch auf die Restaurierungsmaßnahmen der Südkapelle mit ihren seltenen Wandmalereien ein.

Bemerkenswert an sich ist schon die 850-jährige Geschichte der Nikolaikirche in Leipzig. Doch nun ist ein ebenso beachtenswertes Begleitbuch zu der Dauerausstellung in der Südkapelle der Kirche herausgekommen und wurde Ende März in Leipzig vorgestellt: „Die Friedensgebete in der Leipziger Nikolaikirche – Gottesdienst im Alltag der Welt“ greift nicht nur die Kirchengeschichte auf und erzählt, was es mit den Friedensgebeten auf sich hat, sondern geht erstmals auch auf die Restaurierungsmaßnahmen der Südkapelle mit ihren seltenen Wandmalereien ein. Von 2011 bis 2015 wurde die Kapelle restauriert. Es war eine komplexe Aufgabe, denn man musste die künftigen Funktionen berücksichtigen und den bauhistorischen Befunden Rechnung tragen.

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Die Arbeit in der Nikolaikirche – ein restauratorischer Höhepunkt

 

Restaurator Volker Wiesner – die Kapellen-Restaurierung war sein letztes großes Projekt – schwärmt: „Die Arbeit in der Nikolaikirche stellte in meiner 40-jährigen Tätigkeit einen Höhepunkt dar.“ Besonders begeisterte ihn, dass der Kirchenraum wie kein anderer mit ihren restaurierten Details Einblicke in beinahe jede Epoche gibt: „Man kann einen Geschichtsabriss zeigen, denn es hat sich aus jeder Epoche etwas erhalten.“

Das Ziegelwerk des für uns heute sichtbaren Raums erhebt sich auf einem Vorgängerbau aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Wohl um 1470 entstand die spätgotische Kapelle. Wiesner betont, dass er bewusst den Charakter des spätgotischen Raumes erhalten hat. Im Buch wird beschrieben, dass „die ursprüngliche Farbgebung des spätgotischen Raumes mit roten Rippen, Fensterumrahmungen und der Zwickelmalerei (…) unter mehrfachen Anstrichüberdeckungen Farbschicht für Farbschicht manuell freigelegt werden konnte.“

 

Florale Malereien an der Gewölbedecke

 

Denn der Erhaltungszustand der floralen Malereien an der Gewölbedecke sei sehr unterschiedlich gewesen: Einige konnten wiederhergestellt werden, andere musste man unter UV-Licht erst finden. Heute herrsche die spätgotische Farbigkeit vor. An der Westwand ist die sogenannte Schreibmeistertafel von Johann Logau befestigt, welche als einziges in der Kirche ausgestelltes Bildwerk aus der Barockzeit besondere Beachtung verdient. „Da es sich um einen Ausstellungsraum handelt, können wir einige schöne Befunde direkt an Ort und Stelle präsentieren. Sie befinden sich nun sozusagen als historische Fensterchen im Raum“, sagt Wiesner.

Das Buch, das unter der Redaktion von Matthias Hinkel, Stefan Oehme, Prof. Dr. Andrea Nikolaizig und Prof. Dr. Rainer Vor entstand, erlaubt dem Leser, die Dauerausstellung in der Südkapelle zu besuchen sowie die Restaurierung und die damit einhergehenden Entdeckungen nachzuvollziehen und erleben zu können. Der Interessierte wird zu einer bauhistorischen Zeitreise geladen.

 

Buchinfos:

„Die Friedensgebete in der Leipziger Nikolaikirche – Gottesdienst im Alltag der Welt“

Herausgeber

Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde St. Nikolai zu Leipzig

Redaktion

Matthias Hinkel, Stefan Oehme, Prof. Dr. Andrea Nikolaizig, Prof. Dr. Rainer Vor

FRITSCH Druck GmbH, Leipzig

© Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde St. Nikolai zu Leipzig 2017

ISBN 978-3-00-055762-0

9,98 Euro