Bauhaus bauen

Im Sommer 2019 bauten Studierende der Universität Kassel einen unrealisierten Entwurf des Bauhaus für Dessau-Törten aus dem Jahre 1930: das „Wachsende Haus“ von Bauhauslehrer Ludwig Hilberseimer

Zum Bauhaus-Jubiläum errichteten Studierende der Universität Kassel eine zeitgenössische Rekonstruktion des „Wachsenden Hauses“ von Bauhauslehrer Ludwig Hilberseimer. Foto: Christoph Petras
Zum Bauhaus-Jubiläum errichteten Studierende der Universität Kassel eine zeitgenössische Rekonstruktion des „Wachsenden Hauses“ von Bauhauslehrer Ludwig Hilberseimer. Foto: Christoph Petras

Welche Werkstoffe verbinden wir mit dem Bauhaus? Vor allem Glas, Stahl und Beton, nicht jedoch Holz. Das „Wachsende Haus“, 1930 entworfen vom Architekten und Bauhauslehrer Ludwig Hilberseimer, bricht mit den gängigen Bauhaus-Klischees: Bei dem L-förmigen Gebäude handelt es sich um ein modular aufgebautes, preiswertes Wohnhaus in Holzbauweise, das sich an die
Bedürfnisse seiner Bewohner anpassen und erweitern lässt.

Etwa 400 dieser Einfamilienhäuser sollten zusammen mit den unter Hannes Meyer errichteten Laubenganghäusern in der Siedlung Dessau-Törten eine Mischbebauung bilden. Die 1929 einsetzende wirtschaftliche und politische Krise verhinderte allerdings den Bau der ergänzenden Flachbauten. Mehr als 80 Jahre nach der Planung und pünktlich zum 100. Bauhaus-Geburtstag haben Studierende der Universität Kassel nun eine zeitgenössische Rekonstruktion des Hilberseimer-Entwurfs innerhalb von drei Wochen in Selbstbauweise errichtet. Unterstützt wurde das Team um Philipp Oswalt, Professor für Architekturtheorie und Entwerfen, von dem Baukollektiv Constructlab. 

Ziel des Design-Build-Projekts „Bauhaus bauen“ ist es, einer fast vergessenen Bauhaus-Geschichte wieder Leben einzuhauchen und die für die heutige Wohnungs- und Städtebau-Debatte relevante Idee von Hilberseimer wiederaufzugreifen. Das Gebäude wird 18 Monate in Törten für gemeinschaftliche Nutzungen zur Verfügung stehen, danach geht es auf Wanderschaft. Nächster Halt ist Berlin, hier soll es dem Haus Lemke von Mies van der Rohe als Besucherzentrum dienen.