Aus der Werkstatt Lucas Cranach dem Jüngeren

Begegnungen. Von Cranach bis Holbein“ lautete die Ausstellung im Kunstmuseums Moritzburg in Halle an der Saale, die Ende Januar 2018 zu Ende ging. Was bleibt, ist der lesenswerte Ausstellungskatalog. Teil der Schau waren drei Renaissance-Epitaphien aus den Museumsdepots, eigentlich nur eine thematische Ergänzung zu gezeigten Handzeichnungen. Doch im Katalog haben kunsttechnologische Untersuchung und Restaurierung der drei Tafelbilder ihren großen Auftritt.

 

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Ausschnitt des Katalogcovers zur Ausstellung „Begegnungen. Von Cranach bis Holbein“. Band 15 der Schriften für das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale). Foto: Michael Imhof Verlag

 

Dieser Katalog bildet geradezu vorbildlich den Anteil der verschiedenen Wissenschaftler und Museumsmitarbeiter an der Entstehung der Ausstellung „Begegnungen. Von Cranach bis Holbein“ im Kunstmuseum Moritzburg in Halle ab. Denn es ist längst nicht üblich, dass neben Direktor und Kurator auch der Restaurator einen ausführlichen Katalogtext schreibt – und das nicht erst kurz vor dem Anhang, sondern gleichberechtigt im Hauptteil. Der Katalog begleitet ein besonderes Kooperationsprojekt zwischen der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau und dem Hallenser Museum, denn erstmals vereinen beide Museen Bestände des 15. und 16. Jahrhunderts: Dessau einen Ausschnitt seiner wunderbaren Handzeichnungen-Sammlung aus dem Besitz der Anhaltischen Fürsten und Halle Flugblätter der Reformationszeit und sechs Gemälde aus dem 16. Jahrhundert. Dieser Kunstbestand ist ungewöhnlich in Halle, liegt der Sammlungsschwerpunkt doch auf der Kunst der Moderne. Vor allem für seine Expressionisten-Sammlung war das Museum berühmt. Leider wurde ein großer Teil davon während der Aktion „Entartete Kunst“ aus dem Museum entfernt. Doch an der Moderne-Ausrichtung hat sich nichts geändert.

In unbeachtetem, beklagenswertem Zustand

Auch deshalb fristeten die kürzlich gezeigten Holztafelgemälde in den vergangenen Jahrzehnten ein Depotdasein. Vor allem zwei der drei Epitaphien aus der Schlosskapelle in Löbnitz, die 1945 während der Bodenreform aus dem Besitz der Familie von Schönfeldt entwendet wurden, waren bis 2013 in einem unbeachteten, beklagenswerten Zustand. Restaurator Tino Simon hat sie seit 2013 in einem dreijährigen Projekt kunsttechnologisch untersucht, erforscht, gesichert, gereinigt und restauriert. Ausführlich und reich bebildert beschreibt er in seinem Katalogbeitrag „Auf der Suche nach dem Künstler“ Befunde, Untersuchungen, notwendige Arbeiten und seine Erkenntnisse daraus. „Trotz vieler Ähnlichkeiten in der Malweise sind stilistische Unterschiede bereits innerhalb der Unterzeichnung unverkennbar. Neben den dort verwendeten unterschiedlichen Materialien sind zweifelsfrei verschiedene Handschriften abzulesen“, schreibt Simon zum Thema einer möglichen Zuschreibung an Lucas Cranach d. J. und plädiert auf der Grundlage dieser Untersuchungen für Werkstattarbeiten.

„Begegnungen. Von Cranach bis Holbein“, Hrsg. v. Christian Philipsen und Peter Kuras, Michael Imhof Verlag, 200S., 24,95 Euro