Auf den Spuren romanischer Wandmalerei in Westfalen

Die LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen begann 2012 ein mehrjähriges Projekt, das sich bis 2016/17 mit der kunst- und restaurierungswissenschaftlichen Erforschung der wichtigsten Beispiele romanischer Wandmalerei zwischen 1160 und 1270 in Westfalen beschäftigte. Jetzt ist eine Publikation dazu erschienen.

Das Mittelschiff der Kirche St. Cyriakus in Schmallenberg-Berghausen (Blick nach Osten, Ausschnitt). Auffällig ist die reiche ornamentale Gestaltung im Westfälischen Ausmalungstypus. Die Apsis schmückt die ursprünglich starkfarbige, heute abgeschürfte Weltgerichtsdarstellung (frühes 13. Jh.). Foto: Dülberg/LWL
Das Mittelschiff der Kirche St. Cyriakus in Schmallenberg-Berghausen (Blick nach Osten, Ausschnitt). Auffällig ist die reiche ornamentale Gestaltung im Westfälischen Ausmalungstypus. Die Apsis schmückt die ursprünglich starkfarbige, heute abgeschürfte Weltgerichtsdarstellung (frühes 13. Jh.). Foto: Dülberg/LWL

Die Notwendigkeit interdisziplinärer Zusammenarbeit bei der Erforschung von Kulturdenkmalen und ihrer Ausstattung wird seit Jahrzehnten allgemein anerkannt, aber nur selten effektiv in die Praxis umgesetzt. Ein Blick in jüngere Publikationen bestätigt, dass die Ergebnisse restauratorischer Untersuchungen meist nur kurz erwähnt oder in den Anhang verbannt sind. Dies gilt sogar für Corpuswerke mittelalterlicher Wandmalereien, auch wenn Erkenntnisse über Kunsttechnologie, Restaurierungsgeschichte und Erhaltungszustand hier absolut unverzichtbar für die kunsthistorische Bewertung sind. Eine „technische Kunstgeschichte“, welche das Verständnis der überlieferten Materialität von Kunstwerken als Grundlage für alles weitere Forschen voraussetzt, beginnt allmählich Fuß zu fassen. Aber eine paritätische Zusammenarbeit zwischen Fachleuten der Kunstgeschichte und der Restaurierungswissenschaft, um nur zwei in diesem Zusammenhang besonders wichtige Disziplinen zu nennen, ist immer noch die Ausnahme.

Das Projekt „Bildwelten – Weltbilder. Romanische Wandmalerei in Westfalen“ des Land- schaftsverbandes Westfalen-Lippe LWL, Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen, unter Leitung von Dirk Strohmann, belegt vorbildhaft, was interdisziplinäre Forschung auf diesem Gebiet leisten kann, und setzt damit verbindliche Maßstäbe für vergleichbare Vorhaben. In Westfalen sind ungefähr 90 Kirchen erhalten, die zumindest Fragmente romanischer Wandmalereien aufweisen, davon 33 Kirchen mit figürlichen Wandmalereien, aus der Zeitspanne zwischen ca. 1160 und 1270. Aus letzteren wählte man, aufgrund begrenzter zeitlicher und finanzieller Ressourcen, 13 besonders aussagekräftige Beispiele aus, die zuletzt zwischen ca. 1950 und 1970 freigelegt bzw. entrestauriert worden waren (die konservatorische und kulturgeschichtliche Auseinandersetzung mit Übermalungen im Zuge historischer Restaurierungen hätte das Projekt zu stark ausgeweitet): St. Pantaleon in Bad Sassendorf-Lohne, St. Urbanus in Bad Sassendorf-Weslarn, St. Blasius in Balve, die ev. Kirche in Bochum-Stiepel, St. Joh. Baptist in Dortmund-Brechten, St. Chrysanthus und Daria in Dortmund-Wellinghofen, die ev. Marienkirche in Lippstadt, St. Kilian in Lüdge, St. Maria in Paderborn-Neuenbeken, St. Cyriakus in Schmallenberg-Berghausen, St. Peter und Paul in Schmallenberg-Wormbach, die Nikolaikapelle in Soest und St. Andreas in Soest-Ostönnen. Das methodische Vorgehen basierte auf dem Einsatz eines interdisziplinären Teams mit der promovierten Kunsthistorikerin Anna Skriver und der Diplomrestauratorin Katharina Heiling, beide ausgewiesene Spezialistinnen für Wandmalerei, unterstützt von der Epigraphikerin Helga Giersiepen und den Fachleuten des LWL. Eine genaue Bestandserfassung vor Ort, auf dem Gerüst, war verbunden mit der Auswertung aller Archivalien und Dokumentationen im Landesamt. Zu den Ergebnissen des Projekts zählen die 800 Seiten starke, reich illustrierte Publikation, die Internetpräsentation www.lwl.org/wandmalerei (mit sehr informativen Kartierungen und Fotodokumentationen) sowie eine Wanderausstellung und ein Film. Ganz bewusst will man damit nicht nur Fachleute, sondern auch interessierte Laien ansprechen. Das Projekt basiert auf Anregungen von Prof. Dr. Hilde Claussen (1919–2009), die als Kunsthistorikerin zusammen mit dem Restaurator Kurt Schmidt-Thomsen das Restaurierungsreferat der westfälischen Denkmalpflege leitete und von 1955 bis 1984 alle wichtigen Wandmalereirestaurierungen begleitete.

Lesen Sie weiter in der RESTAURO 2/2018, www.restauro.de/shop

Prof. Dr. phil. Dipl. Rest. Ursula Schädler-Saub ist an der HAWK in Hildesheim im Studiengang Restaurierung (heute Fakultät Bauen und Erhalten, Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen)

Anna Skriver und Katharina Heiling, Bildwelten – Weltbilder. Romanische Wandmalerei in Westfalen. Ein Projekt der LWL-Denkmalp ege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen unter Leitung von Dirk Strohmann, mit Beiträgen von Gerd Dethlefs, Helga Giersiepen, Leonhard Lamprecht, Roland Pieper und Dirk Strohmann (Denkmalpflege und For- schung in Westfalen, hrsg. von Landeskonservator Holger Mertensm LWL-Denkmalpflege Landschafts- und Baukultur in Westfalen und Direktor Michael M. Rind, LWL-Archäologie für Westfalen, Bd. 53), Verlag Philipp von Zabern, Darmstadt 2017, gebundene Ausgabe, 800 Seiten, mit beigefügter DVD, 69,95 Euro