Ein Juwel Tiroler Gotik

Der „Altar von Schloss Tirol“ gehört zu den kunsthistorischen Juwelen des Tiroler Landesmuseums. In den kommenden Jahren soll der um 1370/1372 für Schloss Tirol bei Meran entstandene Flügelaltar sowohl interdisziplinär erforscht als auch kunsttechnologisch untersucht werden.

Dieses Vorhaben soll jedoch nicht, wie üblich, in den Museumswerkstätten geschehen, sondern während des ganz normalen Museumsalltags in einem öffentlichen Ausstellungsraum. Auch Diplomrestauratorin Laura Resenberg wird vor Ort arbeiten. Außerdem werden alle Wissenschaftler ihre Erkenntnisse nicht nur in der Ausstellung präsentieren, sondern einen Blog (altar.tiroler-landesmuseen.at) über ihre Arbeit schreiben.

Unsere Autorin Uta Baier hat mit der Diplomrestauratorin über Idee und Ausführung des bis 2020 laufenden Projektes gesprochen.

 

Warum machen Sie Ihre Arbeit öffentlich? Das machen nicht viele Restauratoren?

Laura Resenberg: Ich habe bei Führungen im Museum immer gesehen, dass die Arbeit hinter den Kulissen für das Publikum interessant und faszinierend ist. Gerade Restaurierungsarbeiten und Fragen zur Herstellung von Kunstwerken, die wir durch unsere kunsttechnologischen Untersuchungen beantworten können, interessieren die Besucher. Solche Ausstellungen waren in der Vergangenheit Publikumsrenner. Das war der eine Aspekt.

 

Gab es noch weitere?

L. Resenberg: Ja. Ich denke, Museumsarbeit darf ruhig transparenter werden. Die Arbeit, die von Museumsmitarbeitern generell geleistet wird, ist darstellenswert.

 

Warum fiel die Wahl auf den Tiroler Altar?

L. Resenberg: Die Überlegung war, dass das Museum mit dem Altar von Tirol eine Inkunabel der Altarbaukunst besitzt – er ist das älteste Flügelretabel im Alpentraum und kulturgeschichtlich sehr bedeutend. Doch seine kunsttechnologische Untersuchung steht noch aus und eine interdisziplinäre wissenschaftliche Neubewertung erscheint uns vielversprechend. Also haben die beteiligten Museumsmitarbeiter beschlossen, ihre Forschungen zu bündeln und damit in die Öffentlichkeit zu gehen.

 

Eignet sich so ein ehemals liturgisches Kunstobjekt für eine solche Präsentation?

L. Resenberg: Meine Kollegin, die Kunsthistorikerin Claudia Mark, hat das Konzept für die Präsentation entwickelt, das sehr sinnlich ist. Das Retabel ist als stark beleuchteter Monolith in einem schwarzen Raum das dominante Objekt. Die Vitrinen mit den historischen Fakten und den wechselnden wissenschaftlichen Informationen ergänzen die Präsentation. Eine solche besondere Präsentation war uns sehr wichtig. Ich kenne Ausstellungen, wo unattraktive Infotafeln zur kunsttechnologischen Gestaltung neben den Werken hängen – das ist mir zu wenig.

 

Museen präsentieren häufig ihre Forschungsergebnisse nachdem die Untersuchungen der Werke abgeschlossen sind. Bei Ihrem Projekt werden Untersuchungen und Ergebnisse aktuell im Ausstellungsraum präsentiert und sogar tagesaktuell in einem Internetblog beschrieben. Warum haben Sie sich für diese unmittelbare Form der Information entschieden?

L. Resenberg: Für mich als Restauratorin ist das Medium des Blogs für die Arbeit komplett neu. Doch das Konzept hat mich sofort überzeugt, weil man kurz und knapp und schnell Informationen, Indizien, Funde verbreiten und teilen kann. Wir denken, dass man nicht nur bestimmte Zielgruppen damit ansprechen, sondern auch Hilfe bekommen kann. Zum Beispiel bei der Bestimmung der Wappen, die auf der Altarrückseite eingeritzt sind. Ich werde sicher Probleme und Themen der Restaurierung zur Diskussion stellen. Aber noch steht das Projekt ganz am Anfang.

 

Werden Sie direkt in der Ausstellung arbeiten?

L. Resenberg: Das ist durchaus gewünscht und ich habe nichts dagegen. Als nächstes beginnt die Begutachtung der Fassung. Da kann mir schon vorstellen, dass die stereomikroskopischen Untersuchungen vor Ort stattfinden. Für bestimmte Arbeiten kann man den Raum schließen, aber da es Teil des Konzeptes ist, die Arbeit sichtbar zu machen, werden wir auch während der Öffnungszeiten des Museums vor Ort am Altar arbeiten. Vielleicht müssen wir dann viele Fragen beantworten und Besucher durchs Mikroskop schauen lassen. Vielleicht dauert die Arbeit dann länger, aber auch das ist Teil des Konzeptes.

 

Manchem behagt eine solche öffentliche Arbeit gar nicht.

L. Resenberg: Ich denke, nicht jede restauratorische Arbeit eignet sich und ich werde mich mit den Kolleginnen auch abwechseln. Aber ich sehe Öffentlichkeit als Lobbyarbeit für unsere kleine und häufig unsichtbare Berufsgruppe. Außerdem verstehe ich es als meine persönliche Verpflichtung, über unseren Beruf zu informieren, zumal die Besucher meist total begeistert sind. Wir müssen uns mehr zeigen, um mehr Verständnis für unsere Arbeit, für ihre Bedeutung, den nötigen Aufwand und dessen Preis zu bekommen.

 

Auch in unserer aktuellen RESTAURO-Ausgabe 05/17 wird das Thema Öffentlichkeitsarbeit von Restauratoren angesprochen. RESTAURO-Autorin Uta Baier sprach mit der promovierten Diplomrestauratorin Andrea Funck, ab 01. Oktober neue Direktorin des Münchner Doerner Instituts, über zielgruppenspezifische Vermittlung restauratorischer und konservatorischer Themen an Museen.