06.06.2014

Projekte

1914 – Auswirkungen auf die Kunst

von Christine Kowalski

Dr. Angelica Francke, Kunsthistorikerin in Bonn, und Prof. Dr. Heike Gfrereis, Literaturwissenschaftlerin in Marbach haben sich jeweils mit einer Ausstellung und unterschiedlichen Kunstgattungen dem Thema „1914“ genähert. Wir haben die Beiden interviewt und neben den Entwicklungen der jeweiligen Kunstgattung erfahren, dass es für sie „die härteste aller Ausstellungen“ war, die sie je gemacht haben.

Warum wird mit dem Datum „1914“ ein solches Interesse geweckt, wie Sie es mit Ihren Ausstellungen erfahren haben?

Angelica Francke: Aus meiner Sicht sind es mehrere Faktoren. In Deutschland liegt, im Gegensatz zu allen anderen europäischen Ländern, der Fokus stark auf dem Zweiten Weltkrieg. Für uns ist dies der einschneidendere Krieg gewesen. Für das europäische Ausland war hingegen der Erste Weltkrieg die »Urkatastrophe des Jahrhunderts«. Aus meiner Sicht ist damit ein gesteigertes Interesse zu erklären. In der Bildenden Kunst ist es zudem so, dass die Avantgarden sehr beliebt sind. Dabei wurde die Zeit des Ersten Weltkrieges in den bisherigen Ausstellungen, als auch in den Künstlerbiographien, ausgespart.

Heike Gfreireis: Wir hatten bei unserer Ausstellung Kooperationspartner in England und Frankreich, die uns die Andersartigkeit der Bedeutung des Ersten Weltkrieges in der kulturellen Erinnerung deutlich vor Augen geführt haben. Inzwischen gibt es in Deutschland ein persönliches Interesse daran, diese Lücke zu füllen; vielleicht auch aus Übersättigung durch den sehr gegenwärtigen Zweiten Weltkrieg und den Holocaust. Das Pendant zum Interesse an den Avantgarden in der Kunst sind in der Literatur der Expressionismus und der Dadaismus, die beide immer auf den Ersten Weltkrieg zurückgeführt werden, wobei, wenn man scharf hinschaut, der Krieg der Formen in der Literatur früher beginnt: Ernst Stadlers „Aufbruch“ ist von 1913, Georg Heyms „Krieg“ sogar schon von 1911.

Wie wirkte sich der Krieg auf das künstlerische Schaffen aus?

Francke: Fritz Steisslinger zum Beispiel schreibt am Anfang noch: „Habe heute gezeichnet.“ Dies wird bereits in den ersten Wochen weniger und hört schließlich auf. Es gibt nur ganz Wenige, wie zum Beispiel Franz Marc, die bis zuletzt zeichnen und ihre Entwürfe nach Hause senden. Max Beckmann ist in den Sanitätsdienst gegangen, von dem man zunächst denken würde, er sei weit von der Front entfernt und in Sicherheit gewesen. Aber dort wurde er mit den unzähligen Toten und Verwundeten konfrontiert, woran er zeitweilig auch zerbrach und schließlich aus dem Kriegsdienst ausscheiden musste.

Gfrereis: Am Anfang wurden unglaublich viele Tagebücher geschrieben. Die Ereignisse wurden festgehalten, weil alle das Gefühl hatten, dass etwas Außergewöhnliches passiert, dass sie bezeugen müssen, dokumentieren und festhalten. Es wurden schon sehr früh – 1915 – die ersten Feldpostbriefsammlungen herausgegeben. Von Mitte 1915 wird dann deutlich weniger geschrieben.

Wie macht sich die zunehmende Materialknappheit bemerkbar?

Gfrereis: 1917 wird nicht nur das Essen, sondern auch das Papier knapp, es wird dünner, billiger. Der Krieg und die Not sind haptisch spürbar.

Lesen Sie das ausführliche Interview in der RESTAURO 4 / 2014.

Scroll to Top