12.03.2020

Branchen-News Museum

Zweifelsfrei ein Selbstporträt

von Uta Baier
Oslo / ri ikke-kommersiell bruk (CC-BY-NC)
Oslo / ri ikke-kommersiell bruk (CC-BY-NC)

Nach jahrelangen Untersuchungen steht nun fest: das Porträt des kranken Vincent van Goghs aus dem Nationalmuseum in Oslo ist echt. Wegen der ungewöhnlichen Farbigkeit und der nicht lückenlosen Provenienzgeschichte gab es lange Zweifel an seiner Echtheit


Dieses Selbstporträt des Künstlers ist ein eigenhändiges Werk (Ausschnitt). Vincent van Gogh malte es Ende August 1889 und erwähnt es im Brief vom 19. September 1889 an seinen Bruder Theo. Nach der Eröffnung des neuen Norwegischen Nationalmuseums am Hafen von Oslo im Frühjahr 2021 wird es dann dort dauerhaft ausgestellt. Foto: Nationalmuseum, Oslo / ri ikke-kommersiell bruk (CC-BY-NC)
Dieses Selbstporträt des Künstlers ist ein eigenhändiges Werk (Ausschnitt). Vincent van Gogh malte es Ende August 1889 und erwähnt es im Brief vom 19. September 1889 an seinen Bruder Theo. Nach der Eröffnung des neuen Norwegischen Nationalmuseums am Hafen von Oslo im Frühjahr 2021 wird es dann dort dauerhaft ausgestellt. Foto: Nationalmuseum, Oslo / ri ikke-kommersiell bruk (CC-BY-NC)

 

Zweifel nutzen. Denn wer zweifelt untersucht seine Kunst. Im Fall von einem heute so teueren, doch lange Zeit unterschätzten Maler wie Vincent van Gogh sind Zweifel üblich. Fälschungen auch. Doch das Norwegische Nationalmuseum in Oslo kann sich seit Anfang des Jahres sicher sein: das Selbstporträt des Künstlers aus seinem Besitz ist ein eigenhändiges Werk. Vincent van Gogh malte es Ende August 1889 und erwähnt es im Brief vom 19. September 1889 an seinen Bruder Theo nebenbei und ohne Würdigung, aber er erwähnt es: „Ich schicke Dir heute mein Selbstporträt, man muss es eine Weile betrachten – ich hoffe, Du siehst, dass mein Gesichtsausdruck ruhiger geworden ist, obwohl der Blick unsteter ist als früher, wie mir scheint.  Ich habe noch ein anderes, einen Versuch aus der Zeit. als ich krank war, aber ich glaube, dieses hier wird Dir besser gefallen.“

Vincent van Gogh befand sich zu dieser Zeit nach einem seiner Zusammenbrüche in der Anstalt von Saint-Remy und malte sich als  kranken, zweifelnden Mann, der den Betrachter direkt ansieht. Tiefer Schmerz, große Trauer und Selbstbefragung sind in diesem Blick vereint. Es ist ein düsteres Bild der Selbstbehauptung, das Bild eines Künstlers, der krank ist, aber nicht die  Fähigkeit verloren hat, zu sehen und zu malen.

Das Gemälde wurde bereits 1910 vom Osloer Nationalmuseum angekauft und war damit das erste Selbstporträt van Goghs in einer öffentlichen Sammlung. Wegen der nicht lückenlosen Provenienzgeschichte gab es schon lange Zweifel an seiner Echtheit und auch wegen der ungewöhnlichen Farbigkeit. Nach ersten Provenienzrecherchen war 2006 jedoch klar, dass das Bild aus dem Besitz von Marie und Joseph Ginoux aus Arles stammte, die mit Vincent van Gogh befreundet waren. Wie es in ihren Besitz gelangte und wann genau es gemalt wurde, war damit allerdings noch immer nicht geklärt. Deshalb beauftragte das Museum in Oslo 2014 das Amsterdamer Van Gogh Museum, das Bild zu untersuchen. Die Amsterdamer Forscher kamen aufgrund von Stil, Technik, Material und Provenienz zu dem Schluss, dass das Bild echt ist. Pigmente, Leinwand und Pinselführung entsprächen anderen Gemälden dieses Sommers. „Es ist das einzige Werk, von dem man weiß, dass van Gogh es mit Sicherheit geschaffen hat, während er an einer Psychose litt“, sagt Louis van Tilborgh, Forscher am Van Gogh Museum und Professor für Kunstgeschichte an der Universität Amsterdam.

Das Bild ist bis 20. Mai im Van Gogh Museum in Amsterdam in der Porträt-Ausstellung „Im Bild“ zu sehen. Nach der Eröffnung des neuen Norwegischen Nationalmuseums am Hafen von Oslo im Frühjahr 2021 wird es dann dort dauerhaft ausgestellt – als zweifelsfrei frühestes Selbstbildnis van Goghs in einer öffentlichen Sammlung.

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