Vollständig auf Kultur verzichten?

Die Verbreitung des Coronavirus hat dramatische Auswirkungen auf das Kulturleben in Europa. Olaf Zimmermann, der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, empfiehlt allerdings, bei aller gebotenen Vorsicht in diesen Tagen nicht vollständig auf Kultur zu verzichten

Die „Albertina modern“, der zweiter Standort der Wiener Albertina, sollte am kommenden Donnerstag mit einer großen Publikumseröffnung eingeweiht werden. Wegen der Ausbreitung des Coronavirus findet die Eröffnung aber nun in kleinem Kreis statt. Foto: Albertina
Die „Albertina modern“, der zweiter Standort der Wiener Albertina, sollte am kommenden Donnerstag mit einer großen Publikumseröffnung eingeweiht werden. Wegen der Ausbreitung des Coronavirus findet die Eröffnung aber nun in kleinem Kreis statt. Foto: Albertina
 

Viele Menschen besuchen aus Sorge um ihre Gesundheit derzeit kaum noch Museen, Konzerte und Kinos. Die Leipziger Buchmesse ist abgesagt, die Frankfurter Musikmesse verschoben. Gerade kleinere Veranstalter, etwa von Lesungen, Konzerten oder Theateraufführungen, die abgesagt wurden, müssen jedoch finanziell unterstützt werden. Der Deutsche Buchpreis wird nun ohne Publikum verliehen. Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, empfiehlt allerdings, bei aller gebotenen Vorsicht in diesen Tagen nicht vollständig auf Kultur zu verzichten. Er ermuntert die Kulturinteressierten vielmehr, trotzdem Kulturveranstaltungen zu besuchen, damit die Verluste für die Kulturschaffenden nicht ganz so drastisch ausfallen wie befürchtet.

Seit heute gibt es in Österreich massive Einschränkungen. So wird die für Donnerstag vorgesehene Eröffnung der neuen „Albertina modern“ im neuen Künstlerhaus für die Öffentlichkeit abgesagt, die Eröffnung findet nun in kleinem Kreis von Leihgebern und Künstlern statt, wie Direktor Klaus Albrecht Schröder in einem persönlichen Schreiben bekannt gab: „Wie Sie wissen, sind unsere Eröffnungen immer sehr erfolgreich und beliebt. Daher wäre auch am Donnerstag zur Eröffnung der ,Albertina modern‘ mit hohem Andrang zu rechnen. Wir können Ihnen leider unter den gegebenen Umständen die derzeit notwendige soziale Distanz zwischen den Besuchern nicht garantieren; und selbstverständlich möchten wir Sie keinesfalls dem Risiko einer möglichen Ansteckung aussetzen.“ Mit über 60.000 Werken von 5.000 Künstlerinnen und Künstlern wird dieser zweite Standort der Albertina zu den großen Museen für die Kunst der Gegenwart zählen.

Wegen der Verbreitung des Coronavirus kommt auch die Kultur in Italien zu Erliegen: In Rom bleibt unter anderem die Ausstellung des Renaissance-Malers Raffael geschlossen. Nur drei Tage nach der Eröffnung ist die große Ausstellung zum 500. Todestag des Malers schon wieder geschlossen worden. Wie die Scuderie Quirinale auf ihrer Internetseite mitteilte, bleibt die Schau mit 120 Werken des Künstlers bis auf weiteres für Besucher gesperrt. In Italien, wo in Europa die meisten Covid-19-Fälle registriert wurden, gelten seit dem Wochenende strenge Quarantäne-Maßnahmen. Die Krisenintervention der italienischen Regierung trifft auch die großen Kultureinrichtungen des Landes: Vorerst sollen alle Museen des Landes geschlossen bleiben. Die Vatikanischen Museen in Rom etwa bleiben bis zum 3. April geschlossen. Wie der Vatikan am Sonntag weiter bekannt gab, gilt dies auch für die Ausgrabungen unter dem Petersdom, das Museum der Päpstlichen Villen in Castel Gandolfo sowie für alle Museen anderer päpstlicher Basiliken wie etwa im Lateran oder Santa Maria Maggiore. In Florenz sind unter anderem die Uffizien geschlossen, die zu den meistbesuchten Museen der Welt gehören. Auch die Ruinen von Pompeji bei Neapel öffnen vorerst nicht mehr für Besucher. Museen etwa in der Schweiz prüfen laufend die Berichterstattungen und staatlichen Empfehlungen zum Coronavirus und folgen den Empfehlungen und Anweisungen des der Gesundheitsbehörden. Schließungen gab es bisher noch nicht, aber für das Kunstmuseum Basel und für die Fondation Beyeler habe die Gesundheit der Gäste und Mitarbeiter höchste Priorität. Während man im Kunstmuseum Basel bisher keinen besonderen Besucherrückgang feststellen konnte, ist dies bei der Fondation Beyeler bereits Realität.