27.03.2019

Beruf

Schwerpunkt friderizianisches Rokoko

von Uta Baier
dem verlorenen Original so nahe wie möglich zu kommen. Foto: Uta Baier
dem verlorenen Original so nahe wie möglich zu kommen. Foto: Uta Baier

Der Berliner Bildhauer Bernhard Lankers unterstützt Restauratoren mit seinen Fähigkeiten, zu sehen und Formen nachzuempfinden. Ein Porträt

 

Bernhard Lankers hat ein wahrlich poetisches Verhältnis zu seiner Arbeit. Beschreibt er einen Rokoko-Bilderrahmen oder die hölzernen Ausstattungselemente eines friderizianischen Schlosses, dann spricht er „von spannungsvollen Formen“, von „ih- rem Schwung“, von „Rhythmus, Harmonie und innerem Gesang“. Eine Arbeit sei perfekt, wenn die restauratorischen Ergänzungen eben diese Spannung, Harmonie und diesen Rhythmus erreichen würden. Denn das Ziel sei es, dem verlorenen Original so nahe wie möglich zu kommen. Erst dann habe der Restaurator Form und Thema erfasst, habe das Objekt „in seiner Duftigkeit und seiner Leichtigkeit“ verstanden und entsprechend ergänzt. Das sei nicht einfach, dafür müsse er viel recherchieren und sich an die verlorenen Formen „heranmodellieren“. Bernhard Lankers beschreibt den Arbeitsprozess so: „Unter Einbeziehung sämtlicher verfügbarer Archivalien wird bei wichtigen Arbeiten ein Modell im Maßstab 1:1 angefertigt, in situ überprüft und korrigiert.“ 

Bernhard Lankers ist „Bildhauer im denkmalpfegerischen und restauratorischen Bereich“, sein Spezialgebiet sind Rahmen, Konsolen, Supraporten und andere Ausstattungsgegenstände aus Holz – geschaffen von den besten Bildhauern ihrer Zeit. „Die Könige holten sich für ihre Schlösser natürlich die besten Künstler. Das waren grandiose Bildhauer, die die Formen gestalterisch durchdrungen haben“, sagt Lankers. Ihre Perfektion bei der Restaurierung und Ergänzung zu erreichen, sei schwierig, aber die Perfektion mache es ihm auch einfacher. Denn Perfektion habe ein System, dem er bei Ergänzungen folgen könne. Deshalb sei die Frage, was ihn bewege, ganz einfach zu beantworten. „Wie gelingt eine Rekonstruktion, deren Maßstab das verlorene Original ist?“ 

1963 im Münsterland geboren, bewarb sich Bernhard Lankers nach einer Holzbildhauerausbildung und dem Studium der Bildhauerei an der Fachschule für Gestaltung in München bei einem Restaurator in Berlin, und blieb. Seit 1996 arbeitet er im eigenen Bildhauer- und Restaurierungsatelier mit dem Schwerpunkt friderizianisches Rokoko. „Ich mag das Überbordende, das nicht zu wild ist, nie unkontrolliert wirkt“, sagt Lankers, dessen Spezialisierung mit dem Berliner Standort zu tun hat. Für die regionalen Schlösser arbeitet er ebenso wie für private Auftraggeber. Der Bildhauer unterstützt den Restaurator mit seinen Fähigkeiten, zu sehen und Formen nachzuempfinden. Zwischen freien Arbeiten und den Restaurierungsprojekten gibt es jedoch eine klare Grenze, die man sehen kann: Die Gruppe Gänse im Atelier und der kleine Korpus an der Wand, die als freie Arbeiten entstanden, haben nichts Überbordendes, sind eher reduzierte Formstudien. Wer so wie Lankers arbeitet, wer sich, wann immer möglich, vor Ort inspirieren lässt, die ersetzten Formen mehrfach abgleicht und viel in Archiven recherchiert, braucht Zeit. Lankers: „Viel Zeit und Geduld, um dem verlorenen Original im Prozess der Ergänzung oder Rekonstruktion gerecht zu werden.“ 

www.lankers.berlin 

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