05.04.2014

Museum

Schaurestaurierung im Oberen Belvedere

von Christine Kowalski

Die Initiative zur Schaurestaurierung im Oberen Belvedere ging von der leitenden Restauratorin, Stefanie Jahn aus. “Wir haben diese Schaurestaurierung angestossen, weil es sich um bedeutende Kunstwerke handelt, deren umsichtige Konservierung und Restaurierung gezeigt werden muss”, so Jahn. Zusammen mit der Restauratorin Brigitte Futscher erforscht, konserviert und restauriert sie seit März 2013 das herausragende Ensemble von acht mittelalterlichen Holztafeln des Künstlers Rueland Frueauf d. Ä. (1440/45-1507). Frueauf gehört zu den bedeutendsten Künstlern aus dem österreichisch-bayerischen Raum. Seine Signatur “R. F.” verewigte er auf zwei Tafeln, so dass hier ein direkter Bezug zum Künstler hergestellt werden kann – für mittelalterliche Werke eine Besonderheit. Umso wichtiger ist daher der Erhalt seiner Werke, die eine bewegte Geschichte hinter sich haben. Ursprünglich, so wird heute vermutet, gehörten die Tafeln zu einem mittelalterlichen Flügelaltar, der ab etwa 1490 in der Stiftskirche St. Peter oder im Dom in Salzburg stand. Dort bestanden die Flügel aus einer Werktagsansicht mit der Darstellung des Marienlebens und einer Feiertagsansicht mit der Darstellung der Passion Christi. Bevor sie im 19. Jahrhundert schließlich in die kaiserliche Gemäldegalerie kamen, wurden sie – vermutlich bereits vom Altar getrennt – aufgehängt. Davon zeugen starke Fassungsverluste besonders an einer Tafel.

In der kaiserlichen Gemäldegalerie wurden sie dann Anfang des 20. Jahrhunderts, in der Überzeugung, das Richtige zu tun, zersägt und in acht Tafeln gespalten. “Das Zersägen von beidseitig bemalten Holztafelgemälden war nördlich der Alpen leider bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts sehr populär. Viele Direktoren begründeten die Spaltung damit, dass die Rückseiten ebenso sehenswert seien wie die Vorderseiten. Eine solche Maßnahme ist heute undenkbar”, so Jahn. Bei Frueaufs Tafeln ist direkt nach dem Auseinandersägen die Tragweite der Maßnahme festgestellt worden. Es mussten sofort ganzflächig ein Tropenholz und eine Parkettierung auf die Rückseite geleimt werden. “Aber wir können froh sein, dass die Tafeln überhaupt in Gänze bei uns geblieben sind. In vielen anderen Fällen, wie zum Beispiel Jan Baegert (1465–1435, Anm. d. Red.), einem Zeitgenossen Frueaufs, wurden die Tafeln getrennt und verkauft, so dass sie sich heute auf der ganzen Welt in verschiedenen Museen befinden”.
Die jetzt durchgeführten Maßnahmen umfassen überwiegend die Sicherung der Malschichten, die Abnahme veralteter Kittenden und Retuschen sowie die behutsame Retuschierung von Fehlstellen.

Darüber hinaus werden Untersuchungen zu den Materialien und Herstellungstechniken erfolgen. Gerade im Vergleich mit dem Regensburger Bestand, der jüngst untersucht worden ist, darf wohl mit neuen Ergebnisse zum Oeuvre Frueaufs gerechnet werden. Insgesamt ist für die acht Tafelbilder auch ein neues Präsentationskonzept im Rahmen der Ausstellung 2015 geplant. “Aber bis dahin lassen wir uns weiter von Frueauf bewegen. Es ist fantastisch, einem großartigen Kunstwerk so nah zu sein und die Malweise des Künstlers nachvollziehen zu können”, lächelt Stefanie Jahn. Die Schaurestaurierung ist im Schloss Belvedere in Wien bis zum 31.12.2015 jeweils Dienstag und Donnerstag von 10 bis 18 Uhr zu besichtigen.

Fotos: Belvedere/ Wien 

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