Rubens: Vorbereitungen zur großen Ausstellung 2017

 

Elke Oberthaler ist Leiterin der Restaurierungswerkstätte der Gemäldegalerie im Kunsthistorischen Museum in Wien (KHM) und managt gerade bis zu 15 internationale Wissenschaftler. Sie alle arbeiten an verschiedenen Forschungs- und Restaurierungsprojekten zur großen Rubens-Ausstellung 2017. Warum Fugen am KHM erlaubt sind.

Zur Zeit werden fünf Werke in Vorbereitung zur Ausstellung untersucht: Zwei Gemälde von Otto van Veen (1556–1629) sowie drei Gemälde, zwei davon Tafelbilder, von Peter Paul Rubens (1577–1640). „Gewitterlandschaft mit Jupiter, Merkur, Philemon und Baucis“ wurde in die Panel Paintings Initiative des Getty Institutes aufgenommen. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Elke Oberthaler: Die Kollegen der Getty Panel Paintings Initiative (PPI) sind an uns herangetreten und auch vice versa. Gemeinsam haben wir uns für zwei sehr schwierige Tafelgemälde entschieden: Das genannte Landschaftsgemälde sowie ein Werk von Caravaggio.

Was ist die Herausforderung an der „Gewitterlandschaft“?
Oberthaler: Das Gemälde hatte schon sehr lange konservatorische Probleme. Wir haben jedoch aus vielen Gründen gezögert, einzugreifen. Die Zusammenarbeit mit der Getty Panel Paintings Intitiative bot uns die Möglichkeit, einen internationalen Fachkreis einzubinden und somit Unterstützung durch führende Tafelbildexperten zu bekommen was wir für ein so schwieriges Projekt wie dieses, als notwendig erachten.

Welchen Zustand zeigt das Gemälde zurzeit?
Oberthaler: Die Maßnahmen am Bildträger sind weitestgehend abgeschlossen. Der Bildträger zeigt eine komplizierte Zusammensetzung – er besteht aus 14 horizontalen und 3 vertikalen Eichenholzbrettern. Die Tafel wurde allerdings durch den Künstler sukzessive vergrößert. Bei den Werken, die Rubens für sich gemalt hat – und dazu gehört auch die „Gewitterlandschaft“ – wurde das immer wieder beobachtet. Die Konstruktion dürfte schon früh zu konservatorischen Problemen geführt haben, sodass man die Rückseite im 19. Jahrhundert stark gedünnt und parkettiert hat. Dadurch war der Bildträger in seiner Bewegung gesperrt, was zu vielen Sprüngen und Rissen im Bildträger und zu Schäden in der Malschicht führte.

Gibt es hierzu historische Aufnahmen, die eine Verschlimmerung des Zustands belegen?
Oberthaler: Die erste uns bisher bekannte fotografische Aufnahme stammt von 1905. Auf dieser sind bereits Risse und Sprünge zu sehen. In den Folgejahren wurde das Gemälde immer wieder fotografiert. Im Vergleich wird schnell deutlich, dass sich die Sprünge erheblich vermehrt haben. Der problematische Zustand war uns lange bewusst, auf Grund der vielen Risiken haben wir vor einem Eingriff zurückgescheut. Publizierte Lösungen in ähnlichen Problemfällen haben uns nicht überzeugt, sie schienen uns zu invasiv. Wir haben hier gewartet, bis sozusagen alle Parameter stimmen.

Wie sind Sie mit der Parkettierung umgegangen?
Oberthaler: Die Parkettierung war die hauptsächliche Ursache der Schäden, da die mittleren horizontalen Bretter gesperrt und durch die Parkettierung mit den seitlichen vertikal verlaufenden Brettern verbunden waren. Die Bretter in der Mitte wurden dadurch quasi zerrissen. Die Risse sind in Folge der Parkettierung entstanden. Es war konservatorisch nicht mehr vertretbar, diese Parkettierung zu belassen. Es wurde zuerst umfassend diskutiert, ob es uns gelingt, eine Stützkonstruktion zu konzipieren, die wirklich besser ist. Der Eingriff war nicht zuletzt so schwierig, da der Bildträger des Gemäldes nur noch vier bis sieben Millimeter Dicke aufweist.

Und ist Ihnen das geglückt?
Oberthaler: Wir denken schon. Die horizontal und vertikal verlaufenden Brettgruppen haben wir so zusammen geführt, dass sie nebeneinanderstehen. Sie sind nicht miteinander verleimt oder fix verbunden. Durch die neue Konstruktion werden sie nur zusammengefasst. Jede Brettgruppe für sich hat einen Bewegungsspielraum. Dadurch sieht man auch zwei feine, senkrechte Fugen, die wir bewusst offen lassen.

Und die Kuratorin geht da mit?
Oberthaler: Die Kuratorin geht voll mit. Bei den beteiligten Wissenschaftlern aus den unterschiedlichen Museen hatten wir den Eindruck, dass ein geschlosseneres Bild erwünscht wäre, also die Sichtbarkeit der Fugen kritisch gesehen wird. Für uns ist das aber kein Problem, die konservatorische Sicherheit steht im Vordergrund. Die Kuratorin unterstützt uns hier sehr. Es ist wirklich eine gute Zusammenarbeit.

Wie ist Ihnen das gelungen?
Oberthaler: Wir haben von Anfang an sehr klar dargelegt, was die Risiken sind, wenn wir die Parkettierung abnehmen. Aber auch, was passiert, wenn wir nichts machen.

Wurden auch materialtechnologische Untersuchungen durchgeführt?
Oberthaler: Durch die Abnahme der Parkettierung ergab sich die einmalige Möglichkeit die Rückseite genau zu analysieren, was sehr hilfreich war, den Entstehungsprozess und die sukzessiven Vergrößerungen der Tafel zu verstehen. Auch wurde eine dendrochronologische Untersuchung der nun zugänglichen Stirnholzbereiche der mittleren Bretter durchgeführt. Hier haben wir mit der Dendrochronologin des KIK-IRPA zusammengearbeitet, die schon viele Rubenstafeln analysiert hat. Das Ergebnis erwarten wir mit großer Spannung, da die Untersuchung erstmals an einem so kompliziert zusammengesetzten Gemälde von Rubens durchgeführt wurde.

Dann gibt es ein weiteres Werk: Die „Venus Frigida“ aus den Königlichen Museum der Schönen Künste in Antwerpen befindet sich auch gerade bei Ihnen im Atelier. Wie kam es dazu?
Oberthaler: Das Museum ist bis 2019 geschlossen und wird renoviert und erweitert. Im Zuge dieses großen Projekts, das auch mit zahlreichen restauratorischen Aktivitäten verbunden ist, entstand die Idee, die Restaurierung in Wien durchzuführen. Lizet Klaassen, die Leiterin der Restaurierungswerkstätten und der zuständige Kurator Nico van Hout aus Antwerpen sind regelmäßig bei uns, um die Arbeit zu begleiten. Wir sind in intensivem Austausch und halten Rücksprache in allen Fragen mit ihnen.

Es sind sehr viele Kollegen an den Projekten beteiligt. Wie bewältigen Sie das logistisch?
Oberthaler: Zunächst einmal lege ich die Prinzipien der Kommunikation dar: Keine Überflutung mit Informationen, sondern möglichst eine Bündelung des Wesentlichen sowie die Benennung der wichtigen Schritte, an denen Entscheidungen getroffen werden müssen. In diesen Momenten wird alles gründlich besprochen.

Werden Teile Ihrer Ergebnisse auch in der Ausstellung vorgestellt?
Oberthaler: Wir wollen hier wichtige Ergebnisse auch in der Ausstellung präsentieren, in welcher Form ist noch Teil der Konzeptfindung.

Wir sind gespannt auf die kommende Ausstellung, die vom 17. Oktober 2017 bis 21. Januar 2018 am Kunsthistorischen Museum in Wien zu sehen sein wird.