Schloss Rheinsberg: Wiedererweckung eines Musenhofs

 

In den letzten 25 Jahren fanden umfassende Restaurierungsleistungen der Räumlichkeiten von Schloss Rheinsberg statt, die das Schloss als wiedergewonnenes Anwesen des aufbrechenden friderizianischen Rokokos und Frühklassizismus präsentiert. Beispiele illustrieren den konzeptionellen Umgang bei der Wiederherstellung der Schlossanlage und als Zeugnis des Aufbruchs neuer kunsthistorischer Entwicklungen in Brandenburg-Preußen im 18. Jahrhundert.

Als Schloss Rheinsberg am 6. Mai 1991 als Museum eröffnete, waren nur fünf Wochen seit der protokollarischen Schlüsselübergabe am 1. April vergangen. Mit der Distanz eines Vierteljahrhunderts mag man heute ungläubig den Kopf darüber schütteln, wie es möglich sein konnte, ein Museum in Deutschland so rasch zu eröffnen, gerade im Hinblick auf bau- und denkmalrechtliche Regelwerke. Zwischen 1950 und 1990 war es als Sanatorium genutzt worden und als komplett eingerichtete Heilanstalt für 170 Kurgäste gedacht. Behandlungszimmer, Labor, Röntgenstation, Übernachtungszimmer, Bäder, Großküche, Braunkohleheizungsanlagen, Wäscherei, Verwaltungsräume und Werkwohnungen bildeten das ursprüngliche Inventar und mussten nun im Rahmen der Umnutzung des Schlosses geräumt werden. Mehrere glückliche Umstände sorgten für eine rasche Wiederöffnung: Zum einen war der Zeitgeist bestimmt vom euphorischen, unbürokratischen Handeln, vom pragmatischen Charakter einer gesellschaftlichen Umbruchzeit. Zum anderen genoss das friderizianische Rokoko nach Ende des Zweiten Weltkriegs eine revitalisierte Aufmerksamkeit der Denkmalpfleger. Sie begleiteten schützend den Prozess der politisch intendierten Umnutzung einer intakten Ikone der brandenburgisch-preußischen Kunstgeschichte und verhinderten mit behutsamen Maßnahmen eine drohende vollständige Zerstörung der über Jahrhunderte bewahrten barocken Dekorationen.

Konservatorische Notsicherung und Restaurierung

Die Resonanz von 21.000 Besuchern im ersten Eröffnungsmonat sprach für die richtige und zugleich unumkehrbare Entscheidung der Schlösserverwaltung, eine sofortige Eröffnung zu wagen. Damit war zugleich besiegelt, dass der komplizierte Prozess der Restaurierung nur unter den Augen der künftigen Schlossbesucher erfolgen konnte. Der Schlossbesuch war demnach im vergangenen Vierteljahrhundert nicht nur ein Aufbruch in die preußische Geschichte, sondern immer auch ein spannender Einblick in die Wiederherstellung der Rheinsberger Schlossanlage. Rheinsberg präsentierte sich nicht allein mit dem Ergebnis, sondern vielmehr mit dem hochinteressanten Prozess der Restaurierung in vielfacher Form.

Der Auszug des Beitrags stammt aus RESTAURO 6/2016. Hier schreibt Detlef Fuchs unter dem Thema „Schlösser: Zwischen Original und Nutzung“ ausführlich über die Restaurierungsarbeiten von Schloss Rheinsberg sowie über die damit verbundenen konservatorischen Notsicherungen des ehemals als Sanatorium genutzten Anwesens. Den vollständigen Text finden Sie ab 9. September 2016 hier.