Restauratoren bei der Arbeit über die Schulter schauen

 

Die Dipl.-Restauratorin Maire Müller-Andrae bei der Sicherung der Tafelrückseiten des Schonenfahrer-Altares, Foto: Emily Schwedersky
Die Dipl.-Restauratorin Maire Müller-Andrae bei der Sicherung der Tafelrückseiten des Schonenfahrer-Altares, Foto: Emily Schwedersky

Die Vorbereitung der Lübeck 1500-Ausstellung im St. Annen-Museum in Lübeck

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Häufig werde sie gefragt, ob das echtes Gold sei und ob nun alles wieder neu gemacht würde an den Retabeln und Skulpturen im Lübecker St. Annen-Museum. Mit der gleichen Geduld, mit der die Dipl.-Restauratorin Maire Müller-Andrae ihrem Beruf als Restauratorin für Gemälde und Skulptur nachgeht, klärt sie den interessierten Besucher über ihre derzeitige Arbeit auf: Die Oberflächen der Objekte, die teilweise schon mehrere Jahrzehnte am gleichen Ort ausgestellt werden, müssen konservatorisch gesichert werden. Verschiedene Reinigungsarbeiten und eine Stabilisierung der Farbfassungen und der Vergoldungen sind erforderlich, damit die insgesamt 15 Objekte bald für die große Ausstellung „Lübeck 1500. Kunstmetropole im Ostseeraum“ in ein neues Quartier umziehen können.

Der Ausstellungsort: Das Museumsquartiert St. Annen im Ägidien-Viertel, Foto: Jens König
Der Ausstellungsort: Das Museumsquartiert St. Annen im Ägidien-Viertel, Foto: Jens König

Gemeinsam mit anderen freien Restauratorinnen arbeitet Frau Müller-Andrae noch bis Ende Juli vor den Augen der Besucher im St. Annen Museum, im Remter und in der Sakristei, bevor sich ab August für die Ausstellungsvorbereitung die Pforten für die Besucher schließen. Dipl.-Restauratorin Emily Schwedersky koordiniert als leitende Restauratorin im St. Annen-Museum die Schaurestaurierungen, die eigentlich als pragmatische Lösung gedacht waren: In unrestauriertem Zustand sind die Objekte nicht transportfähig und Erschütterungen können zum Beispiel Fassungsverluste zur Folge haben. Daher werden die notwendigen Sicherungsmaßnahmen am derzeitigen Ausstellungsort ausgeführt. Diese konservatorischen und restauratorischen Maßnahmen werden durch die großzügige Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung München ermöglicht.

St. Jürgen-Gruppe, Henning van der Heyde, 1504, Foto:  St. Annen-Museum/ Fotoarchiv der Hansestadt Lübeck
St. Jürgen-Gruppe, Henning van der Heyde, 1504, Foto: St. Annen-Museum/ Fotoarchiv der Hansestadt Lübeck

Neben diesen 15 Objekten und weiteren mittelalterlichen Exponaten aus dem Bestand des St. Annen-Museums, die den Grundstein der Schau legen, werden ab September weitere spektakuläre Exponate aus ganz Europa gezeigt. Im Jubiläumsjahr „500 Jahre Kloster – 100 Jahre Museum“ wird damit die Bedeutung Lübecks als Handels- und Kunstmetropole auch im internationalen Kontext hervorgehoben. Die Zusammenarbeit mit anderen europäischen Museen, wie dem Bodemuseum Berlin, dem Nationalmuseum Kopenhagen und der National Gallery in London, ermöglicht es, Kunstwerke höchsten Ranges zu zeigen. Darunter sind drei St. Jürgen-Reliquiare, die noch nie zusammen zu sehen waren oder auch Werke süddeutscher Meister wie Stoß oder Riemenschneider, die den Lübecker Künstlern als Vorbild dienten. Die Ausstellung umfasst den Zeitraum zwischen 1470 und 1540 und zeigt die Stadt als mittelalterliche und nachreformatorische Kunstmetropole, die Künstlern optimale Voraussetzungen für ihre Ansiedlung bot. Bedeutende Bildschnitzer, Maler, Goldschmiede und Buchdrucker fanden durch das von Lübeck dominierte Handelsnetz ihre Verbreitung im ganzen Ostseeraum.

Schonenfahrer-Retabel von Bernt Notke, um 1475, Foto: St. Annen-Museum Lübeck/ Fotoarchiv der Handestadt Lübeck
Schonenfahrer-Retabel von Bernt Notke, um 1475, Foto: St. Annen-Museum Lübeck/ Fotoarchiv der Handestadt Lübeck

Doch bis die Ausstellung im September eröffnet werden kann, bleibt noch viel zu tun. Die Sicherung des Schonenfahrer-Altares wird bald abgeschlossen sein, dann ist Frau Müller-Andrae u.a. mit der St. Jürgen-Gruppe beschäftigt. Die lebensgroße Skulpturengruppe des Bildschnitzers Henning van der Heyde aus dem Jahr 1504 steht ebenfalls im St. Annen-Museum. Bis Mitte Juli, so schätzt die Restauratorin, können die Besucher sie dort bei der Arbeit beobachten. Und wenn sie große Ruhe und viel Konzentration für die teils sehr diffizilen Maßnahmen benötigt und sie für Gespräche nicht zur Verfügung stehen kann, halten große Funkkopfhörer unter denen ein Hörspiel läuft sie auf dem nötigen Abstand.

Die Ausstellung „Lübeck 1500. Kunstmetropole im Ostseeraum“ eröffnet am 20. September ihre Pforten. Bis zum 10. Januar 2016 ist die Schau, die den Höhepunkt des Jubiläumsjahres „500 Jahr Kloster – 100 Jahre Museum“ darstellt, im Museumsquartier im Lübecker Ägidien-Viertel zu besichtigen. Weitere Informationen unter www.luebeck1500.de.