16.03.2016

Projekte

„Peacekeepers of Culture“

Palmyra. Er wurde neben etlichen anderen Gebäuden vom sogenannten IS zerstört. – Vielleicht ein erster Einsatzort für die neue Spezialeinheit? Foto: Paul Sippel / pixelio.de

 

UNESCO und Italien gründen eine Spezialeinheit, um auf Anfrage weltweit Kulturgüter zu schützen.

 


Foto: Paul Sippel / pixelio.de
Der hier gezeigte etwa 2000 Jahre alte Baal-Tempel bildete den größten Komplex im UNESCO-Weltkulturerbe, Palmyra. Er wurde neben etlichen anderen Gebäuden vom sogenannten IS zerstört. – Vielleicht ein erster Einsatzort für die neue Spezialeinheit? Foto: Paul Sippel / pixelio.de

UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova und der italienische Außenminister Paolo Gentiloni haben am 16. Februar 2016 in Rom eine gemeinsame Erklärung zur Einrichtung einer italienischen Taskforce zum Schutz kulturellen Erbes unterzeichnet. Die Notfall-Einsatztruppe kann im Fall von Krisen, Konflikten oder Naturkatastrophen eingreifen. Auf Anfrage der betroffenen Länder können die sogenannten „Kultur-Blauhelme“ in die entsprechenden Gebiete reisen, um dort Denkmäler oder Kulturerbe zu retten.

Italiens Kulturministerium betont, dass die Taskforce auch für gefährliche Situationen trainiert sei und Plünderungen verhindern könne. Zu ihren Aufgaben zählt auch, die Schäden an Kunst- und Kulturschätzen zu bewerten sowie Pläne für deren Restaurierung und Erhalt zu entwickeln. Betroffene Länder können die Spezialeinheit zum Schutz ihrer Kulturgüter anfordern. Sie besteht bisher aus 60 Personen: Kriminal- und Kunstsachverständige (unter ihnen italienische Carabinieri, die im Kampf gegen illegalen Kulturgut-Handel besonderes Know-how vorweisen), sowie Historiker und Restauratoren.

Irina Bokova lobt das Abkommen als „großen und innovativen Schritt“ hin zu mehr Anerkennung für die Bedeutung von Kulturdenkmälern. Außerdem bezeichnet die UNESCO dieses Abkommen als einen Meilenstein in der Entwicklung von „Unit4Heritage“, eine im letzten Juni ins Leben gerufene Kampagne. Ihr Ziel ist es, die Zusammenarbeit mit allen Partnern zum Schutz des Welterbes zu stärken, einschließlich mit Interpol, der Weltzollorganisation, Museen und dem Kunsthandel. Gleichzeitig rief die UNESCO andere Länder dazu auf, dem Beispiel zu folgen, damit die internationale Gemeinschaft in Zukunft besser auf die wachsenden Bedrohungen für Kulturerbe in der Welt reagieren könne.

Maria Böhmer, Staatsministerin im Auswärtigen Amt und frühere Präsidentin des Welterbekomitees der UNESCO lobt die italienische Initiative und erklärt weiter: „Mit dem Archaelogical Heritage Network unter Leitung des Deutschen Archäologischen Instituts haben wir im Auswärtigen Amt ein ähnliches Instrument für internationale Krisenfälle geschaffen. Das Netzwerk bringt deutsche Archäologen, Denkmalpfleger und Bauforscher zusammen, die Maßnahmen zum Schutz gefährdeter Kulturstätten ergreifen können, soweit es die Sicherheitslage erlaubt.“

Es ist geplant, in Turin ein Schulungszentrum entstehen zu lassen. Dort sollen UNESCO-Mitarbeiter lernen, wie sich gefährdete Kulturgüter schützen und retten lassen.

Lesen Sie hierzu auch Die Stunde Null

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