Online zu Vermeer

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) müssen coronabedingt wie alle Museen in Sachsen noch bis zum 9. Januar geschlossen bleiben. Die Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden hat aber für ihre große Vermeer-Ausstellung eine digitale Tour, ein sogenanntes Weborello, geschaffen, das unter anderem den Prozess der Restaurierung des Brieflesenden Mädchens am offenen Fenster“ und Vermeers Maltechnik beleuchtet 

Die Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden präsentiert zehn Werke von Johannes Vermeer (1632–1675) sowie etwa 50 Werke der holländischen Genremalerei. Es ist die bisher größte Schau in Deutschland mit Werken des Malers – heute ein Popstar unter den Künstlern des sogenannten Goldenen Zeitalters der Holländischen Malerei. Im Zentrum steht das berühmte Gemälde „Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster“ aus eigenem Bestand, das nach vierjähriger Restaurierung und Erforschung erstmals so präsentiert wird, wie Vermeer es schuf.  Mit stillen, poetischen Innenraumszenen hatte Vermeer Ende der 1650er Jahre sein Thema gefunden. Johannes Vermeers Gesamtwerk ist klein, nur etwa 35 Gemälde sind erhalten. Innerhalb kürzester Zeit wechselte der junge Künstler von Historiengemälden zur klassisch-eleganten Genremalerei. Mit seinen gehobenen Alltagsszenen orientierte er sich am Geschmack des aufstrebenden holländischen Bürgertums. Seine Bildthemen und Formate änderten sich.

Die digitale Tour: das Weborello

Für die Schau wurde nun eigens die digitale Tour, ein sogenanntes Weborello, geschaffen, das unter anderem den Prozess der Restaurierung des „Brieflesenden Mädchens am offenen Fenster“ und Vermeers Maltechnik beleuchtet. Entwickelt wurde es mit Hilfe von Sponsoren wie der Hata Stiftung Tokio, die bereits die Restaurierung des Gemäldes förderte. Anhand vertiefender Texte, zoombarer Bilder und Kurzfilme ist Wissenswertes zu Vermeer und der holländischen Genremalerei des 17. Jahrhunderts kostenfrei zugänglich.

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Die Restaurierung des berühmten Vermeer-Gemäldes „Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster“

Mehr als 250 Jahre lang sah man Johannes Vermeers „Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster“ vor einer kahlen grauen Wand stehen. Nach der Restaurierung des Gemäldes von 2017/2021 ist dort ein großformatiges Bild mit einem kleinen Liebesgott (Cupido) freigelegt. Von der Existenz eines später übermalten Bildes im Bild wusste man bereits seit 1979. Neu ist die Erkenntnis, dass die Übermalung des Liebesgottes nicht auf Vermeer zurückging.

Vermeers Maltechnik

Schriftliche Zeugnisse oder Zeichnungen, die etwas über Vermeers kreativen Prozess aussagen könnten, sind nicht überliefert. Moderne Analyseverfahren jedoch machen Dinge sichtbar, die das bloße Auge nicht erkennt: Korrekturen in der Malschicht offenbaren, dass Vermeer während des Malprozesses Bildelemente hinzufügte, entfernte oder veränderte. Sein Augenmerk lag auf einer möglichst perfekten, ausgewogenen Komposition.

Bleiweiß und Bleizinngelb

Vermeers Malweise entsprach der zu seiner Zeit gängigen Praxis. Seine Palette – die etwa 20 vom Künstler verwendeten Farben – unterschied sich nicht von der seiner Zeitgenossen. Neben farbigen Erden setzte der Künstler aus Mineralen hergestellte Farben ein. Häufig verwendete er das teuerste dieser Pigmente, das aus Lapislazuli gewonnene Ultramarin. Die besondere Leuchtkraft einzelner Bildpartien erzielte er durch den Einsatz von Bleiweiß und Bleizinngelb.

Johannes Vermeer: Die „Sphinx von Delft“

Johannes Vermeer wurde 1632 als Kind eines Seidenwirkers, Gastwirts und Kunsthändlers in Delft geboren. Nach seiner Ausbildung zum Maler heiratete er 1653 die wohlhabende Catharina Bolnes und konvertierte zum Katholizismus. Im gleichen Jahr wurde er als Meister in die St. Lukas-Gilde aufgenommen. 1660 zog die Familie in das Haus seiner Schwiegermutter, wo Vermeer bis zu seinem Lebensende wohnte und arbeitete. Wichtige Ämter in der Lukas-Gilde, seine Arbeit als Kunst­sachverständiger sowie hohe Gemäldepreise zeugen von der großen Wertschätzung, die ihm und seinen Werken zu Lebzeiten entgegengebracht wurde. Mit nur 43 Jahren starb Vermeer und hinterließ eine Witwe und elf Kinder. Nach seinem Tod geriet er in Vergessenheit. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurde er dank des Engagements des französischen Kunsthistorikers Théophile Thoré-Bürger als Künstler­persönlichkeit wieder­entdeckt. Thoré-Bürger war es auch, der dem damals noch geheimnisumwitterten Maler den Beinamen „Sphinx von Delft“ verlieh.

Zudem gibt es kostenfrei virtuelle Live-Touren durch diese und weitere aufgrund der Pandemie verwaiste Ausstellungen der SKD wie die Romantik-Schau im Albertinum. Die SKD-Digitalplattform voices bietet zudem ein Screening-Programme mit künstlerischen Positionen. Zum Weborello gelangen Sie hier.

Lesetipp: „Die Übermalung eines ,Bild im Bild’ auf dem „Brieflesenden Mädchen am offenen Fenster“ stammt nicht von Johannes Vermeer. Mehr zur Restaurierung des berühmten Vermeer-Gemäldes lesen Sie hier