Neue Oberflächen für alte Objekte

Als Mitglied der Forschungsallianz Kulturerbe unterstützt das Fraunhofer-Institut den Schutz und die Bewahrung historischer Objekte durch die Entwicklung innovativer Technologien. Mit dem Elektronenstrahlverfahren werden etwa geschichtsträchtige Gegenstände aus Silber schonend und nicht abrasiv gereinigt.

 

12-2017
Am Beispiel der Vorher-/Nachher-Aufnahmen dieser beiden Münzen wird die Wirksamkeit der Plasmabehandlung am Fraunhofer-Institut FEP deutlich. Foto: Fraunhofer FEP

Bereits im Jahr 2008 gründeten die Fraunhofer Gesellschaft, die Leibniz Gemeinschaft und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz die Forschungsallianz Kulturerbe. Ihr Ziel ist eine enge, interdisziplinäre Zusammenarbeit, um neue Verfahren und Methoden zur Restaurierung und Konservierung zu entwickeln. Gleichzeitig soll auch das öffentliche Bewusstsein für die Bedeutung des kulturellen Erbes geschärft werden.

Elektronenstrahltechnologie als schonendes Reinigungsverfahren für Silberobjekte

Besonders Umwelteinflüsse, Schadstoffbelastungen, Luftfeuchte oder falsche Lagerung beeinträchtigen das Aussehen von historisch wertvollen Gegenständen und Kulturgütern. Das gilt in hohem Maß auch für historische Objekte aus Silber. Als Reinigungsmethode greift das Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP hierfür u. a. auf die Elektronenstrahltechnologie zurück. Frank-Holm Rögner, Leiter der Abteilung Elektronenstrahlprozesse am Fraunhofer FEP erläutert dazu: „Wir nutzen mit Elektronenstrahl induzierte Plasmen, um ‚blind’ oder schwarz gewordene historische Silbergegenstände zu reinigen. Sie werden in einer reduzierenden Atmosphäre mit beschleunigten Elektronen behandelt. Dabei wird das Silbersulfit, also der schwarze Film auf den Gegenständen, in einer Gasatmosphäre reduziert.“

Der Vorteil dieses Verfahrens besteht darin, dass die Gegenstände ohne Nasschemie oder abrasive Methoden bearbeitet werden. Folglich wird die Belastung der meist fragilen historischen Objekte minimiert und weitere Nebenwirkungen, wie Kratzer oder Beschädigungen, können vermieden werden. Mit den Anlagen am Institut steht eine breite Basis zur Bearbeitung von solchen verunreinigten Gegenständen, beispielsweise Münzsammlungen oder Tafelsilber, und der Entwicklung von weiteren Reinigungsverfahren zur Verfügung.

Um gereinigte historische Objekte vor erneuten Schäden durch Umwelteinflüsse zu schützen bzw. das aktuelle Schadbild nicht weiter zu verschlimmern, sind ebenfalls Technologien des Fraunhofer FEP verfügbar. Ihre neuesten Erkenntnisse und aktuelle Forschungsschwerpunkte zu diesem Thema stellen Wissenschaftler zum 5. Industry Partners Day „Clean Surfaces“, am 27. September 2017, am Fraunhofer FEP vor.