Neue Luft, neues Licht

Entlastung für die Sixtinische Kapelle

Im November wurde im Vatikan im Rahmen der Veranstaltung „Die Sixtinische Kapelle 20 Jahre später: Neue Luft, neues Licht“ ein neues Licht- und Belüftungskonzept für die Sixtinische Kapelle in Rom präsentiert. 7000 LEDs beleuchten nun die Details der Fresken, und die 20 Jahre alte Belüftungsanlage wurde erneuert.

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Nach der neuen Lichtinstallation – die Farben leuchten, Foto: Governatorato dello Stato della Città del Vaticano, Direzione dei Musei

Jedes Jahr nehmen etwa sechs Millionen Menschen lange Wartezeiten auf sich, um die Sixtinische Kapelle im Vatikan mit ihren Fresken von Michelangelo, Botticelli und anderen Renaissancekünstler zu besuchen. Jedoch stellt die hohe Besucherzahl für die Wandmalereien eine Gefahr dar.Aufgewirbelter Staub, die Körperwärme der Besucher, die Feuchtigkeit ihres Atems und das darin enthaltene Kohlendioxid belasten die Wandmalereien. Das 1994 installierte Filter- und Belüftungssystem hielt der Belastung nicht mehr stand. Auch die Beleuchtung aus den 1980er Jahren ließ zu wünschen übrig, in der Regel herrschte Dämmerlicht: Acht 150-Watt-HQI-Strahler und je zwei 1.000-Watt-Halogen-Strahler konnten die Kunstwerke nicht adäquat ausleuchten.

„Neue Luft…“

Die Firma Carrier, führendes Unternehmen für hochmoderne Heizungs-, Klima- und Lüftungskonzepte, schloss die Installation einer innovativen Heizungs-, Lüftungs- und Klimalösung (HVAC) in der Sixtinischen Kapelle im November ab. 1993 entwickelte und installierte Carrier das erste Klimatisierungssystem in der Kapelle, das eine maximale Anzahl von 700 Besuchern zur gleichen Zeit bewältigte. Heute, mit etwa 20.000 Besuchern pro Tag, kann das neu eingebaute System bis zu 2.000 Besucher gleichzeitig bei fast allen Wetterbedingungen meistern.

Das neue System setzt zwei Carrier AquaForce® 30XWV wassergekühlte Kühlanlagen mit Greenspeed® Intelligenz ein, jede mit 580 Kilowatt Leistung. Um optimale Klimabedingungen zum Schutz der Kunstwerke in der Kapelle aufrechtzuerhalten, nutzt das Konzept speziell entwickelte Software und Komponenten sowie patentierte energiesparende Technologien. Mit seinem intelligenten Steuerungssystem kann das HVAC-System Besucherströme vorauskalkulieren und seine Leistung dementsprechend anpassen. Das neue System bietet doppelt so hohe Effizienz, eine dreimal höhere Leistung als das vorherige System und steuert zuverlässig Strömung, Feuchtigkeitsgehalt, Qualität und Temperatur der Luft. Es lässt sich auch auf zukünftige Bedürfnisse einstellen.

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Vor der neuen Lichtinstallation – die Farben sind trübe, Foto: Governatorato dello Stato della Città del Vaticano, Direzione dei Musei

„… neues Licht“

Gerade noch pünktlich zu Michelangelos 450. Todestag bekam die Sixtinische Kapelle auch eine neue Beleuchtung: Seit November leuchtet hochmodernes LED-Licht die Kapelle aus. Fachleute der Firma Osram entwickelten innerhalb von drei Jahren im Rahmen eines von der Europäischen Union geförderten Projektes ein LED-Beleuchtungskonzept, das die Lichtstärke auf den fünf- bis zehnfachen Wert steigert, die Farben wirklichkeitsgetreuer wiedergibt und sehr gleichmäßig Bereiche der Fresken beleuchtet, die vorher von den Besuchen kaum Beachtung fanden. An diesem Projekt waren auch Lichtplaner, Konservatoren, Energie- und Lichtmesstechniker beteiligt.

7000 spezielle LED-Leuchten wurden in zehn Metern Höhe auf einem schmalen Sims im Inneren der Kapelle für die Besucher unsichtbar montiert. Sie vermittelt dadurch das Gefühl, das Licht käme als Tageslicht durch die Fenster. Mit einer Farbtemperatur von 3.500 Kelvin, einer Beleuchtungsstärke von 50 bis 100 Lux und einem Farbwiedergabe-Index CRI > 95 werden die Gemälde der Sixtinischen Kapelle nun mit individuell angepasstem und hoch leistungsfähigem LED-Licht illuminiert. Die Helligkeit ist zudem komplett dimmbar.

EKTA SCANSIONATA DA TRECCANI (ISTITUTO ENCICLOPEDIA ITALIANA)
Blick in die neu ausgeleuchtete Sixtinische Kapelle, Foto: Governatorato dello Stato della Città del Vaticano, Direzione dei Musei

Die spezialangefertigten LED-Leuchten sind in der Lage, vier Farbkanäle rot, grün, blau sowie warmweiß so zu steuern, dass die Fresken auf die Art präsentiert werden, wie sie Michelangelo vor 500 Jahren gesehen hat. Trotz stärkerer Beleuchtung und bestmöglicher Lichtqualität verringert sich der Energieverbrauch um bis zu 90 Prozent. Die historischen Wandgemälde werden dabei so gut geschont wie nie zuvor, da das LED-Licht weitaus weniger Schädigung hervorruft als jede derzeit bekannte Lichtquelle.

Mit der neuen Heizungs-, Lüftungs- und Klimalösung und der neuen Beleuchtungsanlage sind zwei große Schritte Richtung Erhaltung der Sixtinischen Kapelle getan. Außerdem beschäftigt sich der Direktor der Vatikanischen Museen, Antonio Paolucci, aufgrund des immer größer werdenden Besucherandrangs auf die Sixtinische Kapelle mit dem Gedanken, eine Besucherbeschränkung von 20.000 Interessierten pro Tag einzuführen.