Goldglanz und Kristallglitzern

Der Kleine Ballsaal im Residenzschloss zu Dresden ist jetzt wieder für Besucher geöffnet. Er wurde nach seiner Zerstörung 1945 aufwendig originalgetreu rekonstruiert

  

Dass er fast völlig zerstört war, kann man heute kaum noch glauben. Denn der Kleine Ballsaal im Dresdner Residenzschloss glänzt und funkelt in schönster historistischer Pracht. Allein für die Vergoldung des Galeriegeländers und der Decke wurden 1,4 Kilogramm Gold verwendet, die Feuervergoldung der Leuchter verbrauchte noch einmal 3,6 Kilo. Für das originalgetreue Glitzern und Funkeln mussten 7777 Kristallteile neu hergestellt werden. Sie wurden mit den 86 erhaltenen Originalteilen kombiniert.

Seit 1945 erstmals wieder zugänglich

Seit 29. Januar ist der nur 120 Quadratmeter große Saal im zweiten Obergeschoss des Georgenbaus erstmals seit der Zerstörung des Residenzschlosses 1945 wieder zu besichtigen. Entworfen wurde er von Hofbaumeister Bernhard Krüger (1821–1881), einem Schüler von Gottfried Semper. Krüger baute den Saal zwischen 1865 und 1868 für König Johann von Sachsen (1801–1873). Der prächtige Raum, der heute als „wichtiges Zeugnis des Historismus und des Semperschen Architekturverständnisses“ gilt, war Johanns bedeutendste Baumaßnahme im Schloss und gehörte zum Wohnbereich der sächsischen Königin Amalie Auguste von Bayern.

Originalgetreuer Nachbau des Kleinen Ballsaals

Seine Rekonstruktion wurde bereits 1997 beschlossen. Während viele Dresdener Schlossteile als Ausstellungsräume wiederaufgebaut, aber nicht im Detail rekonstruiert werden, wurde der Kleine Ballsaal originalgetreu nachgebaut, denn er wird als „historisch lokalisierter Raum“ eingestuft. Die konkreten Bauplanungen durch den Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege begannen 2007. 2014 wurde dann der Bauauftrag erteilt. Seine Wiederauferstehung kostete 6,1 Millionen Euro. Für den Wiederaufbau des gesamten Schlosses durch den Sächsischen Staat wurden seit 1990 bisher 341 Millionen Euro ausgegeben. Die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Marion Ackermann, erklärte anlässlich der Ballsaaleröffnung: „Insbesondere die vereinte Expertise vieler sächsischer Unternehmen trug dazu bei, dass intensive Materialforschungen betrieben, spezielle Handwerkstechniken wieder erfunden und längst in Vergessenheit geratene Fertigkeiten neu entwickelt werden konnten. Diese bewundernswerte Verbindung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft macht dieses großartige europäische Projekt überhaupt erst möglich.“

Als nächstes eröffnen im September die wiederaufgebauten Paraderäume. Sie wurden vor dann genau 300 Jahren durch August den Starken anlässlich der Hochzeit von Kurprinz Friedrich August und Erzherzogin Maria Josepha mit einem einmonatigen Hochzeitsfest eingeweiht.