Kirchliche Archivalien in guten Händen

 

Sieben Schwestern der Restaurierungswerkstatt der Abtei St. Hildegard in Eibingen waren über Jahre hinweg mit einem Großprojekt befasst: der Restaurierung eines koreanischen Nachdrucks einer chinesischen Weltkarte von 1860. 2015 wurden die Arbeiten abgeschlossen. Ein Auszug aus der Dokumentation der Schwestern.

Seit 1974 beherbergt die Abtei St. Hildegard in Eibingen eine eigene Restaurierungswerkstatt. Sieben restauratorisch ausgebildete Schwestern kümmern sich um vorwiegend kirchliche Archivalien, die von einzelnen Diözesen Deutschlands an sie herangetragen werden. Zum Restaurierungsgut der Schwestern zählen vor allem Matrikelbücher, meist aus dem 16. und 17. Jahrhundert, aber auch Handschriften auf Pergament oder Papier wie Protokolle oder liturgische Texte. Das jüngste größere Projekt war die Restaurierung eines koreanischen Nachdrucks aus dem Jahr 1860 von einer chinesischen Weltkarte, angefertigt von Ferdinand Verbiest SJ im Jahr 1674. Die Arbeiten an der Karte erstreckten sich über mehrere Jahre und konnten 2015 schließlich fertiggestellt werden. Sr. Dorothea leitete die Restaurierungsmaßnahmen. Zu sehen ist die restaurierte Karte im Missionsmuseum der Erzabtei St. Ottilien.

Restaurierung des Nachdrucks einer chinesischen Weltkarte

Die Chinesische Weltkarte wies Fehlstellen, Löcher und Risse auf, war verstaubt, verkrustet und hatte früher wohl einen Wasserschaden erlitten, was Ränder und Verfärbungen sichtbar machte. Teilweise war die Oberfläche über dem Holzrahmen abgeschabt. Die Karte selbst setzt sich aus acht Paneelen im Wandschirmformat zusammen und misst 186 cm x 385 cm. Die Schwestern stellten außerdem einen Schabefraß fest, der sich offenbar in zusammengeklapptem Zustand ereignet hatte, da die Fraßstellen auf zwei Paneelen symmetrisch vorzufinden waren.

Die Verantwortlichen erwägten, die Paneele zu trennen und die einzelnen Kartenteile von den Holzrahmen zu lösen, um die Karte zu reinigen, zu stabilisieren und die Klebstreifen abnehmen zu können. Später sollten die acht Teile einzeln auf säurefreien Wabenkarton gespannt und nebeneinander in einer Vitrine montiert werden.

Arbeitsschritte

  • Trennen der einzelnen Paneele: Durchschneiden des Selbstklebestreifens und des neueren Gewebescharniers (darunter zeigten sich die alten traditionellen Papierscharniere, die teilweise noch intakt waren.)
  • Abnahme der transparenten Selbstklebestreifen
  • Abnahme der kaschierten Vorderseite (trockenes Abheben mit einem Spachtel) von den Holzpaneelen. Die Geweberänder bleiben bei diesem Schritt noch auf den Kartenteilen. Dabei konnte die Karte von grobem Staub, tierischen Überbleibseln (Käfer, die das Holz befallen hatten, aber nicht mehr lebten) befreit werden. Zunächst befürchtete man Schimmelbefall, doch letztendlich handelte es sich um Kalk, der bei der Wandschirmherstellung eingebracht worden war, um die Kaschierung opak zu machen
  • Trockenreinigung der Kartenoberfläche
  • Ablösen der Gewebestreifen von der Kartenoberfläche und Ablösen der Kaschierungen bis zur ersten Kaschierung direkt unter dem Druck
  • Feuchtreinigung der Kartenteile
  • 1. Kaschierung mit einem Kozupapier 18 g/m2
  • 2. Kaschierung mit dem gleichen Japanpapier, Laufrichtung quer zur Kartenhöhe
  • 3. Kaschierung mit einem Kozupapier auf Rolle 38g/m2 mit seitlichem Überstand, der später zur Montage dient
  • leichte Retusche der Fraßstellen
  • Montage auf säurefreien Wabenkarton

Die vollständige Dokumentation können Sie hier einsehen.