Insektenlarven fressen Schildpatt

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg besitzt friderizianische Schildpattmöbel aus dem 18. Jahrhundert. Während eines Monitorings fielen Fraßschäden auf

Zweitüriger Eckschrank von ­Johann Melchior Kambly aus dem Jahr 1765, Detail mit Fraßspuren am Schildpatt. Foto: M. Wirth
Zweitüriger Eckschrank von ­Johann Melchior Kambly aus dem Jahr 1765, Detail mit Fraßspuren am Schildpatt. Foto: M. Wirth

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg betreut in ihrem Möbelbestand eine Vielzahl an friderizianischen Schildpattmöbeln aus dem 18. Jahrhundert. Ein großer Teil der mit dem seltenen und kostbaren Material furnierten Objekte sind im Neuem Palais in Potsdam ausgestellt. Die meist vollflächig mit Schildpatt belegten Möbel besitzen im Gegensatz zu den bekannten Boulle-Marketerien keine großflächigen Messing- oder Zinneinlagen und oft ist das Schildpatt ohne Zwischenschicht aus Papier und Pigment direkt auf den hölzernen Träger geleimt.

Während eines Monitorings der Sammlung fielen erstmalig winzige Partikelhäufchen auf einem zweitürigen Eckschrank von Johann Melchior Kambly aus dem Jahr 1765 auf (Abb.1, 2). Die genauere Untersuchung des Möbels ließ keine Schlupflöcher von Anobien im Blindholz erkennen, jedoch zeigten sich in ihrer Form organisch verlaufende Fehlstellen an den Rändern des Schildpatts, die deutliche Fraßspuren aufwiesen. Die Untersuchung des Fraßmehls aus dem Schrankinneren erbrachte bei mikroskopischer Vergrößerung Larvenhäute des Teppichkäfers (Anthrenus verbasci L.) aus Familie der Speckkäfer in größerer Anzahl (Abb. 3). Offensichtlich wurde das Schildpattfurnier von den maximal fünf Millimeter großen Larven gefressen und damit unwiederbringlich zerstört. Während die adulten Käfer auch im Freien auf Blüten zu finden sind, ernähren sich die Larven ausschließlich von keratinhaltiger Nahrung (Haar, Wolle, Nägel, Federn, Hufe). Schildpatt ist ein organisches Material, es wird aus den Hornschuppen von Meeresschildkröten gewonnen und besteht aus dem wasserunlöslichen Protein Keratin. 

Da die Insekten nicht im Blind- bzw. Konstruktionsholz des Möbels leben, sondern lediglich die Schildpattauflage als Nahrungsquelle nutzen, wird derzeit versucht mit S-Trap Fallen, die zum Anlocken von Insekten einen Köder enthalten, die Larven vom Möbel zu entfernen. Die Fraßschäden wurde bisher lediglich an einem Objekt entdeckt. Verstärktes Monitoring und intensivierte Reinigungszyklen der schildpattfurnierten Möbel sind erste Maßnahmen, um den Befall einzudämmen und weitere Schäden zu verhindern. Aufgrund der geltenden EU-Biozidverordnung kann das Objekt derzeit nicht mit der schonendsten Methode in der stiftungseigenen Stickstoffkammer behandelt werden.