18.12.2020

Beruf Museum

„Häufig übernehmen wir die Rolle des Vermittlers“

von Ute Strimmer
Berlin
Kulturbesitz

Zu wenig Platz und unzureichende Lagerungsbedingungen: RESTAURO sprach mit dem restauratorischen Fachplaner Johannes Baur aus München über Nachhaltigkeit und den sinnvollen Einsatz von Technik in Museumsdepots

Berlin
Für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (Berlin) hat Johannes Baur die Beratung und Fachplanung für das Museumsdepot im Neubau des Museums des 20. Jahrhunderts am Kulturforum (Herzog & de Meuron) übernommen. Foto: Herzog & de Meuron / SPK, Berlin

Johannes Baur berät seit gut zwanzig Jahren nicht nur Kultureinrichtungen, sondern realisiert auch Museumsdepots und Archive – und dies international. Dass hier dringender Bedarf bestand, fiel dem restauratorischen Fachplaner aus München mit eigenem Büro bei seiner Tätigkeit als Möbelrestaurator am Stadtmuseum München bereits Mitte der 1990er Jahre auf.

Museen klagten über zu wenig Platz und unzureichende Lagerungsbedingungen in ihren Depots. Damals war Johannes Baur unter anderem für die Einrichtung eines Außendepots zuständig. Heute zählt die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (Berlin) zu seinen Kunden, für die er die Beratung und Fachplanung für das Museumsdepot im Neubau des Museums des 20. Jahrhunderts am Kulturforum (Herzog & de Meuron) übernommen hat. Auch bei der Erweiterung des Kunsthauses Zürich (Chipperfield Architects) ist Johannes Baur mit dabei. Neben diesen beiden großen Projekten hat der Experte noch zahlreiche weitere parallel laufen.

Zwei festangestellte Architektinnen zählen mittlerweile fest zum Team. Das Büro hat Johannes Baur bereits vor Corona komplett digital umgestellt und einiges in die Technik investiert. Ohne CAD-Programme geht nichts mehr. „Wir sind in ständigem Austausch mit anderen Planern, um die unterschiedlichen Planungen abzustimmen“, berichtet Johannes Baur. „Die Projekte liegen in der Cloud, sodass wir von überall darauf jederzeit zugreifen können. Der erste Lockdown im Frühjahr 2020 war daher kein Thema. Wir haben uns über Videokonferenzen verständigt und die Pläne hin- und hergeschoben.“

Die Kunden kommen über Empfehlungen und Ausschreibungen. Aber auch die überarbeitete Website schafft viel Aufmerksamkeit. „Bei der Depotplanung bieten wir alle Leistungsphasen von eins bis neun (nach HOAI) an. Und wir haben große Expertise, unter anderem in der Lagertechnik.“ Eine häufig unterschätzte Herausforderung ist die Statik, die man frühzeitig ansprechen muss, weiss Johannes Baur. „Oft steigen wir erst in Leistungsphase drei oder sogar fünf ein. Je frühzeitiger wir jedoch eingebunden werden, desto besser.“

Großen Wert legt Baur bei der Planung von Depots und Archiven auf Nachhaltigkeit. „Der Energiebedarf bzw. die Kosten für Energie- und Gebäudeunterhalt übersteigen mittlerweile die Ankaufetats von Museen. Gerade beim Depotbau schlage ich daher immer vor, konservativ zu planen. Da sich hier im Gegensatz zu Dauerausstellungen, die spätestens alle zehn Jahre ausgetauscht werden, nicht viel ändert, gilt für mich der Planungsansatz 50 Jahre plus.“

Grundsätzlich setzt Johannes Baur auf Low tech. Elektrische Fahranlagen zum Beispiel verbaut er ungern. „Bis zu gewissen Lasten funktioniert eine Anlage mit Handrad-Betrieb auch noch in zwanzig, dreißig Jahren perfekt. Dazu sollte man aber relativ früh in der Projektphase mit dabei sein, da ansonsten unter Umständen hohe Räume geplant werden. Und dort werden dann große Fahranlagen notwendig, die wiederum ab einer gewissen Größe nicht mehr von Hand betrieben werden können. Technik also überall dort, wo es Sinn macht.“ Häufig kommen Anfragen, was man beachten muss. „Unsere Arbeit teilt sich, wie beim Architekten auch, in einen beratenden Bereich und einen planerischen auf. Häufig übernehmen wir die Rolle des Vermittlers. Wir kennen natürlich die Sprache der Restauratoren aber auch die der Statiker oder der Architekten. Und da gibt es immer wieder Herausforderungen in der Verständigung.“

Den Terminus Depot oder Zentraldepot verwendet Johannes Baur übrigens nicht ganz so gerne. „Der liebste Begriff ist mir mittlerweile Sammlungszentrum. Denn hier sollte aktiv auch gearbeitet – und sollten auch je nach Situation und Platzbedarf – Arbeitsplätze für Restaurator*innen geschaffen werden. Und dort können wir auch wirklich interessierte Besucher*innen hineinführen. Darüber hinaus kann es beispielsweise eine sinnvolle Verschränkung in die Museumspädagogik geben.“

Lesen Sie mehr in der kommenden RESTAURO 1/2021, die am 8. Januar 2021 erscheint.

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