Ferien im Baudenkmal

Von rustikal bis barock: Seit 16 Jahren bietet die vom Schweizer Heimatschutz gegründete Stiftung „Ferien im Baudenkmal“ bezahlbaren Urlaub in denkmalgeschützten Gebäuden. Sie trägt damit wesentlich zur Renovierung der Architekturperlen bei. Das breit gefächerte Angebot wird in der Pandemie rege genutzt

Auf der Website des Schweizer Heimatschutzes finden sich unzählige Einträge leerstehender und deshalb gefährdeter Gebäude. Etwa die Maag-Hallen als bauliches Erbe des Zürcher Industriequartiers, ein 700-jähriges Holzhaus in Steinen oder ein spätmittelalterliches Steinhaus im Kanton Wallis. Als „führende Schweizer Non-Profit-Organisation im Bereich Baukultur“ bezeichnet sich der Schweizer Heimatschutz in seiner Selbstdarstellung. 1905 wurde der Verein gegründet. Inzwischen ist er auf 27.000 Mitglieder angewachsen, die sich dafür einsetzen, dass „Baudenkmäler aus verschiedenen Epochen vor dem Abbruch bewahrt werden und weiterleben“. Darüber hinaus verstehen sie sich als „Förderer zeitgemäßer Architektur bei Neubauten“. Deshalb verleiht der Verein seit 1972 jährlich einer Gemeinde in der Schweiz den renommierten Wakkerpreis für „vorbildliche Leistungen in der Siedlungsentwicklung“.

Ferien im Baudenkmal: Alpine Bauernhäuser und ein Palazzo

2005, anlässlich des 100-jährigen Jubiläums, gründete der Schweizer Heimatschutz die Stiftung „Ferien im Baudenkmal“. Ihre Aufgabe ist es, gefährdete Denkmäler zu übernehmen und denkmalgerecht zu sanieren. Nicht wenige der historischen Gemäuer müssen noch zusätzlich an die Bedürfnisse einer Ferienunterkunft angepasst werden. Die Inspiration für die Stiftung kam von dem „Holiday Cottages“-Programm des britischen National Trust. Die Website bietet inzwischen rund 50 Miet-Denkmäler an, neben vielen alpinen Bauernhäusern auch ein Palazzo in Poschiavo, der im Jahr 1793 als erstes Zucker- bäckerhaus erbaut wurde. Drei Baudenkmäler befinden sich gerade noch in der Modernisierungsphase.

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Status des Denkmals durch die Eingriffe gefährdet?

Der anvisierte Tourismus ist etwas für Liebhaber der Entschleunigung und „Authentizität“, denn die meisten der einst leerstehenden Häuser liegen an abgelegenen Orten, die den Einwohnern keine wirtschaftliche Lebensgrundlage mehr geboten haben, was eine massive Abwanderung zur Folge hatte. Als Erholungsziele garantieren diese Regionen vor allem für Großstädter umso mehr eine Pause vor dem hektischen Alltag. Hinzu kommt, dass diese Häuser auch deshalb leer gestanden haben, weil sie heutigen Wohnansprüchen nicht mehr gerecht wurden. Baut man sie aber in Hinblick auf diese Bedürfnisse um, ist oft der Status des Denkmals durch die Eingriffe gefährdet.

Zugang zu Geschichte und Kultur

Im Fall eines Ferienhauses kann die Substanz besser geschützt werden, wenn denn der sanfte Tourist dazu bereit ist, niedrige Decken, steile Treppen und winzige Fenster in Kauf zu nehmen. Es kann für eine begrenzte Zeit sogar attraktiv sein, in einem Walliser Blockhaus aus dem 16. oder in einem Tessiner Stadthaus aus dem 17. Jahrhundert zu wohnen, um einen anschaulichen Zugang zu der jeweiligen Ge- schichte und Kultur zu bekommen. Die Pandemie scheint die Anziehungskraft dieses nachhaltigen Tourismus gesteigert zu haben. Mit 28 000 Übernachtungen im Jahr 2020 verzeichnet die Stiftung ein Rekordjahr. Zehn Jahre zuvor kam sie nur auf 8 000 Übernachtungen.

Lesetipp: In Bern ist konservatorisch-restauratorische Kompetenz gebündelt: Wer Konservierung und Restaurierung an der Hochschule der Künste Bern HKB studiert, darf einiges erwarten. Der Fachbereich Konservierung und Restaurierung verfügt über jahrzehntelange Tradition und Erfahrung bei der Erhaltung von Kunst und Kulturgut, ist innovativ und mehrfach spezialisiert. RESTAURO sprach mit Studiengangsleiter Prof. Dr. Andreas Buder.