Die Rettung eines Barockpalasts – der Palazzo Belloni Battagia

Sie erstrahlt wieder in ihrem ursprünglichen Weiß: die imposante Barockfassade des Palazzo Belloni Battagia in Venedig. Auch ins Innere des Gebäudes ist der alte Glanz zurückgekehrt. Das European Heritage Project hat den Palazzo am Canal Grande sorgfältig restauriert, konserviert und mit moderner Gebäudetechnik ausgestattet. Dabei nutzte das Restauratorenteam die Kompetenz des Trentiner Unternehmens Calchèra San Giorgio, das sich auf die Reproduktion von antiken und historischen Baumaterialien spezialisiert hat

Der Zustand des Palazzo Belloni Battagia war beklagenswert: Eine Erbengemeinschaft hatte den Wohnraum in bester Lage – zwischen der Fondaco del Megio, Venedigs altem Hirsespeicher, und dem Palazzo Ca’Tron gelegen – als Ferienwohnungen vermietet, sich aber nicht um die dringend notwendige Instandsetzung des Gebäudes gekümmert. 

Das European Heritage Project kümmerte sich um den Palazzo Belloni Battagia

Als 2018 die reich verzierte Fassade in den Canal Grande abzufallen drohte, schritt das zuständige Denkmalamt ein, die Soprintendenza Archeologia, belle arti e paesaggio per il Comune di Venezia e Laguna. Da die Erben des Palazzos die nötige Instandhaltung weder tragen konnten noch wollten, wandten sich diese an das European Heritage Project. Ziel der privat finanzierten Initiative ist es, historische Monumente in Europa vor dem Verfall zu bewahren und da einzuspringen, wo öffentliche Gelder fehlen. „Was aus dem architektonischen Bestand einmal entfernt wurde, hinterlässt auch in den Köpfen der Menschen eine Spur des historischen Vergessens“, so die Überzeugung des Initiators Peter Löw. 

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Pinakeln auf dem Dach: eine Besonderheit in Venedig

Das Schicksal des historischen Vergessens blieb dem Palazzo Belloni Battagia somit erspart. Der Architekt Baldassare Longhena, der als Pionier des venezianischen Barocks gilt, hatte das Gebäude 1648 für die Familie Belloni entworfen. Der Palast mit den drei Geschossen und einem Mezzaningeschoss fußt auf den Fundamenten eines gotischen Hauses. Wer sich vom Canal Grande her nähert, sieht bereits von weitem die beiden hohen Pinakel auf dem Dach. Sie haben die Form von Obelisken – eine Besonderheit, die nur wenige Paläste in Venedig aufweisen. 

Auf dem Gesims das Wappen der Bellonis

Eine weitere Besonderheit ist die reich verzierte Fassade aus Pietra d’Istria: Löwenförmige Protome an der Wasseroberfläche scheinen das gesamte Gebäude zu stützen. Ein großes überdachtes Rundbogenportal führt ins Erdgeschoss, das eine Balustrade trägt. Die Zwischenräume der sieben rechteckigen Fenster im Hauptgeschoss sind mit Mauerblenden und zwei Familienwappen der Bellonis dekoriert. Über jedem Fenster befindet sich ein gebrochenes Tympanon. Das Mezzanin schließlich hat sechs kleine, quadratische Fenster. Die Dachkante bildet ein gezahntes Gesims mit einem langen Fries, ebenfalls versehen mit dem Wappen der Bellonis. 

Gravierten Schäden an der Fassade

Das European Heritage Project reagierte unverzüglich und erstand das Gebäude. Zu dessen zahlreichen Mängeln zählten undichte Fenster, durch die ein permanenter Durchzug herrschte. Ebenso befand sich die Elektrik in einem desaströsen Zustand, und das Erdgeschoss wies schwere Hochwasserschäden auf. Außerdem existierte kein Grubensystem: Abwässer flossen in die Lagune. Die gravierendsten Schäden jedoch hatte die Fassade erlitten, die sich schon gefährlich stark in Richtung Canal Grande gesenkt hatte. 

Oberste Oberste Priorität: Sicherung, Reinigung und Versiegelung der Steinfassade

Zusammen mit den Aufsichtsbehörden und dem Denkmalschutz stellte das European Heritage Project einen Sanierungsplan auf und betraute SERES S.r.l mit dem Generalauftrag zur Instandsetzung des Palazzos. Die Arbeiten führte die Firma Errico Costruzioni S.r.l. unter der technischen Leitung des Architekten Andrea Pennisi durch. Oberste Priorität hatte es, die Steinfassade zu sichern, zu reinigen und zu versiegeln. Nachdem die statischen Mängel behoben waren, setzten die Experten die barocken Ornamente an der Fassade des Palazzos instand und stabilisierten diese. Ebenso die tragenden Elemente wie Säulen und Bögen sowie die Obelisken. 

Ein Experten-Team sicherte und überarbeitete die Stuckprofile der Decken

Gleichzeitig musste das von Überschwemmungen geschädigte Erdgeschoss generalüberholt und der großflächig abgeplatzte Putz ergänzt werden. Auch die Tore zur Kanalseite hin wurden aufgearbeitet. Eine optisch kaum wahrnehmbare Vorsatzverschalung auf einer Höhe von zwei Metern soll den Palazzo zukünftig besser vor Hochwasserschäden schützen. Der Sanierungsbedarf setzte sich in den Innenräumen fort. So hatten sich hinter den mangelhaft hinterlüfteten Vorsatzwänden dicke Salzschichten gebildet. Dringend erforderlich war zudem die Modernisierung von Heizungs-, Klimaund Sanitäranlagen. Die Elektrik wurde komplett erneuert, eine Klärgrube neu gebaut. Soweit möglich, sanierte das Restaurierungsteam die Fenster und Türen im Bestand. Bei der Überarbeitung der Holzfensterrahmen, Fensterläden und Gläser berücksichtigte es aktuelle energetische Anforderungen. Die Expert:innen sicherten und überarbeiteten die Stuckprofile an den Decken der einzelnen Salons sowie die Fresken Giuseppe Borsatos und die Wandbemalungen Giovanni Battista Canals aus dem 19. Jahrhundert – eine ebenso zeitlich wie materiell aufwändige Arbeit. 

Lesen Sie weiter in der RESTAURO 8/2021.

Tipp: Zum 500. Geburtstag des großen Malers Tintoretto wurde der Kapitelsaal der Scuola Grande di San Rocco in Venedig neu beleuchtet. Lesen Sie mehr dazu hier