Das Onlineportal „Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ ist gestartet

Deutschland stellt sich seiner historischen Verantwortung beim Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten. Wesentliche Voraussetzung hierfür ist größtmögliche Transparenz, denn Transparenz ermöglicht weltweite Teilhabe und ist Ausgangspunkt für den Dialog mit den Herkunftsstaaten und Herkunftsgesellschaften. Die Deutsche Digitale Bibliothek hat das Onlineportal „Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ freigeschaltet

Deutschland stellt sich mittlerweile immer mehr seiner Kolonialgeschichte. Die Benin-Bronzen stehen gerade im Zentrum von kontroversen Debatten. Es sind Objekte aus dem Palast des damaligen Königreichs Benin, aktuell verhandeln Deutschland und Nigeria über Rückgaben. Die Bronzen sind in zahlreichen deutschen Museen zu finden. Die Kontaktstelle für Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten hat eine Aufstellung von Benin-Bronzen in Museen und Sammlungen auf ihrer Webseite veröffentlicht. Neben dieser aktuellen Aufarbeitung strebt die Bundesregierung auch die Rückgabe von weiteren Objekten aus kolonialem Kontext an.

Für größtmögliche Transparenz

Dafür haben Bund, Länder und kommunale Spitzenverbände bereits im März 2019 „Erste Eckpunkte zum Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ beschlossen. Zu den wichtigsten Zielen zählte die Digitalisierung der Bestände, um sie der breiten Öffentlichkeit und auch möglichen Anspruchstellern aus den Herkunftsländern zugänglich zu machen. Im Oktober 2020 folgte die Vereinbarung der „3 Wege-Strategie zur Erfassung und digitalen Veröffentlichung von Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Deutschland“, die im Hinblick auf Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten größtmögliche Transparenz herstellen soll.

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Die Deutsche Digitale Bibliothek fungiert als Netzwerk

Die Deutsche Digitale Bibliothek hat dafür unter der Domain ccc.deutsche-digitale-bibliothek.de das Onlineportal „Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ freigeschaltet. Damit ist koloniales Sammlungsgut von 25 Piloteinrichtungen innerhalb der Deutschen Digitalen Bibliothek online verfügbar. Darüber hinaus besteht ihre Hauptaufgabe darin, allen Menschen über das Internet freien Zugang zu digitalisierten Museumsobjekten, Büchern, Musikstücken, Denkmälern, Filmen, Urkunden und vielen anderen kulturellen Schätzen zu bieten. Die Deutsche Digitale Bibliothek fungiert als Netzwerk, sie verlinkt und präsentiert die digitalen Angebote ihrer Partner.

„Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ ist in der Aufbau

Die Aufbauphase des neuen Portals wird von der Bundesregierung aus dem Etat für Kultur und Medien finanziert. Es soll künftig zu einer zentralen Veröffentlichungsplattform in deutschen Kultur- und Wissenseinrichtungen ausgebaut werden. Bei der Definition der kolonialen Kontexte sollen eine Vielzahl von historischen und lokalen Aneignungs- und Aushandlungsprozessen sowie die daraus resultierenden Kontexte und Handlungsmöglichkeiten berücksichtigt werden.

Weitere Sprachen für das Portal geplant

Der Begriff „koloniale Kontexte“ bedeutet nicht automatisch einen Unrechtskontext. Zum Start steht das Portal in deutscher und englischer Sprache mit Informationen zu rund 8.000 Nachweisen zu Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten zur Verfügung, wobei Beschreibungen zunächst nur auf Deutsch zu finden sind. In einem nächsten Schritt werden relevante Daten, die bereits jetzt in der Deutschen Digitalen Bibliothek enthalten sind, als „Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ gekennzeichnet, damit sie künftig ebenfalls im Portal auffindbar sind. In Zukunft soll das Portal in weiteren Sprachen angeboten sowie über Daten von weiteren Kultur- und Wissenseinrichtungen verfügen.

Der „Leitfaden zum Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ des Deutschen Museumsbundes verdeutlicht, dass bei der Definition kolonialer Kontexte eine Vielzahl von historischen und lokalen Aneignungs- und Aushandlungsprozessen sowie die daraus resultierenden Kontexte und Handlungsmöglichkeiten berücksichtigt werden müssen.