Cranachs Luther

 

Diplomrestaurator Boris Frohberg gibt mit zwei Ausstellungen einen Vorgeschmack auf unseren Reformationsschwerpunkt in der Ausgabe 07/2017 der RESTAURO.

Im Reformationsjahr widmet sich auch Mecklenburg-Vorpommern in zwei Ausstellungen diesem Thema. Zum einen „Luthers Norden“ vom 14. Mai bis 3. September im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald, zum anderen Cranachs Luther vom 20. Mai bis 24. September 2017 in Güstrow.

 

Die Reformation in Nordeuropa

In Greifswald wird die Ausbreitung der Reformation in Nordeuropa, speziell im ehemaligen Herzogtum Pommern beleuchtet. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf, wo sie im Anschluss zu sehen sein wird. In der Schau stehen neben Gemälden z.B. aus der Cranachwerkstatt und Alltagsgegenständen mit biblischen Szenen auch Bildteppiche im Mittelpunkt. Hier wird ein Exponat mit Szenen aus dem Buch Ester als „Gobelin, Pommern? Um 1560“ bezeichnet, was wohl herstellungsbedingt nicht relevant sein dürfte. Eine Schnitzarbeit „Apostelpaar um 1500“ ehemals aus der Kirche Linde ist für die Ausstellung mit Spenden der Fördergesellschaft des Museums restauriert worden.

 

Werke der Malerfamilie Cranach

Die Ausstellung im Schloss Güstrow, einem der bedeutendsten Renaissanceschlossbauten in Nordeuropa, zeigt Werke der Malerfamilie Cranach aus Wittenberg. Im Zentrum der Ausstellung stehen 13 Gemälde, zwei Zeichnungen und 16 Druckgrafiken, die für die Verbreitung der Reformationsgedanken von Bedeutung waren. In das zweite Obergeschoss des Profanbaus sind zwei Kabinette eingestellt um die Werke konzentriert präsentieren zu können. Zu sehen sind z.B. das Doppelbildnis von Martin Luther und Katharina von Bora, Venus und Amor, Lukretia, Maria und weitere. Die Drucke zeigen Szenen teils aus Grafikfolgen, die beiden lavierten Federzeichnungen von Cranach d. J. und Kreuter sind Entwürfe für das Altargemälde der Dessauer Schlosskirche. Hier werden die Reformatoren als Jünger in das Abendmahl integriert, das wiederum in einem Renaissancefestsaal angesiedelt wurde. Daneben hängt ein kolorierter Holzschnitt der Hl. Sippe (als Großfamilie) über den ein Linienraster zur leichteren Kopieerstellung gelegt worden ist. Eventuell diente er in der Cranachwerkstatt sogar als Vorlage.

 

Das Highlight der Ausstellung im Schloss Güstrow

Das lebensgroße Gemälde des Reformators, von Lucas Cranach dem Jüngeren, das im Todesjahr Luthers entstand, steht in Zentrum der Schau. Es soll das älteste und einzige noch zu Lebzeiten entstandene ganzfigurige Lutherbildnis sein. Dieses stammt wohl aus der Erstausstattung der Schweriner Schlosskirche, dem ersten protestantischen Kirchenbau in Norddeutschland. Gerade an diesem Gemälde zeigt sich aber auch die ganze Problematik der umfassenden Restaurierungsgeschichte. Das Gemälde ist seit dem 19. Jahrhundert aufgrund von Schäden der Malschicht, bzw. unzureichender Leimbindung der ursprünglichen Grundierung, kontinuierlichen Restaurierungen unterzogen worden. Diese Eingriffe, verbunden mit Klimaproblem in der Präsentation, führten wiederum zu Schäden wie starker Blasenbildung oder Firnistrübung. Hierzu wird der Diplomrestaurator Wolfram Vormelker in Kürze eine Stellungnahme vorlegen. Es sind nun tiefgreifende Untersuchungen zu Schadphänomenen und Schadursachen geplant. Diese übernehmen ein Expertenteam an der FH-Köln, direkt im Anschluss an die Ausstellung. Die Untersuchungen werden gefördert durch die Ostseesparkasse Rostock. Das Ergebnis wird mit großem Interesse erwartet.

Die Wissensvermittlung wird in Greifswald durch künstlerisch herausragende Stop-Motion-Filme zu ausgewählten Biographien und Hintergrundthemen, sowie in Güstrow durch das Projekt POP UP CRANACH bereichert, das vor allem Kinder und Jugendliche anspricht. Letztgenanntes konnte bereits in der Gemäldegalerie Berlin und zur großen Landesausstellung in Sachsen-Anhalt CRANACH DER JÜNGERE in Wittenberg 2015 präsentiert werden.