Blick hinter die Kulissen

Sie widmen sich nicht nur der Pflege und des Erhalts von Kunst- und Kulturgut, sondern gelten als wissenschaftliche Einrichtungen: Restaurierungszentren. Mit einem Blick hinter die Kulissen zeigt nun RESTAURO die komplexen und vielfältigen Tätigkeitsfelder dieser Institutionen in einer vierteiligen Serie. Was forschen und publizieren die Zentren zu restauratorischen und kunsttechnologischen Themen? Und was sind die Strategien für die Kulturguterhaltung von morgen?

Blick in das Atelier der Skulpturenrestaurierung im Potsdamer Wissenschafts- und Restaurierungszentrum. Foto: D. Lindner, SPSG, 2018
Blick in das Atelier der Skulpturenrestaurierung im Potsdamer Wissenschafts- und Restaurierungszentrum. Foto: D. Lindner, SPSG, 2018

Das Wissenschafts- und Restaurierungszentrum der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten in Potsdam wurde 2017 eröffnet. Da die Restauratoren ihn von Anfang an mitplanen konnten, sind die einzelnen Abteilungen so individuell wie ihre Arbeiten. Geforscht wird intensiv auf dem Gebiet der Präventiven Restaurierung

Zentrale Lage, ausreichend Platz, viel Ruhe und kurze Wege. Das Wissenschafts- und Restaurierungszentrum (WRZ) der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg ist ein nagelneuer Standort für Werkstätten, Büros, Labore und Archive in Potsdam. Richtfest war 2014. Eröffnung wurde 2017 gefeiert. In lockerer Bebauung sind nach den Entwürfen des Berliner Büros Staab Architekten fünf sandsteinfarbene Gebäude mit großen Fenstern entstanden. Die Lage auf dem Gelände des historischen Hans-Otto-Theaters ist perfekt, denn das Wissenschafts- und Restaurierungszentrum liegt damit am südöstlichen Rand des Parks Sanssouci.

Staab-Architekten beschreiben die Idee ihres Gebäudeensembles, das den denkmalgeschützten ehemaligen Theaterbau optisch einbezieht, so: „In Anlehnung an die historischen Gartenbau-Strukturen wurde das Motiv des Gewächshauses zu einer eigenständigen Figur transformiert. Die Verschiebung der parallel zum Altbau angeordneten Volumen erzeugt spannungsreiche Zwischenräume, die fließend in den nördlichen Gartenraum übergehen. Gestaffelte Höhen und Satteldächer vermitteln zwischen dem Park und den Bestandsbauten. Die Gewächshaus-Fassaden wurden nach Norden umgekehrt und für die Belichtung der Ateliers genutzt, während Lochfassaden die Büros nach Süden belichten. Der für das Quartier wichtige Altbau öffnet sich heute wieder mit dem Eingang des Zentrums und einer Kantine zur Nachbarschaft.“

Das neue Wissenschafts- und Restaurierungszentrum nimmt neben Büros der Kuratoren, neben der grafischen Sammlung und dem Archiv der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM), die Werkstätten für Gemälde und Rahmenrestaurierung, für Textilien und für Papier auf. Dazu kommen Räume für die neu geschaffene Abteilung Präventive Restaurierung sowie für das naturwissenschaftliche Labor und für die Fotowerkstatt.

Seit 1978 befanden sich diese Restaurierungswerkstätten im Hofdamenflügel des Neuen Palais’, das zwischen 1763 und 1769 gebaut worden war. Dort mussten sie aus denkmalpflegerischen Erwägungen ausziehen. So entstand im WRZ nun eine gewisse Zentralisierung, die jedoch nicht alle Werkstätten umfasst. Die Skulpturenrestaurierung hat ebenso einen eigenen Standort wie die Abteilungen Holz, Metall und Glas/Keramik/Porzellan. Diese historisch gewachsene Aufspaltung der Restaurierungsateliers auf verschiedene Standorte stelle kein Problem dar, sondern entspreche den Anforderungen vor Ort, sagt Restauratorin Kathrin Lange, die die Chefin von insgesamt 60 Restauratoren ist. Dazu kommen Abteilungen in den weiter entfernt gelegenen Schlössern, etwa im Schloss Charlottenburg in Berlin, dessen Werkstätten direkt in einem separaten Flügel des städtischen Schlosses untergebracht sind. Das sei nicht nur historisch gewachsen, sondern auch praktisch.

Lesen Sie mehr in unserer neuen Serie zu Restaurierungszentren, die ab der Ausgabe 5/2019 beginnt: www. restauro.de/shop

Serie Teil 1 – RESTAURO 5/2019

Das Wissenschafts- und Restaurierungszentrum der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg wurde 2017 eröffnet. Da die Restauratoren ihn von Anfang an mitplanen konnten, sind die einzelnen Abteilungen so individuell wie ihre Arbeiten. Geforscht wird intensiv auf dem Gebiet der Präventiven Restaurierung

Serie Teil 2 – RESTAURO 6/2019

Es wurde aus der Not geboren und wird nun die Papierrestaurierung entscheidend voranbringen: Das Restaurierungs- und Digitalisierungszentrum (RDZ) des Historischen Archivs der Stadt Köln. Nach dem Einsturz des Archivs mussten für die Masse der beschädigten Archivalien komplett neue Verfahren entwickelt werden

Serie Teil 3 – RESTAURO 7/2019

In Mainz geht ohne Zusammenarbeit gar nichts. Die Werkstätten des Römisch-Germanischen Zentralmuseums arbeiten eng mit der Universität zusammen. Denn archäologische Funde können nur im Team geborgen, erforscht und restauriert werden

Serie Teil 4 – RESTAURO 8/2019

Die Landeshauptstadt Düsseldorf hat seine Restauratoren bereits 1976 in einem Zentrum zusammengefasst, um deren Kompetenzen zu bündeln. Vor allem bei Installationen und Objekten der Moderne muss viel fachübergreifend gearbeitet werden