Antike und islamische Gläser aus Syrien

In unserer neuen Serie „Corona-Förderlinie“ geben selbstständige, für öffentliche Museen tätige Restaurator*innen Einblicke in ihre Projekte, die durch die Ernst von Siemens Kunststiftung gefördert werden. Diplom-Restauratorin Birgit Schwahn ist Spezialistin für die Restaurierung von archäologischem Glas und bearbeitet über 70 Glasobjekte syrischer Provenienz aus der Sammlung der Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim 

Im Bestand der Antikensammlung der Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim gab es bis vor kurzem weniger als zehn vollständig erhaltene Glasgefäße, die aus dem Nahen Osten stammen. 2017 kam es zu einer Schenkung von über 250 Objekten aus Syrien bzw. dem östlichen Mittelmeerraum durch Dr. Edmond Homsy, ursprünglich aus Damaskus und seit über 50 Jahren in Deutschland ansässig. Darunter waren auch 70 Glasgefäße aus römischer, sasanidischer und islamischer Zeit sowie 16 Objekte wie Spinnwirtel, Schmuckperlen, ein Miniatur- Astragal und als Besonderheit ein aus Glas gefertigter hellenistischer Fingerring.

Ferner umfasst die Schenkung zehn Armreifen aus Glas und 14 Ketten mit Glas- und Steinperlen, die in die spätrömische und islamische Zeit datiert werden. Zur Provenienz der Objekte hat der Spender glaubhaft erklären können, dass alle Stücke sich bereits seit mehreren Jahrzehnten, teils lange vor 1970, in seinem Besitz befanden. Sollten sich im Laufe der Untersuchungen andere Hinweise auf die Provenienz finden lassen, werden daraus resultierende Maßnahmen ergriffen.

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Ein Teil der Glasgefäße soll zukünftig in der Dauerausstellung der Reiss-Engelhorn-Museen präsentiert werden. Sowohl die vorgesehenen Ausstellungsexponate als auch die Objekte, die im Depot verbleiben werden, benötigen vornehmend konservatorische Maßnahmen.

Eine erste Begutachtung ergab, dass sich nur an wenigen Glasobjekten der Sammlung Homsy noch Erdauflagen der ursprünglichen Bodenlagerung finden. Die meisten davon wurden ehemals gereinigt oder freigelegt. Der Großteil der Gläser ist vollständig und intakt, nur sehr wenige weisen alte Klebungen oder Ergänzungen auf. Weiterführende Informationen zu den früheren Maßnahmen an den Objekten liegen nicht vor.

Auf den Glasgefäßen finden sich starke Ablagerungen von Staub und Schmutzpartikeln. Diese wirken hygroskopisch und können dadurch spezifische Korrosionsprozesse von Glas, insbesondere die an Glasoberflächen stattfindenden Auslaugprozesse, begünstigen. Ferner können Staub- und Schmutzpartikel ein sehr geeigneter Nährboden für mikrobiellen Befall sein. Nicht zuletzt beeinträchtigen sie die besondere Ästhetik archäologischer Gläser. Eine angemessene Oberflächenreinigung ist daher eine wesentliche Maßnahme, die an der Glassammlung zur Anwendung kommt. 

Lesen Sie weiter in der RESTAURO 1/2021. In unserer neuen Serie zur Corona- Förderlinie der Ernst von Siemens Kunststiftung geben wir Einblicke in Projekte, die in diesem Rahmen gefördert werden. In den kommenden Ausgaben stellen wir Ihnen jeweils 1 Restaurierungsprojekt vor.