Altes Schloss in neuem Glanz

Hundert Jahre nach Erbauung erstrahlt das Schloss Cecilienhof in Potsdam nun wieder in alter Schönheit. Der laufende Besucherbetrieb stellte eine besondere Herausforderung während der Sanierungsarbeiten dar. 6.500 m² Dachlandschaft, 11.500 m² Fassadenfläche und 40 aufwendig gestaltete Schornsteine forderten den Einsatz von 45 Bau- und Restaurierungsfirmen.

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Endlich wieder komplett sichtbar: Der Ehrenhof des Schlosses Cecilienhof. Foto: SPSG

Ein geschichtsträchtiges Schloss

Das von 1913 bis 1917 erbaute Anwesen stellt den abschließenden Schlossbau der Hohenzollern dar, in dem bis 1945 das letzte deutsche Kronprinzenpaar Wilhelm und Cecilie von Preußen wohnte. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs fand zudem an diesem Ort eines der wichtigsten geschichtlichen Ereignisse des 20. Jahrhunderts statt. Während der Potsdamer Konferenz kamen dort der amerikanische Präsident Harry S. Truman, die britischen Premierminister Winston Churchill bzw. Clement Attlee und der sowjetische Staatschef Joseph Stalin zusammen. Sie diskutierten hier über das weitere Vorgehen und setzten den Grundstein für das Ende des Zweiten Weltkrieges und den Ausbruch des Kalten Krieges, der im Bau der „Mauer“ und in der Spaltung Europas durch den „Eisernen Vorhang“ resultierte.

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Der Blick vom Blumengarten in den Prinzenhof ist wieder freigelegt. Foto: SPSG

Altern in Würde

Die beteiligten Planungs- und Ingenieurbüros setzen sich das Ziel, möglichst wenig historische Denkmalsubstanz zu verlieren, um ein „würdiges Altern des Gebäudes“ zu ermöglichen. Durch das akribische Entfernen, Säubern und Bearbeiten der Dachziegel gelang es ihnen beispielsweise, 98 Prozent des ursprünglichen Dachstuhls zu erhalten.

Besonders charakteristisch für das Schloss Cecilienhof sind die Schornsteingruppen im Tudorstil. Der Zahn der Zeit sorgte allerdings dafür, dass sie schadhafte Verfugungen und Frostschäden aufwiesen, die durch aufwendiges Abtragen, Sichern und Wiederaufbauen behoben wurden.

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Die charakteristischen Schornsteine des Schlosses Cecilienhof. Foto: SPSG

Ein weiteres Highlight der Anlage ist das Gästeapartment, bestehend aus einer Dienerkammer, sowie Wohn-, Schlaf- und Badezimmer. Die textile Ausstattung der beiden Haupträume ist besonders sehenswert und gibt Einblick in die Wohnkultur und Innenarchitektur des frühen 20. Jahrhunderts. Um dies zu erhalten, statteten die Restauratoren besonders fragile Stoffe mit Stützgewebe aus und verlegten die Teppichbodenbeläge mit überlieferter Technik.

Finanzierung der Restaurierung

Das Sonderinvestitionsprogramm (Masterplan) ermöglicht den Erhalt bedeutender Denkmäler der Berliner und Potsdamer Schlösserlandschaft. Auf diese Weise konnten die Bruttogesamtbaukosten von ca. 9,7 Millionen Euro gestemmt werden. Die Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten e. V sorgten mit ihrer Spende über 150.000 Euro zudem für den Erhalt der angrenzenden Außenanlage und des Blumengartens.

Beteiligte Planungsbüros

* Brenne Architekten, Berlin: Objektplanungsleistung

* Ingenieurbüro Dr. Krämer, Weimar: Tragwerkplanung, vorbeugender Brandschutz

* KWH-Ingenieure, Brandenburg a. d. Havel: Technische Gebäudeausrüstung

* Novabiotec Dr. Fechter, GmbH, Berlin: Schadstoff- und Abfallmanagement, Sicherheits- und Gesundheitskoordination

Beteiligte Baufirmen

* Fa. Wolfgang Bauer Ingenieurbau GmbH, Berlin: Rohbau, Putz- und Mauerarbeiten

* Fa. Blank, Dachdeckerei GmbH, Schwielowsee: Dachdecker- und Klempnerarbeiten

* Fa. Denkmalbau Ettersburg GmbH: Zimmerer-, Trockenbau- und Holzbauarbeiten

* Fa. Gerüstbau Tisch GmbH, Berlin: Wetterdachkonstruktionen und Gerüstbau

* Fa. Becker & Armbrust GmbH, Frankfurt (Oder): Dekontaminierungsarbeiten

* Fa. RENOVA Sp.zo.o., Eltville: Natursteinarbeiten Fassade

* Fa. Roland Riesenberg, Jühnsdorf, Naturstein- uns Mauerarbeiten Garten und Treppen

* Fa. Werkstätten für Denkmalpflege PKZ, Potsdam: Tischlerarbeiten Fenster und Türen

* Fa. Fritzsch, Rittersgrün: Restaurierung Stahlfenster und historische Bleiverglasungen

* Fa. Völkl Eisenhüttenstadt GmbH: Heizungs-, Medienverlegung

* Fa. Lisson, Lindow: Installation Blitzschutzanlagen

* Fa. Elektrobau Aurich, Beetzseeheide: Elektroanlagen, Installation Starkstrom

* Fa. Häntsch & Söhne GmbH, Berlin: Garten- und Landschaftsbau

* Fa. Baum und Park Landschaftsbau GmbH Potsdam, Nuthetal: Wiederherstellung Prinzenhof und Blumengarten

 

Martina Neis studiert Medienkommunikation (Master) an der Universität Würzburg. Sie begeistert sich nicht nur für moderne Themen, sondern auch für historische Gebäude.