Von Konflikten, Invasionen und pragmatischen Lösungen

Der „2. Salon der Restaurator*innen“ lädt am 29. November zu Vorträgen und Diskussionen nach Berlin ein.  Alexander Gatzsche spricht über die Republik Zypern und den Umgang mit dem eigenem Kulturgut 

Raubkunst: 2013 kehrte dieses Mosaik mit der Darstellung des Apostels Thomas nach Zypern zurück. Ende der 1990er Jahre war es mit knapp 200 Objekten in München beschlagnahmt worden. Foto: REUTERS/Andreas Manolis
Raubkunst: 2013 kehrte dieses Mosaik mit der Darstellung des Apostels Thomas nach Zypern zurück. Ende der 1990er Jahre war es mit knapp 200 Objekten in München beschlagnahmt worden. Foto: REUTERS/Andreas Manolis

Die Republik Zypern, erst 1960 von der britischen Krone in die Unabhängigkeit entlassen, wurde 1974 von einer türkischen Invasion des Landes stark getroffen, deren Ursachen in vorangegangenen postkolonialen ethnischen Spannungen lagen. Im Zuge der bis heute andauernden Besetzung des Nordteils der Insel wurden Kirchen zerstört, Fresken und Mosaike entfernt, antike Stätten und alte Sammlungen geplündert und zu großen Teilen ins Ausland verbracht und dort verkauft.

Spektakuläre Ermittlungen und Rückführungen dieser nachweisbar gestohlenen Stücke in den letzten Jahrzenten zeugen von Zyperns Engagement sein kulturelles Erbe mühsam zurück zu erlangen. Darüber hinaus vertritt Zypern aber auch eine besondere Politik nach Innen wie Außen im Umgang mit antikem Kulturgut, indem sie Sammlungen auf der Insel die zuvor oder in der Folge der Invasion entstanden sind in umfangreichen Registrierungen quasi „legalisierte“. Dadurch wurden viele Stücke gemeldet und konnten so zumindest auf der Insel verbleiben. Außerdem war es auch noch weit nach der türkischen Invasion möglich Kulturgut legal auf der Insel zu erwerben und auszuführen, deren Stücke heute viele ausländische Sammlungen und Museen bereichern.

Zypriotische Institutionen setzten daher in der Vergangenheit vor allem darauf, Objekte die so ins Ausland verbracht wurden als Botschafter der antiken zypriotischen Kultur zu betrachten und die zuvor genannten Sammlungen zu unterstützen und teilweise zu finanzieren. Aus privaten Initiativen wurden auch viele vor allem besondere Stücke und Sammlungen im Ausland aufgekauft und zurück nach Zypern überführt. Inhalt des Vortrages ist daher die Entwicklung dieser Vorgehensweisen unter dem Einfluss des bis heute ungelösten Zypernkonfliktes zu skizzieren und als weitere mögliche staatliche Herangehensweise im Umgang mit antikem Kulturgutes aufzuzeigen. 

Der zweite Salon der Restaurator*innen findet am 29. November 2019 in Berlin statt: Einlass ist um 19:00 Uhr in der Neuen Schule für Fotografie in der Brunnenstraße 188–190. Hier kann in ungezwungener Atmosphäre noch zahlreichen weiteren Vorträgen gelauscht und bei einem Aperitif und Kleinigkeiten diskutiert und kommuniziert werden. Der Eintritt beträgt für Berufstätige 18 Euro und für Studierende 10 Euro.

Alexander Gatzsche absolvierte nach seinem Abitur die Ausbildung zum Reserveoffizier der Marine mit letzter Verwendung als Presseoffizier im Presse- und Informationszentrum der Marine  in Glücksburg. Daraufhin wechselte er als Vorpraktikant zum Restaurierungsstudium an das Ägyptische Museum Georg-Steindorff der Universität Leipzig, um sein Studium der Konservierung und Restaurierung von Archäologisch-historischen  Kulturgutes an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) zu beginnen. Dieses schloss er 2015 mit dem Abschluss des Master of Arts ab. Bereits seit 2012 war er leitender Restaurator und stellvertretender Grabungsleitung der archäologischen Grabung im sudanesischen Wad Ben Naga des tschechischen Nationalmuseums Prag. 2018 wechselte er als Kurator und Restaurator dann zum Alexander Malios Forschungsinstitut für zypriotische Kultur und Archäologie (AMRICHA gemeinnützigeGmbH) in Leipzig. Außerdem ist er seit 2015 zusammen mit seiner Ehefrau Irene Pamer-Gatzsche in der Alexander Gatzsche und Irene Pamer GbR CulturARTis  selbstständig als Restaurator tätig. Seine fachlichen Schwerpunkte liegen vor allem in der Etablierung der modernen digitalen 3D-Technologien in der Restaurierung, wozu er seit 2017 auch als externer Dozent an der HTW Berlin im Studiengang Konservierung und Restaurierung tätig ist. Als Offizier der Reserve ist er darüberhinaus auch sehr aktiv an den Bemühungen zum militärischen Schutz von Kulturgut in Krisen- und Konfliktgebieten beteiligt.