Restauratoren als Ausstellungsverhinderer?

Dipl.-Rest. Dr. Babette Hartwieg von der Berliner Gemäldegalerie macht sich für Restauratoren und deren Kompetenzen stark. Was sie im Berufsalltag immer wieder erschüttert, berichtet sie RESTAURO in einem Porträt

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Dipl.-Rest. Dr. Babette Hartwieg. Leiterin Restaurierung und Kunsttechnologie der Berliner Gemäldegalerie. Foto: RESTAURO

 

Leidenschaftlich gern ist Babette Hartwieg Restauratorin – seit 2005 leitet sie den Bereich Restaurierung und Kunsttechnologie der Berliner Gemäldegalerie. Was sie vor allem beschäftigt, ist das Schicksal ihres Berufsstands, seine Reputation, das sich ändernde Berufsbild der Restauratoren. „Wenn ich zusammenfassen soll, was mich bewegt, dann muss ich sagen, es sind die Ausstellungsgeschäfte und die Finanznöte, die konservatorische Standards ins Wanken bringen“, sagt Babette Hartwieg.

Forschung und Restaurierung funktionieren nur zusammen

Seit sie 2005 Werkstattleiterin in der Gemäldegalerie wurde, sind zwei Restauratorenstellen ersatzlos gestrichen worden. Für Babette Hartwieg bedeutet das nicht nur mehr Arbeit, sondern grundsätzlich eine Verschiebung der Arbeitsaufgaben: hin zum Verwalten, weg vom Restaurieren und auch weg von der Forschung. Man könnte sich damit abfinden, dass Restauratoren an Museen vor allem Verwaltungsaufgaben zu erfüllen haben, um die Arbeit am Objekt zu organisieren, um den Museumsbetrieb zu begleiten, den Bilderverleih möglich zu machen. Für Babette Hartwieg ist das nicht genug und nicht allein die Aufgabe eines Restaurators am Museum. Schon in ihrer Dissertation über das Göttinger Barfüßerretabel schrieb sie: „In der vorliegenden Arbeit wird die These verfolgt, dass nur die systematische kunsttechnologische Analyse einzelner Kunstwerke einen eigenständigen Beitrag zu einer Technikgeschichte der Künste liefern kann.“ Und dabei bleibt sie: „Forschung und Restaurierung gehören nicht nur zusammen, sie können ohne einander nicht existieren.“

Fehlende Öffentlichkeitsarbeit von Restauratoren

Es habe sie erschüttert, dass die Kompetenz der Restauratoren aus finanziellen und politischen Überlegungen schlicht übergangen werde. Immer wieder mache sie die Erfahrung, dass Restauratoren nicht als Partner beim Bewahren der Sammlung wahrgenommen würden, sondern als „Ausstellungsverhinderer“, weil sie Bedenken anmeldeten. Um solchen Entwicklungen entgegen zu treten, haben sich die leitenden Restauratoren der großen Museen in Deutschland zusammen getan, um der Sicht der Restauratoren eine Stimme zu geben. Zum Beispiel in der Diskussion um eine Aufweichung der Klimarichtlinien im Museum. Auch an der Gründung des Arbeitskreises Restaurierung/Konservierung beim Deutschen Museumsbund war Babette Hartwieg beteiligt und arbeitet dort als eine der beiden stellvertretenden Sprecherinnen aktiv mit. Doch ob das Engagement etwas bewirken wird? Hartwieg ist nicht sicher, aber das Interesse des Publikums an restauratorischen Inhalten bestätige, dass Restauratoren eigentlich noch viel mehr Öffentlichkeitsarbeit machen müssten, um etwas zu bewirken.